Kommentar: Finger weg vom Tempelhofer Feld!

Berlin - Die Grünen haben recht! Bettina Jarasch (54, Grüne) hat schon frühzeitig gewarnt: Mit der GroKo bekomme Berlin eine Rückschrittskoalition. Blickt man auf die Pläne vom möglichen Bald-Bürgermeister Kai Wegner (50) scheint die Vorhersage einzutreffen. Willkommen im Jahr 2014!

Bald-Bürgermeister Kai Wegner (50) hat schon konkrete Vorstellungen zum Tempelhofer Feld.
Bald-Bürgermeister Kai Wegner (50) hat schon konkrete Vorstellungen zum Tempelhofer Feld.  © Kay Nietfeld/dpa, Jessica Lichetzki/dpa

Der Berliner CDU-Chef ist noch nicht im Amt, schielt aber schon aufs Tempelhofer Feld. Er hatte sich für eine Randbebauung des Tempelhofer Feldes ausgesprochen. Genau genommen will er die Berliner darüber abstimmen lassen. Schon wieder!

Nur zur Erinnerung: Das haben sie bereits. Vor neun Jahren stimmten die Bewohner gegen eine Randbebauung.

Seitdem aber habe sich die Wohnungsnot zugespitzt, auch die Mieten seien gestiegen, begründet Wegner die Pläne. Das mag stimmen. Nur wird aber auch eine Randbebauung weder die Wohnungsnot lösen, noch die Mieten senken.

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In Berlin fehlen laut Morgenpost 137.000 Wohnungen. Das wird auch eine Randbebauung nicht aufhalten, zumal es ein Trugschluss wäre, zu glauben, die neuen entstandenen Wohnungen wären bezahlbar. Doch nicht bei dieser Lage!

Die Berliner lieben das Feld - ob zum Joggen, Fahrradfahren, Skaten oder Grillen. So ein Naherholungsgebiet braucht die Stadt und wird durch die Bebauung nur zerstört oder bringt neue Probleme mit sich: Konzerte oder Festivals wären aufgrund des Lärmschutzes auf dem ehemaligen Flughafengelände wohl nicht mehr möglich. Und überhaupt: Muss denn hier andauernd gegrillt werden?

TAG24-Redakteur Johannes Kohlstedt hält wenig von der Randbebauung.
TAG24-Redakteur Johannes Kohlstedt hält wenig von der Randbebauung.  © privat

Ist der Stein erst ins Rollen gebracht worden ...

Bettina Jarasch (54, Grüne) hat die Pläne von Kai Wegner scharf kritisiert.
Bettina Jarasch (54, Grüne) hat die Pläne von Kai Wegner scharf kritisiert.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Zudem ist die Befürchtung groß, dass die Randbebauung nur der Anfang ist. Was spricht denn dagegen das Feld danach Stück für noch weiter zu bebauen. Ist der Stein erst ins Rollen gebracht worden ...

Interessant ist auch sein Verständnis von Volksentscheiden. Beim Volksentscheid zur Enteignung großer privater Wohnungsunternehmen ließ er durchblicken diesen zwar zu akzeptieren, macht aber keine großen Anstalten diesen auch umzusetzen. Nun glaubt Wegner, die Berliner haben trotz Volksentscheid von 2014 ihre Meinung geändert.

Die Frage ist dann nur: Wie lange soll dieser dann gültig sein? Ein Jahr? Erneut neun Jahre? Bis zur nächsten Wahl oder bis ihm das Ergebnis passt?

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Die Berliner haben allerdings schon einmal entsprechende Pläne verhindert und können es erneut. Der große Unterschied: Damals ging die Initiative von den Bürgern aus - und nicht von "oben". Also Finger weg vom Tempelhofer Feld!

Titelfoto: Kay Nietfeld/dpa, Jessica Lichetzki/dpa

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