Verheerende Erdbeben in Venezuela: Hunderte Menschen tot

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Von Andrea Sosa, Jürgen Bätz

Caracas - Nach zwei sehr starken Erdbeben in Venezuela suchen die Rettungskräfte unter den Trümmern weiter nach zahlreichen Verschütteten. Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke der Beben mit 7,2 und 7,5 an.

Ein Mann springt nach einem Erdbeben von einem eingestürzten Gebäude.
Ein Mann springt nach einem Erdbeben von einem eingestürzten Gebäude.  © Adrian Naranjo/AP/dpa

Die Regierung rief den Notstand aus und sprach von großen Schäden. Fotos und Videos zeigten an mehreren Orten eingestürzte Gebäude.

Der Zugverkehr im Land wurde eingestellt, der internationale Flughafen der Hauptstadt Caracas wurde geschlossen.

Nach Angaben der venezolanischen Präsidenten Delcy Rodríguez (57) sind mindestens 164 Menschen tot. Knapp 1000 Personen wurden verletzt.

Zwei Erdbeben lassen Urlaubsinsel Kreta wackeln
Erdbeben Zwei Erdbeben lassen Urlaubsinsel Kreta wackeln

Nach Einschätzungen der US-Geologiebehörde USGS könnte die Zahl der Todesopfer auf 10.000 bis 100.000 steigen.

TAG24 berichtet im Liveticker über das Geschehen in Venezuela.

25. Juni, 13.48 Uhr: "Es war fürchterlich" - Angst und Zerstörung in Venezuela

"Bei uns in der Nähe sind zwei Hochhäuser eingestürzt, am Nachbargebäude fehlen Wände", berichtet eine 57 Jahre alte Anwohnerin der dpa per Audiobotschaft. Sie wohnt im Osten der Millionenmetropole, wo es schon 1967 bei einem Erdbeben der Stärke 6,5 schwere Schäden gegeben hatte. 

"Ich habe noch nie in meinem Leben so viel Angst gehabt. Es war fürchterlich", ergänzt die Frau. In ihrer Wohnung in der Gemeinde Chacao seien Möbel umgestürzt und Bilder von den Wänden gefallen, alles sei voller Scherben. Die Erschütterungen seien so stark gewesen, dass sie und ihr Mann zunächst gar nicht aus der Wohnung gekommen seien. Zusammen mit Nachbarn seien sie dann schließlich auf die Straße gerannt. 

Nach den Beben sei stundenlang der Strom ausgefallen, auch das Mobilfunknetz habe nicht funktioniert, erzählt die Frau. Ihr Haus sei aber von schweren Schäden augenscheinlich verschont geblieben. Nach Angaben des Bürgermeisters von Chacao, Gustavo Duque, stürzten in der Gegend vier Hochhäuser ein. "Wir haben 18 Personen lebend retten können, das ist eine gute Nachricht", sagte der Bürgermeister örtlichen Medien. 

Frauen blicken nach einem Erdbeben auf ein eingestürztes Gebäude.
Frauen blicken nach einem Erdbeben auf ein eingestürztes Gebäude.  © Pedro Mattey/AP/dpa

25. Juni, 13.17 Uhr: Bislang keine Erkenntnisse über deutsche Erdbebenopfer

Die Bundesregierung hat bislang keine Erkenntnisse über deutsche Staatsangehörige unter den Opfern der schweren Erdbeben in Venezuela.

Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, die Lage sei noch unübersichtlich und das gesamte Ausmaß nicht absehbar. Es sei leider mit sehr vielen Todesopfern zu rechnen. 

Aktuell würden Hilfsoptionen über verschiedene Partner geprüft. Am Nachmittag (14.30 Uhr) solle zur weiteren Koordinierung der Krisenstab der Bundesregierung im Auswärtigen Amt zusammentreten. Die Mitarbeitenden der Botschaft sind demnach wohlauf. 

In der Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts sei eine niedrige dreistellige Zahl deutscher Staatsbürger in dem Land eingetragen, hieß es weiter. Die Zahl der in der sogenannten Elefand-Liste registrierten Menschen gibt nicht die tatsächliche Anzahl deutscher Staatsangehöriger im Land wieder, da Deutsche im Ausland keiner Meldepflicht unterliegen. Venezuela gilt derzeit nicht als Reiseland, wegen der Sicherheitslage besteht seit längerem eine Teilreisewarnung.

25. Juni, 13.06 Uhr: Warum hat die Erde gebebt?

Die Beben traten entlang einer Verwerfungszone auf, an der mehrere Erdplatten aneinander stoßen.

In der Region seien es insbesondere die karibische Platte und die südamerikanische Platte, die sich gegeneinander bewegten, sagte der Leiter der GFZ-Sektion Erdbeben- und Vulkanphysik der Deutschen Presse-Agentur. Das führe immer wieder zu Erdbeben.

In Fachkreisen werde diskutiert, ob es in Venezuela nun zwei starke Erdbeben in kurzer Folge gegeben habe oder ob es ein einziger Bruch gewesen sei. Nach Einschätzung des Potsdamer Instituts gab es zwei Erdstöße im Abstand von etwa 30 Sekunden.

25. Juni, 12.42 Uhr: Zahl der Toten ist gestiegen

Nach zwei schweren Erdbeben in Venezuela ist die Zahl der Toten nach Angaben der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez auf mindestens 164 gestiegen. Mindestens 971 Menschen wurden verletzt, wie Rodríguez am Donnerstag im Sender VTV mitteilte.

Eine Modellrechnung der US-Erdbebenwarte USGS legte nahe, dass die Opferzahl noch weiter steigt. Wo genau die 164 Toten geborgen wurden, war zunächst nicht bekannt.

Venezuelas geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez (57) korrigierte die Opferzahl in Venezuela nach oben.
Venezuelas geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez (57) korrigierte die Opferzahl in Venezuela nach oben.  © Marcelo Garcia/Prensa Miraflores/dpa

25. Juni, 12.13 Uhr: Auswärtiges Amt ruft Deutsche in Venezuela zu Vorsichtsmaßnahmen auf

Das Auswärtige Amt hat deutsche Staatsbürger in Venezuela nach den beiden schweren Erdbeben in dem Land zu weiteren Vorsichtsmaßnahmen aufgerufen.

In den Reise- und Sicherheitshinweisen des Außenministeriums in Berlin wurden die Deutschen in dem Land unter anderem aufgerufen, sich mit den Verhaltenshinweisen des Deutschen Geoforschungszentrums für Erdbeben vertraut zu machen und sich in die Krisenvorsorgeliste Elefand des Auswärtigen Amts einzutragen. Informationen über mögliche deutsche Opfer in Venezuela gab es zunächst nicht.

25. Juni, 12.08 Uhr: Merz sagt Venezuela nach Erdbeben Hilfe zu

Nach den verheerenden Erdbeben in Venezuela hat die Bundesregierung Hilfe zugesagt. "Die Nachrichten vom fürchterlichen Erdbeben in Venezuela machen tief betroffen.

Deutschland steht an der Seite Venezuelas und wird helfen", schrieb Bundeskanzler Friedrich Merz auf X. "Unsere Gedanken gelten den Opfern und jenen, die ihr Hab und Gut verloren haben. Den Verletzten wünsche ich Kraft und schnelle Genesung." Auch Außenminister Johann Wadephul (CDU) zeigte sich auf X "zutiefst bestürzt" und sagte Hilfe zu. 

Bei zwei schwere Erdbeben innerhalb von nur 39 Sekunden sind in Venezuela mindestens 32 Menschen ums Leben gekommen. Rund 700 weitere wurden nach ersten Erkenntnissen der Behörden verletzt.

Der Bundeskanzler Friedrich Merz (70).
Der Bundeskanzler Friedrich Merz (70).  © Kay Nietfeld/dpa

25. Juni 12.04 Uhr: Nur Sekunden lagen zwischen den heftigen Erschütterungen

Zwischen beiden Erschütterungen lagen laut USGS nur 39 Sekunden. Das erste Beben ereignete sich am Mittwoch um 18.04 Uhr (Ortszeit) 24 Kilometer östlich von San Felipe im Nordwesten des Landes in einer Tiefe von 21,9 Kilometern.

Das zweite, stärkere Erbeben ereignete sich wenige Kilometer weiter nördlich in nur rund zehn Kilometern Tiefe. Wegen der geringen Tiefe dürften die Auswirkungen des zweiten Bebens größer sein. 

Mit einer stärke von 7,5 ist das Erdbeben laut der USGS das Heftigste in dem südamerikanischen Land seit mehr als einem Jahrhundert. Ein noch stärkeres Beben der Stärke 7,7 gab es zuletzt im Jahr 1900 nordöstlich der Hauptstadt Caracas vor der Küste Venezuelas.

25. Juni, 11.58 Uhr: Es bebte an einem Feiertag

Die Beben, die laut der US-Erdbebenwarte USGS eine Stärke von 7,2 und 7,5 hatten, ereigneten sich gegen 18 Uhr Ortszeit an einem Feiertag.

Viele Menschen waren daher zu Hause oder verbrachten die Zeit im Freien. Am 24. Juni erinnert Venezuela an die Schlacht von Carabobo gegen die spanische Kolonialmacht im Jahre 1821. "Es sind intensive Rettungsarbeiten zugange, um die Leben zu retten, die Gott uns retten lässt", sagte die Präsidentin. 

Die bislang gemeldeten 32 Toten seien nicht aus La Guaira. Sie sprach von einer Tragödie und einem Erdbeben "noch nie dagewesenen Ausmaßes" in dem südamerikanischen Land. Vergleichbare Erdstöße hatte es zuletzt im Jahr 1900 gegeben.

Anwohner trösten einen Mann vor ihren Häusern nach mehreren Erdbeben.
Anwohner trösten einen Mann vor ihren Häusern nach mehreren Erdbeben.  © Ariana Cubillos/AP/dpa

25. Juni, 11.32 Uhr: Trump will seinen "neuen Freunden" helfen

US-Präsident Donald Trump (80) sicherte dem Land schnelle Hilfe zu. Er habe alle US-Behörden angewiesen, sich darauf vorzubereiten, schnell zu helfen, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social.

Die beiden Erdbeben seien von "massivem Ausmaß" gewesen und hätten zu einer "verheerenden Zahl Toter" geführt, schrieb Trump. Er machte dabei keine Angaben dazu, auf welche Informationen sich seine Aussage zur Opferzahl stützte.

"Wir werden für unsere neuen und großartigen Freunde da sein", schrieb Trump - wohl mit Blick auf die Übergangsregierung in Caracas. Weiter erklärte er in Bezug auf das wahrscheinliche Ausmaß der Folgen: "Die ersten Berichte sind nicht gut!!!"

US-Außenminister Marco Rubio erklärte kurze Zeit später, die Regierung bringe sofort Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitäre und medizinische Hilfe auf den Weg. Auch andere Länder sagten sofort Hilfe zu. 

Rettungskräfte durchsuchen nach einem Erdbeben die Trümmer.
Rettungskräfte durchsuchen nach einem Erdbeben die Trümmer.  © Javier Campos/AP/dpa

25. Juni, 10.44 Uhr: Pistorius bietet Venezuela Hilfe der Bundeswehr an

Verteidigungsminister Boris Pistorius (66) hat nach den verheerenden Erdbeben in Venezuela Hilfe der Bundeswehr angeboten.

"Die Bundeswehr steht bereit und kann kurzfristig bis zu sechs Transportflugzeuge A400 M zur Verfügung stellen, sobald Unterstützung von uns angefordert wird", erklärte der SPD-Politiker über den Whatsapp-Kanal des Ministeriums.

So könnten Personal und Material des Technischen Hilfswerks (THW) nach Venezuela gebracht, aber auch Transportflüge innerhalb Venezuelas ermöglicht werden. Die Transportflüge würden auch den Partnern vor Ort angeboten.

"Die Nachricht von den vielen Tausenden Toten in Venezuela hat mich tief erschüttert. Die beiden Erdbeben sollen mit die schwersten des laufenden Jahres gewesen sein. Jetzt gilt es, schnell Hilfe zu leisten", schrieb Pistorius. Er danke allen Soldaten, die sich jetzt bereits auf diesen Einsatz vorbereiteten.

Rettungskräfte suchen nach Überlebenden in einem eingestürzten Gebäude nach einem Erdbeben.
Rettungskräfte suchen nach Überlebenden in einem eingestürzten Gebäude nach einem Erdbeben.  © Ariana Cubillos/AP/dpa

25. Juni, 9.36 Uhr: Innenminister: "Äußerst alarmierende Situation"

Der Präsident der Dominikanischen Republik, Luis Abinader (58), erklärte spezialisierte Such- und Rettungsteams der Streitkräfte würden am Morgen nach Venezuela aufbrechen.

"Wir haben es mit einer äußerst alarmierenden Situation zu tun", sagte Innenminister Diosdado Cabello (63) im Fernsehen. Er rief die Menschen dazu auf, an sicheren Orten zu bleiben.

Nach schweren Erdbeben seien normalerweise Nachbeben zu erwarten, die bereits beschädigte Gebäude zum Einsturz bringen könnten, warnte der Minister. Um Explosionen zu verhindern, hätten die Behörden angeordnet, die Gaszufuhr zu unterbrechen.

Rettungskräfte tragen nach einem Erdbeben einen Verletzten weg.
Rettungskräfte tragen nach einem Erdbeben einen Verletzten weg.  © Ariana Cubillos/AP/dpa

25. Juni, 8.12 Uhr: Fotos und Videos zeigen Ausmaß der Schäden in Venezuela

In sozialen Netzwerken kursierten Videos von beschädigten Gebäuden und Schäden unter anderem am Flughafen von Caracas.

Die geschäftsführende Präsidentin sprach von einem "Vorfall mit schwerwiegenden Folgen". Das US-Außenministerium richtete nach eigenen Angaben einen Krisenstab ein, um in Absprache mit der venezolanischen Regierung Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitäre und medizinische Hilfe zu schicken. 

Der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele (44), schrieb ebenfalls auf der Plattform X, es stünden 300 Rettungskräfte und Sanitäter sowie 50 Tonnen Hilfsgüter bereit, um in die venezolanische Hauptstadt Caracas gebracht zu werden.

Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke der beiden Erdbeben mit 7,2 und 7,5 an. Eine Modellrechnung der Behörde legte nahe, dass eine sehr hohe Opferzahl zu befürchten ist.

Titelfoto: Ariana Cubillos/AP/dpa

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