Nahost-Konflikt: Iran kündigt Ausweitung der Gegenangriffe an

Iran - "Freiheit für das Volk" - das versprach US-Präsident Donald Trump (79) wenige Stunden nach Beginn des Angriffs auf den Iran.

Bewaffnete kurdische Freiwillige stehen während einer nächtlichen Patrouille an einem Kontrollpunkt Wache. (Archivbild)
Bewaffnete kurdische Freiwillige stehen während einer nächtlichen Patrouille an einem Kontrollpunkt Wache. (Archivbild)  © Baderkhan Ahmad/AP/dpa

Doch allein mit Luftangriffen dürfte es schwierig bis unmöglich sein, das Machtsystem der Führung in Teheran zu stürzen.

Rund eine Woche nach Kriegsbeginn gibt es nun - teils widersprüchliche - Hinweise, dass es auch eine Bodenoffensive geben könnte.

Diese soll womöglich von kurdischen Kämpfern aus dem benachbarten Irak angeführt werden, unterstützt von den Kriegsparteien USA und Israel.

Wegen Nahost-Konflikt: Landespolizei verstärkt Schutz jüdischer Einrichtungen
Israel Krieg Wegen Nahost-Konflikt: Landespolizei verstärkt Schutz jüdischer Einrichtungen

Alle Entwicklungen zum Nahost-Konflikt findet Ihr hier im TAG24-Newsticker.

6. März, 8.26 Uhr: Israel - Hisbollah-Stellungen in Vororten Beiruts bombardiert

Bei ihren jüngsten Angriffen auf Ziele in mehreren Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut hat Israels Luftwaffe Armeeangaben zufolge in der Nacht unter anderem eine Kommandozentrale der Hisbollah ins Visier genommen.

Außerdem seien zehn Hochhäuser angegriffen worden, in denen sich militärische Infrastruktur der Miliz befunden habe, teilte Israels Militär am Morgen mit. Ein weiteres Ziel sei ein Drohnenlager gewesen. Berichte über Opfer gab es zunächst nicht.

Israels Armee hatte zuvor am Donnerstagnachmittag die Bewohner der betroffenen Beiruter Vororte aufgefordert, diese zu verlassen. Es war das erste Mal, dass Israels Militär eine Warnung für ein Gebiet dieser Größe in der Gegend ausgab. Die betroffenen Viertel gelten als Hochburg der Hisbollah. Sie sind aber auch dicht besiedelte Wohngebiete.

Rettungskräfte und Anwohner durchsuchen die Trümmer nach einem Angriff auf eine Grundschule für Mädchen. (Archivbild)
Rettungskräfte und Anwohner durchsuchen die Trümmer nach einem Angriff auf eine Grundschule für Mädchen. (Archivbild)  © Uncredited/Mehr News Agency/AP/dpa

6. März, 8.09 Uhr: Irans Führungsrat befasst sich mit Chamenei-Nachfolge

Nach der Tötung des iranischen Staatsoberhaupts hat sich der provisorische Führungsrat mit dessen Nachfolge befasst.

Bei ihrer vierten Sitzung planten Präsident Massud Peseschkian, Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi sowie der Kleriker Aliresa Arafi die Einberufung einer Versammlung zur Bestimmung eines neuen Religionsführers, wie aus einer Regierungserklärung hervorgeht. Das Führungstrio wurde demnach außerdem über die aktuelle Kriegslage unterrichtet.

Irans Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei war am Samstag bei israelisch-amerikanischen Angriffen getötet worden. Seitdem leitet verfassungsgemäß ein Führungstrio die Regierungsgeschäfte im Iran. Am Donnerstag wurde dem Rat mehr Macht übertragen. Er kann künftig über Krieg und Frieden entscheiden, sowie Militärvertreter und Polizeioffiziere ernennen und absetzen.

Der iranische Präsident Massud Peseschkian (71).
Der iranische Präsident Massud Peseschkian (71).  © Shadati/XinHua/dpa

6. März, 7.40 Uhr: Iran kündigt Ausweitung der Gegenangriffe an

Irans Streitkräfte haben knapp eine Woche nach Kriegsbeginn eine Ausweitung ihrer Gegenangriffe angekündigt.

In den kommenden Tagen werde der Feind intensiver und umfangreicher angegriffen, berichtete der staatliche Rundfunk unter Berufung auf das zentrale Hauptquartier "Chatam Al-Anbija", das in Kriegszeiten das Kommando im Generalstab übernimmt.

Die iranische Militärführung berichtete unterdessen über Angriffe mit Kamikazedrohnen auf den Luftwaffenstützpunkt Ramat David und eine Radarstation in Israel, einen US-Stützpunkt in Kuwait sowie im irakischen Erbil.

Vertriebene, die vor israelischen Luftangriffen in Beiruts südlichen als Dahija bekannten Vororten fliehen, schlafen an der Corniche von Beirut.
Vertriebene, die vor israelischen Luftangriffen in Beiruts südlichen als Dahija bekannten Vororten fliehen, schlafen an der Corniche von Beirut.  © Hussein Malla/AP/dpa

6. März, 6.42 Uhr: Großteil der iranischen Raketen ist laut Trump zerstört

Die Luftabwehr und die Raketen des Irans sind nach der Darstellung von US-Präsident Donald Trump bereits ganz oder in großen Teilen zerstört.

"Sie haben also keine Luftwaffe mehr, sie haben keine Luftabwehr mehr. Alle ihre Flugzeuge sind weg", sagte Trump in Washington. Zudem seien ihre Raketen zu 60 und ihre Abschussvorrichtungen zu 64 Prozent ausgeschaltet, sagte er. "Sobald sie eine Rakete abschießen, wird die Abschussrampe innerhalb von vier Minuten getroffen."

Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht. Neben dem Nuklearprogramm und der Marine hatte die US-Regierung das Raketenprogramm des Irans zuvor als wichtigstes Kriegsziel genannt.

6. März, 6.38 Uhr: Beschuss von Luftwaffen-Basis auf Saudi-Arabien abgewehrt

Ein Luftwaffenstützpunkt in Saudi-Arabien ist Ziel eines Raketenangriffs geworden.

Die Luftabwehr habe drei ballistische Raketen, die in Richtung der Prince Sultan-Basis abgefeuert worden seien, abgefangen und zerstört, teilte das saudische Verteidigungsministerium in der Nacht auf X mit.

Irans Streitkräfte attackieren neben Israel auch Stellungen in den Golfstaaten, darunter neben Saudi-Arabien in Bahrain, Katar, Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Irak. In diesen Staaten haben die USA Stützpunkte.

6. März, 6.35 Uhr: Israels Luftwaffe bombardiert erneut in Teheran

Israels Luftwaffe greift in der Nacht erneut Ziele in der iranischen Hauptstadt Teheran an.

Man habe eine "großangelegte Angriffswelle gegen die Infrastruktur des iranischen Terrorregimes in Teheran gestartet", gab die Armee bekannt.Nähere Details wurden zunächst nicht mitgeteilt.

Israels Generalstabschef Ejal Zamir hatte zuvor eine neue Phase der Angriffe gegen den Erzfeind angekündigt. "In dieser Phase werden wir das Regime und seine militärischen Kapazitäten weiter zerschlagen", sagte Zamir laut Militärangaben. Er kündigte demnach nicht näher benannte "weitere Überraschungen" an.

Erneut beginnt die Luftwaffe mit massiven Bombardierungen auf Teheran.
Erneut beginnt die Luftwaffe mit massiven Bombardierungen auf Teheran.  © Vahid Salemi/AP/dpa

6. März, 6.32 Uhr: Hisbollah-Miliz warnt Bewohner im Norden Israels

Die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz im Libanon hat die Bewohner im Norden Israels zum Verlassen des Gebiets aufgerufen.

Die Angriffe der israelischen Armee im Libanon würden "nicht ohne Reaktion bleiben", drohte die Schiiten-Organisation. Sie rief dazu auf, alle israelischen Siedlungen innerhalb von fünf Kilometern von der Grenze entfernt zu räumen. Es war die erste Warnung der Miliz dieser Art seit Ausbruch der neuen Gewalt.

Israels Armee hatte zuvor ihrerseits die Bewohner mehrerer dicht besiedelter Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut aufgefordert, diese zu verlassen. Die betroffenen Viertel gelten als Hochburg der Hisbollah. Am Abend begann Israels Armee dort mit Angriffen. Einwohner berichteten von Explosionen.

Israel greift eigenen Angaben zufolge Ziele der Hisbollah in Vororten von Beirut an.
Israel greift eigenen Angaben zufolge Ziele der Hisbollah in Vororten von Beirut an.  © Hassan Ammar/AP/dpa

6. März, 6.25 Uhr: Weiter nahezu kein Nahost-Flugverkehr am Flughafen BER

Wegen des Iran-Kriegs gibt es am Flughafen BER auch am Freitag nahezu keine Nahost-Flüge.

Die Airlines haben 15 von 16 Starts und Landungen gestrichen, wie eine BER-Sprecherin auf Anfrage der dpa mitteilte. Betroffen sind die Destinationen Dubai, Doha, Beirut, Riad und Tel Aviv. Ein Abflug am Freitagabend nach Dschidda ist bislang noch vorgesehen. In die saudi‑arabische Hafenstadt gab es bereits in der ganzen Woche Verbindungen.

Auch für dieses Wochenende gebe es für Reisende mit Ziel Nahost keine Entwarnung, so die Sprecherin. Bis jetzt hätten die Fluggesellschaften etwa die Hälfte der für Samstag und Sonntag geplanten Flüge in die Region gestrichen. "Für alle aktuell noch geplanten Verbindungen gilt: Die Airlines beobachten die Lage fortlaufend. Streichungen sind jederzeit möglich."

Der Angriff auf den Iran durch Israel und die USA legt den Luftverkehr in der Region noch immer lahm.
Der Angriff auf den Iran durch Israel und die USA legt den Luftverkehr in der Region noch immer lahm.  © Soeren Stache/dpa

6. März, 6.22 Uhr: Könnten die USA oder Israel Bodentruppen in den Iran schicken?

Bodentruppen seien "derzeit nicht Teil des Plans", sagte Regierungssprecherin Karoline Leavitt.

Trump und Verteidigungsminister Pete Hegseth schließen den Einsatz von Bodentruppen aber auch nicht aus, obwohl die amerikanische Öffentlichkeit auf das Thema besonders sensibel reagiert nach den langen und verlustreichen Kriegen im Irak und in Afghanistan.

Als äußerst unwahrscheinlich gilt, dass Israels Armee in großem Umfang Bodentruppen in das Gebiet des rund 2.000 Kilometer entfernten Erzfeinds Iran schicken würde. Ein solcher Einsatz wäre für das kleine Land Israel mit zu vielen Risiken verbunden.

Vom Iran abgeschossene Raketen sind am Himmel über Zentralisrael zu sehen.
Vom Iran abgeschossene Raketen sind am Himmel über Zentralisrael zu sehen.  © Ohad Zwigenberg/AP/dpa

6. März, 6.19 Uhr: Wie könnte der Iran auf solch eine Invasion im Westen reagieren?

Irans Streitkräfte bereiten sich seit Jahrzehnten auf genau ein solches Szenario vor. Die militärische Doktrin des Landes wurde maßgeblich durch den Iran-Irak-Krieg (1980-1988) geprägt, einen verlustreichen Abnutzungskrieg, der bis heute das strategische Denken in Teheran bestimmt.

Statt auf klassische Gefechte an der Front setzt Iran auch auf eine asymmetrische Verteidigung: Guerillataktiken, dezentrale Kommandostrukturen und die Mobilisierung paramilitärischer Kräfte sollen einen Angreifer in einen langwierigen und verlustreichen Krieg zwingen.

Titelfoto: Hussein Malla/AP/dpa

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