Hinter den Kulissen der Deutschen Bahn: Zugchef Robert zeigt, wie der Job wirklich läuft

Dresden - Zwischen Bahnsteig und Verantwortung: Robert Moser (37) ist Zugchef im Fernverkehr aus Leidenschaft und zeigt auf Social Media als "herrzugchef", wie sein Job wirklich aussieht. Im Gespräch mit TAG24-Redakteurin Isabel Klemt (26) gibt er Einblicke in seinen Arbeitsalltag bei der Deutschen Bahn.

Im Gespräch mit TAG24-Redakteurin Isabel Klemt (26, r.) erzählt Robert Moser (37) von seinem Alltag als Zugchef.
Im Gespräch mit TAG24-Redakteurin Isabel Klemt (26, r.) erzählt Robert Moser (37) von seinem Alltag als Zugchef.  © Holm Helis

Wenn Robert seinen Dienst beginnt, liegt noch der Duft von Kaffee in der Luft. Nach einem kurzen Plausch mit den Kollegen geht es für den 37-Jährigen an den Bahnsteig.

"Am Bahnsteig findet das Ablösegespräch statt: Wir übernehmen den Zug, tauschen uns kurz mit dem Triebfahrzeugführer aus - und dann geht die Reise auch schon los", erzählt Robert.

Wenige Minuten später schließt sich die Zugtür mit einem Pfiff. Für die meisten Fahrgäste beginnt eine Reise - für Robert beginnt die Arbeit, und dabei bekommt er viel zu sehen. "Als Team waren wir schon in Städten wie München, Hamburg, Rostock oder Děčín unterwegs und kommen generell viel herum", so der 37-Jährige.

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Seit 2021 arbeitet er als Zugchef bei der Deutschen Bahn - ein Beruf, der für ihn weit mehr ist als nur ein Job.

Auch Verspätungen gehören zum Alltag auf der Schiene, die sich nicht beeinflussen lassen. In solchen Momenten setzt Robert auf Kommunikation.
Auch Verspätungen gehören zum Alltag auf der Schiene, die sich nicht beeinflussen lassen. In solchen Momenten setzt Robert auf Kommunikation.  © Holm Helis

Bereits seit seiner Kindheit faszinierten Robert die Züge

Bereits in seiner Kindheit war Robert begeistert von Zügen.
Bereits in seiner Kindheit war Robert begeistert von Zügen.  © Holm Helis

Seine Faszination für Züge begann schon in der Kindheit. "Ich habe mit meiner Oma direkt am Bahnhof gewohnt. Mein Onkel war Lokführer, und wir sind viel mit dem Zug gefahren. Für mich war das jedes Mal etwas ganz Besonderes", erzählt der Dresdner.

Nach seiner Ausbildung als Fachkraft im Gastgewerbe im Bordrestaurant des ICE wollte er in die Fußstapfen seiner Oma treten, die ebenfalls Zugchefin war, und begann schließlich die anspruchsvolle Qualifikation bei der Deutschen Bahn.

Heute trägt Robert als Zugchef die Verantwortung für den gesamten Ablauf an Bord und ist während der Fahrt erster Ansprechpartner für Fahrgäste und Crew. Er ist nicht nur Führungskraft, sondern Sicherheitsverantwortlicher, Krisenmanager und Kundenbetreuer in einer Person.

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Ob Fragen zum Anschluss, unerwartete Störungen oder angespannte Situationen - der Zugchef behält den Überblick. "Gerade in stressigen Momenten ist es wichtig, Ruhe auszustrahlen und den Überblick zu behalten", so Robert. Damit sorgt er neben dem Lokführer, der den Zug steuert, dafür, dass der Zug sicher, organisiert und möglichst kundenfreundlich ans Ziel kommt.

Verspätungen gehören jedoch auch zum Alltag auf der Schiene. Baustellen, technische Störungen oder Unwetter lassen sich nicht immer verhindern.

In solchen Momenten setzt Robert auf Kommunikation: "Auch wenn man das Problem nicht sofort lösen kann, hilft es vielen Fahrgästen, ehrlich informiert zu werden. […] Ruhig bleiben, erklären, respektvoll bleiben - das nimmt vielen schon den Frust", erklärt der 37-Jährige.

Als Zugchef trägt Robert die Verantwortung für den gesamten Ablauf an Bord und ist Ansprechpartner für Fahrgäste und Crew.
Als Zugchef trägt Robert die Verantwortung für den gesamten Ablauf an Bord und ist Ansprechpartner für Fahrgäste und Crew.  © Holm Helis

Robert liebt seinen Job

Robert Moser liebt die Abwechslung in seinem Job.
Robert Moser liebt die Abwechslung in seinem Job.  © Holm Helis

Was Robert an seinem Beruf besonders schätzt, sind die Abwechslung und der Kontakt zu Menschen. "Kein Dienst ist wie der andere. Man hilft Fahrgästen weiter, erlebt kleine Geschichten am Rand und weiß am Ende des Tages, dass man Verantwortung getragen hat", so der 37-Jährige.

Um genau diesen Alltag sichtbar zu machen, dokumentiert Robert seine Arbeit auf Social Media als "herrzugchef".

Die Resonanz auf seine authentische Art ist groß: Kollegen unterstützen ihn, Fahrgäste sprechen ihn an, manche steigen sogar bewusst in "seinen" Zug, um seinen Arbeitsalltag live mitzuerleben - und möchten Fotos mit ihm machen.

Für Robert ist das eine besondere Anerkennung und zugleich Motivation, weiterzumachen.

Seine wichtige Bitte an die Fahrgäste: "Ein bisschen mehr Geduld und gegenseitiger Respekt. Wir sitzen am Ende alle im selben Zug - und mit Verständnis füreinander lassen sich viele Situationen entspannter lösen."

Titelfoto: Bildmontage: Holm Helis

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