Sonnencreme-Lügen auf TikTok: Forscher warnen vor gefährlichem Trend
Edmonton (Kanada) - Sonnencreme schützt vor Hautschäden und Hautkrebs, doch auf TikTok verbreiten sich immer mehr Videos, die genau das infrage stellen. Eine neue Studie zeigt nun, dass Beiträge mit Fehlinformationen rund um Sonnenschutz besonders viel Aufmerksamkeit erhalten und damit Millionen Nutzer erreichen.
Für die Untersuchung werteten Forscher der kanadischen University of Alberta 971 der meistgesehenen TikTok-Videos zu den beliebtesten Hashtags rund um Sonnencreme und Sonnenschutz aus. Die analysierten Clips kamen zusammen auf mehr als 2,4 Milliarden Aufrufe.
Obwohl Inhalte mit irreführenden oder falschen Aussagen nur einen kleinen Teil der Beiträge ausmachten, erzielten sie deutlich mehr Likes, Kommentare und Shares als sachliche Informationen.
In vielen Clips wird behauptet, Sonnencreme enthalte giftige Stoffe, wirke als Hormonstörer oder schade der Gesundheit mehr als die Sonne selbst. Einige Nutzer stellen sogar die Gefahren von Sonnenbränden infrage und raten vom Sonnenschutz ab.
Die Forscher widersprechen diesen Behauptungen klar. Nach aktuellem wissenschaftlichem Stand gebe es keine Hinweise darauf, dass die in gängigen Sonnenschutzmitteln verwendeten Inhaltsstoffe gesundheitsschädlich seien.
Sowohl mineralische als auch chemische Sonnencremes gelten als sichere und wirksame Möglichkeit, sich vor UV-Strahlung zu schützen.
Viele Menschen unterschätzen die Risiken
Die Mehrheit der untersuchten Videos sprach sich zwar für die Nutzung von Sonnencreme aus, dennoch sehen Experten die hohe Reichweite der Falschinformationen kritisch.
"Ich würde sagen, 95 Prozent der Fehlinformationen lassen sich auf soziale Medien zurückführen", erklärte Dr. Marisa Garshick, Dermatologin bei MDCS Dermatology in New York, gegenüber NBC.
Besonders alarmierend: Viele Menschen überschätzen ihr Wissen über Sonnenschutz. Laut Daten der American Academy of Dermatology schnitt fast die Hälfte der Befragten bei einem entsprechenden Wissenstest nur mittelmäßig oder schlechter ab.
Bei den 18- bis 29-Jährigen erreichte sogar rund jeder Dritte ein mangelhaftes oder ungenügendes Ergebnis.
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