Erdbeben in Venezuela: Kein Strom, kein Wasser, Plünderungen - Hoffnung auf Überlebende schwindet

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Von Andrea Sosa, Jürgen Bätz

Caracas - Nach zwei sehr starken Erdbeben in Venezuela suchen die Rettungskräfte unter den Trümmern weiter nach zahlreichen Verschütteten. Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke der Beben mit 7,2 und 7,5 an.

Diese von Vantor zur Verfügung gestellten Bilder zeigen die Lage in Playa Grande vor und nach den Erdbeben.
Diese von Vantor zur Verfügung gestellten Bilder zeigen die Lage in Playa Grande vor und nach den Erdbeben.  © Uncredited/Vantor/AP/dpa

Die Regierung rief den Notstand aus und sprach von großen Schäden. Fotos und Videos zeigten an mehreren Orten eingestürzte Gebäude.

Der Zugverkehr im Land wurde eingestellt, der internationale Flughafen der Hauptstadt Caracas wurde geschlossen.

Die Zahl der Todesopfer nach den schweren Erdbeben ist inzwischen auf 235 gestiegen. Mehr als 4300 Verletzte seien bisher in öffentlichen Krankenhäusern behandelt worden, sagte der venezolanische Gesundheitsminister Carlos Alvarado (46) im Fernsehsender VTV. 

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Rund 200 weitere Menschen sollen noch verschüttet sein, hatte der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, zuvor gesagt. Dabei dürfte es aber nur um diejenigen gehen, die bereits unter den Trümmern verortet wurden. Es gibt Hinweise darauf, dass die Gesamtzahl der Verschütteten in die Tausende gehen könnte.

Nach Einschätzungen der US-Geologiebehörde USGS könnte die Zahl der Todesopfer auf 10.000 bis 100.000 steigen.

Es sei die schwerste Naturkatastrophe, die Venezuela in den vergangenen 30 Jahren erlebt habe, sagte Rodríguez. 250 Gebäude seien komplett zerstört oder beschädigt, darunter 8 Krankenhäuser, 20 Einkaufszentren und 68 öffentliche Infrastruktureinrichtungen.

TAG24 berichtet im Liveticker über das Geschehen in Venezuela.

26. Juni, 8.47 Uhr: Kein Strom, kein Wasser, Plünderungen - Hoffnung auf Überlebende schwindet

Im Bundesstaat La Guaira im Norden des Landes sei die Lage besonders dramatisch, berichtete die Online-Plattform "Tal Cual".

Bilder von dort zeigen Gebäude, die komplett in Trümmern liegen. Es gebe keinen Strom, kein Wasser und es sei bereits zu Plünderungen von Geschäften gekommen. Für die Sucharbeiten werde schweres Gerät benötigt - daran fehlt es aber bislang noch. "Alles von Hand zu machen, ist ziemlich mühsam", schilderte eine Bewohnerin der Stadt Catia La Mar nordwestlich von Caracas. "Falls noch jemand am Leben ist, hat er nicht mehr die Kraft, zu antworten." 

Auf einige Betonruinen hätten die Bewohner die Namen der eingestürzten Gebäude gesprüht, hieß es in dem Bericht weiter. An manchen Wänden heiße es aber auch beruhigend: "Uns allen geht es gut."

Ein Fahrzeug ist unter einem Gebäude eingeklemmt, das nach den Erdbeben in La Guaira, eingestürzt ist.
Ein Fahrzeug ist unter einem Gebäude eingeklemmt, das nach den Erdbeben in La Guaira, eingestürzt ist.  © Javier Campos/AP/dpa

26. Juni, 8.13 Uhr: Mehr als 70.000 Familien in La Guaira betroffen

Nach den verheerenden Erdbeben in Venezuela sind allein im Bundesstaat La Guaira mehr als 70.000 Familien von den Folgen der Katastrophe betroffen. Das teilte Innenminister Diosdado Cabello am Donnerstag (Ortszeit) bei einem Besuch in dem besonders schwer getroffenen Bundesstaat an der Karibikküste mit.

"Wir lassen euch nicht allein", sagte Cabello und kündigte umfassende Rettungs- und Bergungsarbeiten sowie die Unterstützung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Wasser an.

Motorradfahrer fahren auf einer Straße, die durch die Erdbeben, die La Guaira in Venezuela einen Tag zuvor erschüttert hatten, aufgerissen wurde.
Motorradfahrer fahren auf einer Straße, die durch die Erdbeben, die La Guaira in Venezuela einen Tag zuvor erschüttert hatten, aufgerissen wurde.  © Javier Campos/AP/dpa

26. Juni, 6.15 Uhr: Ausländische Helfer fliegen nach Venezuela

Internationale Hilfsteams mit Spürhunden bereiten sich auf den Einsatz in Venezuela vor. Aus Ländern wie Deutschland und Mexiko werden Rettungskräfte entsandt, um nach Überlebenden zu suchen. Knapp 50 Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) fliegen an diesem Freitag in das Katastrophengebiet.

Laut der Regierung des südamerikanischen Landes wurden bislang 235 Tote gezählt. Mehr als 4300 Verletzte seien bisher in öffentlichen Krankenhäusern behandelt worden, sagte der venezolanische Gesundheitsminister Carlos Alvarado im Fernsehsender VTV.

Rund 200 weitere Menschen sollen noch immer unter den Trümmern verschüttet sein. Dabei dürfte es aber nur um diejenigen gehen, die bereits unter den Trümmern verortet wurden. Es gibt Hinweise darauf, dass die Gesamtzahl der Verschütteten in die Tausende gehen könnte.

Patienten liegen vor einem Krankenhaus, das evakuiert wurde, nachdem es bei einem Erdbeben beschädigt worden war.
Patienten liegen vor einem Krankenhaus, das evakuiert wurde, nachdem es bei einem Erdbeben beschädigt worden war.  © Pedro Mattey/AP/dpa

26. Juni, 6.12 Uhr: Überlebende bangen um die Zukunft

Cerafín Owaldo fleht um nur fünf Minuten. Der 74-Jährige steht vor seinem schwerbeschädigten Wohnhaus in der venezolanischen Hauptstadt Caracas, in dem er seit 40 Jahren lebt - und kann infolge der verheerenden Erdbeben nicht mehr hinein.

"Bitte lasst uns wenigstens kurz hochgehen, um ein paar Kleidungsstücke, meine Kreditkarte und die Medikamente für meine Frau zu holen, die an Herzproblemen leidet!", bittet er die Einsatzkräfte, die dort Trümmer beseitigen. Doch sie verwehren ihm den Zutritt. "Es dauert nur fünf Minuten. Gebt uns doch die Erlaubnis", sagt der Mann verzweifelt. 

Seit den Erdbeben am Mittwochabend (Ortszeit) übernachtet Owaldo außerhalb seiner Wohnung im Stadtteil Pinto Salinas in einer Notunterkunft. Das Gebäude ist zwar nicht eingestürzt.

Die Erschütterungen der Stärke 7,2 und 7,5 haben aber mehrere Wohnungen zerstört und so schwere strukturelle Schäden hinterlassen, dass es vorerst nicht mehr betreten werden darf. Vier Nachbarinnen Owaldos kamen ums Leben. Gemeinsam mit den anderen Hausbewohnern hat er vorerst Zuflucht auf einem nahegelegenen Sportplatz gefunden - und bangt um seine Zukunft.

Hilfskräfte tragen eine Person aus den Trümmern eines Hauses. In Venezuela sind die Bergungsarbeiten nach den schweren Erdbeben zu einem Wettlauf gegen die Zeit geworden.
Hilfskräfte tragen eine Person aus den Trümmern eines Hauses. In Venezuela sind die Bergungsarbeiten nach den schweren Erdbeben zu einem Wettlauf gegen die Zeit geworden.  © Stringer/dpa
Blick auf ein eingestürztes mehrstöckiges Gebäude.
Blick auf ein eingestürztes mehrstöckiges Gebäude.  © Stringer/dpa

25. Juni, 13.48 Uhr: "Es war fürchterlich" - Angst und Zerstörung in Venezuela

"Bei uns in der Nähe sind zwei Hochhäuser eingestürzt, am Nachbargebäude fehlen Wände", berichtet eine 57 Jahre alte Anwohnerin der dpa per Audiobotschaft. Sie wohnt im Osten der Millionenmetropole, wo es schon 1967 bei einem Erdbeben der Stärke 6,5 schwere Schäden gegeben hatte. 

"Ich habe noch nie in meinem Leben so viel Angst gehabt. Es war fürchterlich", ergänzt die Frau. In ihrer Wohnung in der Gemeinde Chacao seien Möbel umgestürzt und Bilder von den Wänden gefallen, alles sei voller Scherben. Die Erschütterungen seien so stark gewesen, dass sie und ihr Mann zunächst gar nicht aus der Wohnung gekommen seien. Zusammen mit Nachbarn seien sie dann schließlich auf die Straße gerannt. 

Nach den Beben sei stundenlang der Strom ausgefallen, auch das Mobilfunknetz habe nicht funktioniert, erzählt die Frau. Ihr Haus sei aber von schweren Schäden augenscheinlich verschont geblieben. Nach Angaben des Bürgermeisters von Chacao, Gustavo Duque, stürzten in der Gegend vier Hochhäuser ein. "Wir haben 18 Personen lebend retten können, das ist eine gute Nachricht", sagte der Bürgermeister örtlichen Medien. 

Frauen blicken nach einem Erdbeben auf ein eingestürztes Gebäude.
Frauen blicken nach einem Erdbeben auf ein eingestürztes Gebäude.  © Pedro Mattey/AP/dpa

25. Juni, 13.17 Uhr: Bislang keine Erkenntnisse über deutsche Erdbebenopfer

Die Bundesregierung hat bislang keine Erkenntnisse über deutsche Staatsangehörige unter den Opfern der schweren Erdbeben in Venezuela.

Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, die Lage sei noch unübersichtlich und das gesamte Ausmaß nicht absehbar. Es sei leider mit sehr vielen Todesopfern zu rechnen. 

Aktuell würden Hilfsoptionen über verschiedene Partner geprüft. Am Nachmittag (14.30 Uhr) solle zur weiteren Koordinierung der Krisenstab der Bundesregierung im Auswärtigen Amt zusammentreten. Die Mitarbeitenden der Botschaft sind demnach wohlauf. 

In der Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts sei eine niedrige dreistellige Zahl deutscher Staatsbürger in dem Land eingetragen, hieß es weiter. Die Zahl der in der sogenannten Elefand-Liste registrierten Menschen gibt nicht die tatsächliche Anzahl deutscher Staatsangehöriger im Land wieder, da Deutsche im Ausland keiner Meldepflicht unterliegen. Venezuela gilt derzeit nicht als Reiseland, wegen der Sicherheitslage besteht seit längerem eine Teilreisewarnung.

25. Juni, 13.06 Uhr: Warum hat die Erde gebebt?

Die Beben traten entlang einer Verwerfungszone auf, an der mehrere Erdplatten aneinander stoßen.

In der Region seien es insbesondere die karibische Platte und die südamerikanische Platte, die sich gegeneinander bewegten, sagte der Leiter der GFZ-Sektion Erdbeben- und Vulkanphysik der Deutschen Presse-Agentur. Das führe immer wieder zu Erdbeben.

In Fachkreisen werde diskutiert, ob es in Venezuela nun zwei starke Erdbeben in kurzer Folge gegeben habe oder ob es ein einziger Bruch gewesen sei. Nach Einschätzung des Potsdamer Instituts gab es zwei Erdstöße im Abstand von etwa 30 Sekunden.

25. Juni, 12.42 Uhr: Zahl der Toten ist gestiegen

Nach zwei schweren Erdbeben in Venezuela ist die Zahl der Toten nach Angaben der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez auf mindestens 164 gestiegen. Mindestens 971 Menschen wurden verletzt, wie Rodríguez am Donnerstag im Sender VTV mitteilte.

Eine Modellrechnung der US-Erdbebenwarte USGS legte nahe, dass die Opferzahl noch weiter steigt. Wo genau die 164 Toten geborgen wurden, war zunächst nicht bekannt.

Venezuelas geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez (57) korrigierte die Opferzahl in Venezuela nach oben.
Venezuelas geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez (57) korrigierte die Opferzahl in Venezuela nach oben.  © Marcelo Garcia/Prensa Miraflores/dpa

25. Juni, 12.13 Uhr: Auswärtiges Amt ruft Deutsche in Venezuela zu Vorsichtsmaßnahmen auf

Das Auswärtige Amt hat deutsche Staatsbürger in Venezuela nach den beiden schweren Erdbeben in dem Land zu weiteren Vorsichtsmaßnahmen aufgerufen.

In den Reise- und Sicherheitshinweisen des Außenministeriums in Berlin wurden die Deutschen in dem Land unter anderem aufgerufen, sich mit den Verhaltenshinweisen des Deutschen Geoforschungszentrums für Erdbeben vertraut zu machen und sich in die Krisenvorsorgeliste Elefand des Auswärtigen Amts einzutragen. Informationen über mögliche deutsche Opfer in Venezuela gab es zunächst nicht.

25. Juni, 12.08 Uhr: Merz sagt Venezuela nach Erdbeben Hilfe zu

Nach den verheerenden Erdbeben in Venezuela hat die Bundesregierung Hilfe zugesagt. "Die Nachrichten vom fürchterlichen Erdbeben in Venezuela machen tief betroffen.

Deutschland steht an der Seite Venezuelas und wird helfen", schrieb Bundeskanzler Friedrich Merz auf X. "Unsere Gedanken gelten den Opfern und jenen, die ihr Hab und Gut verloren haben. Den Verletzten wünsche ich Kraft und schnelle Genesung." Auch Außenminister Johann Wadephul (CDU) zeigte sich auf X "zutiefst bestürzt" und sagte Hilfe zu. 

Bei zwei schwere Erdbeben innerhalb von nur 39 Sekunden sind in Venezuela mindestens 32 Menschen ums Leben gekommen. Rund 700 weitere wurden nach ersten Erkenntnissen der Behörden verletzt.

Der Bundeskanzler Friedrich Merz (70).
Der Bundeskanzler Friedrich Merz (70).  © Kay Nietfeld/dpa

25. Juni 12.04 Uhr: Nur Sekunden lagen zwischen den heftigen Erschütterungen

Zwischen beiden Erschütterungen lagen laut USGS nur 39 Sekunden. Das erste Beben ereignete sich am Mittwoch um 18.04 Uhr (Ortszeit) 24 Kilometer östlich von San Felipe im Nordwesten des Landes in einer Tiefe von 21,9 Kilometern.

Das zweite, stärkere Erbeben ereignete sich wenige Kilometer weiter nördlich in nur rund zehn Kilometern Tiefe. Wegen der geringen Tiefe dürften die Auswirkungen des zweiten Bebens größer sein. 

Mit einer stärke von 7,5 ist das Erdbeben laut der USGS das Heftigste in dem südamerikanischen Land seit mehr als einem Jahrhundert. Ein noch stärkeres Beben der Stärke 7,7 gab es zuletzt im Jahr 1900 nordöstlich der Hauptstadt Caracas vor der Küste Venezuelas.

Titelfoto: Javier Campos/AP/dpa

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