Swipe, Match, Love? Das harte Geschäft des Online-Datings mit Behinderungen

Leipzig - Ob Tinder, Lovoo oder Bumble: Dating-Apps gibt es nicht nur reichlich, sie werden auch gern genutzt. Unter anderem von Kai Bosch (27). Er hat eine Behinderung und berichtet in der MDR-Sendung "Selbstbestimmt" von seinen Erfahrungen im Online-Dating.

Die Erfahrungen mit Dating-Apps gehen bei Menschen mit Behinderungen auseinander. (Symbolbild)
Die Erfahrungen mit Dating-Apps gehen bei Menschen mit Behinderungen auseinander. (Symbolbild)  © dpa/Sina Schuldt

Der 27-Jährige ist Stotterer und Tetraspastiker. Das bedeutet, dass er mit spastischen Lähmungen an Armen und Beinen zu kämpfen hat.

"Im Dating-Kontext habe ich meine Behinderung tatsächlich noch nie als Vorteil wahrgenommen", erzählt Kai.

Der Comedian und Inklusionsbotschafter habe meist erst mit negativen Reaktionen zu kämpfen und könne diese oft erst nach mehrmaligen Treffen widerlegen. Wenn es überhaupt dazu kommt, denn viele Frauen brechen den Kontakt ab, wenn er ihnen von seiner Behinderung erzählt.

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Auch Patricia Vierkotten (33) kann ein Lied davon singen. Sie hat Multiple Sklerose.

Spätestens wenn sie nach ihrem Beruf gefragt wird und erklären muss, dass sie aufgrund ihrer Krankheit aktuell nicht arbeiten kann, war's das meistens mit dem Kennenlernen.

Ob es Menschen mit einer sichtlichen Behinderung beim Online-Dating schwerer haben, möchte Moderator Tan Caglar (44) gerne selbst testen und startet dazu ein Experiment.

Selbstbestimmt: Dating-Test mit überraschendem Ergebnis

Tan Caglar (44) kam mit einer Rückenmarkserkrankung zur Welt und ist deshalb seit seinem 25. Lebensjahr auf den Rollstuhl angewiesen. (Archivbild)
Tan Caglar (44) kam mit einer Rückenmarkserkrankung zur Welt und ist deshalb seit seinem 25. Lebensjahr auf den Rollstuhl angewiesen. (Archivbild)  © dpa/Julian Stratenschulte

Er erstellt sich zwei Profile auf einem Dating-Portal. Auf einem ist erkennbar, dass er im Rollstuhl sitzt, auf dem anderen nicht.

Das Ergebnis ist überraschend, denn entgegen den Erwartungen bekam Tan auf dem Profil, wo er mit Rollstuhl abgebildet war, mehr Matches und wurde auch öfter angeschrieben.

"Ich hab vorher ehrlich gesagt gedacht, es wird mit Rollstuhl weniger Kontakt geben", gesteht er.

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Eszter Bodnár hat ebenfalls gute Erfahrungen mit dem Dating im Internet gemacht, denn sie lernte ihren Partner dort kennen. Sie führte ein sehr aktives Leben, bevor die Nervenkrankheit Ataxie bei ihr ausbrach und sie an den Rollstuhl fesselte.

Auf der Seite "Handicap Love" fand Eszter ihre Liebe, Patricia ist bei der Dating-Seite für Menschen mit Behinderung noch zwiegespalten: "Irgendwie habe ich die Hoffnung, dass ich über Tinder oder Lovoo jemanden finde."

Grundsätzlich sei sie aber nicht abgeneigt, auch auf diesem Dating-Portal ihr Glück zu versuchen.

Die gesamte Folge "Selbstbestimmt: No swipe - no date? fragt Tan Caglar" könnt Ihr Euch in der Mediathek ansehen.

Titelfoto: Bildmontage: dpa/Julian Stratenschulte; dpa/Sina Schuldt

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