Vom Kriminellen zum Sozialarbeiter: Schicksalsschlag rettet Mashood Khan

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Hamburg - Sein Lebenslauf in einem Satz: Vom kriminellen Gangmitglied zum Vorbild. Das ist Mashood Khan aus Norderstedt bei Hamburg. Der 37-Jährige wuchs im sozialen Brennpunkt auf, wurde als Jugendlicher straffällig, saß kurzzeitig im Gefängnis. Heute arbeitet Khan als Sozialarbeiter, um junge Menschen frühzeitig vor einer Eskalation zu bewahren. TAG24 hat mit dem Sohn pakistanischer Migranten gesprochen.

Nach dem Tod seines Vaters hat sich bei Mashood Khan (37) ein Schalter umgelegt. Er holte seinen Schulabschluss nach und studierte Soziale Arbeit.
Nach dem Tod seines Vaters hat sich bei Mashood Khan (37) ein Schalter umgelegt. Er holte seinen Schulabschluss nach und studierte Soziale Arbeit.  © Mashood Khan/PR

Anhand seiner eigenen Erfahrungen will Khan helfen, Jugendlichen aufzeigen, dass ein Ausweg aus der Kriminalität gelingen kann, dass eine Perspektive abseits der Straße existiert. Und das auf seine ganz eigene Weise. Seine Devise: den Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen. Denn er weiß, dass vor allem Kinder von Immigranten verstanden werden wollen.

"Ich bin bis heute der Meinung, dass Kinder und Jugendliche meistens nicht einfach 'schuld' sind. Dahinter stecken oft viele Faktoren: das Elternhaus, das Umfeld, Probleme in der Schule oder fehlende Anerkennung. Jedes Kind braucht Lob und Bestätigung. Wenn das fehlt, geraten manche auf die schiefe Bahn."

Auf die schiefe Bahn geriet er auch selbst. In seinem Viertel in Norderstedt drehte er krumme Dinger, hatte mit Drogen zu tun und enttäuschte - laut eigenen Angaben - immer wieder seinen Vater, der nach Deutschland gekommen war, um ihm ein besseres Leben zu ermöglichen.

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Erst mit einem schlimmen Schicksalsschlag veränderte sich das Mindset des 37-Jährigen nachhaltig, gab er zu. Sein Vater kam bei einem schweren Verkehrsunfall ums Leben. "Ich glaube, dass ich ohne diesen Schicksalsschlag nicht rausgekommen wäre. Natürlich war das einer der schlimmsten Momente meines Lebens. Aber gleichzeitig war es ein Moment, der mich wachgerüttelt hat. Wenn das nicht passiert wäre, wäre ich heute wahrscheinlich erschossen worden oder im Knast gelandet", so die ehrlichen Worte Khans.

Der Verlust habe ihn gezwungen, sein Leben zu hinterfragen und eine Entscheidung zu treffen. Auch deshalb wolle er mit seiner Arbeit mit Jugendlichen vor allem präventiv agieren. Denn: "Muss erst jemand sterben?"

Mashood Khan mit Appell an Friedrich Merz: "Authentische Vorbilder statt Bürokratie!"

Mashood Khan (M.) wuchs als Kind pakistanischer Eltern in Norderstedt bei Hamburg auf. Als Jugendlicher wurde er straffällig und saß kurzzeitig in Untersuchungshaft.
Mashood Khan (M.) wuchs als Kind pakistanischer Eltern in Norderstedt bei Hamburg auf. Als Jugendlicher wurde er straffällig und saß kurzzeitig in Untersuchungshaft.  © privat

Sein Ansatz als Sozialarbeiter sei dabei "konsequent lebensweltorientiert". Im Umgang mit jungen Menschen setze er deshalb auf direkte Sprache, klare Haltung und Beziehung statt Belehrung.

"Die Jugendlichen merken sofort, dass ich einer von ihnen bin. Ich habe einen ähnlichen Hintergrund, spreche ihre Sprache, sehe aus wie sie und nehme sie ernst."

Statt klassische pädagogische Methoden werde der Hamburger gerne kreativ, erklärte er. "Wenn ich ihnen mit theoretischen Konzepten komme, schalten sie oft ab. Also frage ich: Was wollen wir stattdessen machen? Einen Rap schreiben? Einen Kurzfilm drehen? Darüber entstehen Gespräche über ihr Leben. Man muss Methoden finden, die zu den Jugendlichen passen."

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Inzwischen sehen ihn viele als Vorbild. Ein junger Mann habe einmal gesagt: "'Du hast mein Leben gerettet!' Das war ein Moment, der mich sehr berührt hat."

Deshalb auch die klare Ansage des 37-Jährigen: "Politiker sollten viel häufiger selbst vor Ort sein. Nicht nur bei offiziellen Terminen, sondern dort, wo die Menschen tatsächlich leben. Sie sollten mit den Jugendlichen sprechen und ihre Lebensrealität kennenlernen."

Außerdem brauche es aus seiner Sicht viel mehr Leute wie ihn, um Themen wie Ehre, Männlichkeitsbilder, Gruppendruck, Anerkennung und Perspektivlosigkeit nachhaltig einzugrenzen und Eskalationen zukünftig immer mehr zu verhindern. "Wir müssen die Hürden für qualifizierte Migranten senken. Viele Menschen kommen mit wertvollen beruflichen Erfahrungen nach Deutschland, können diese aber nicht nutzen. Gerade in der sozialen Arbeit könnten solche Menschen eine wichtige Rolle spielen. Ein syrischer oder afghanischer Pädagoge kann oft einen Zugang zu Jugendlichen finden, den andere nicht haben.

Sein Appell an Friedrich Merz und Co laute deshalb: "Hört den Menschen vor Ort zu, schafft mehr Möglichkeiten für qualifizierte Migranten und setzt in der Prävention auf authentische Vorbilder statt nur auf bürokratische Lösungen!"

Der Sozialarbeiter hat ein Buch geschrieben, um die Erfahrungen seiner Jugend zu teilen.
Der Sozialarbeiter hat ein Buch geschrieben, um die Erfahrungen seiner Jugend zu teilen.  © Bonifatius Verlag

Sind Migranten der Sündenbock gesellschaftlicher Probleme?

Khan nennt das Eppendorfer Landstraßenfest als Beispiel, dass problematisches Verhalten in allen Gesellschaftsschichten vertreten ist.
Khan nennt das Eppendorfer Landstraßenfest als Beispiel, dass problematisches Verhalten in allen Gesellschaftsschichten vertreten ist.  © IMAGO / Hanno Bode

Neben seiner Arbeit als Sozialarbeiter veröffentlichte Khan außerdem Rap-Songs und jüngst ein Buch. In "Vom Stolz der Straße - meine Geschichte gegen Gewalt" erzählt Kahn von "Ali". Ali veranschaulicht eine Lebensrealität, die häufig Alltag ist, die auch Khans tägliches Brot war. Er soll den Deutschen quasi "den Ausländer" erklären.

"Ich selbst war mal ein Ali. Ich wollte, dass Menschen sich in diese Welt hineinversetzen können. [...] Ich möchte zeigen, wie es ist, mit einem Jugendlichen wie Ali zusammenzusitzen und ihn zu fragen: Warum bist du straffällig geworden?", erklärte Khan seine Intention im Interview. Denn häufig werde einfach zu schnell geurteilt. Der größte Fehler sei, alle über einen Kamm zu scheren.

"Schon als Jugendlicher hatte ich das Gefühl, in eine Schublade gesteckt zu werden. Heute habe ich den Eindruck, dass Migranten oft als Sündenböcke für gesellschaftliche Probleme herhalten müssen", betonte Khan, ordnete gleichzeitig aber ein: "Natürlich gibt es Herausforderungen bei Integration und Kriminalität. [...] Wenn mehr Menschen in ein Land kommen, steigt auch die Zahl der Straftaten rein statistisch. Das bedeutet aber nicht, dass Migranten grundsätzlich das Problem sind.

Als Beispiel nannte er im Gespräch das Eppendorfer Landstraßenfest, das vergangenes Wochenende für Schlagzeilen sorgte. "Dort gab es ebenfalls Ausschreitungen und viel Müll. Das waren nicht ausschließlich Jugendliche aus sozialen Brennpunkten. Aber solche Vorfälle werden oft anders bewertet als ähnliche Ereignisse, an denen Menschen mit Migrationsgeschichte beteiligt sind."

Problematisches Verhalten gebe es aus seiner Sicht daher überall. "Wenn wir über Gewalt, Respektlosigkeit oder Kriminalität sprechen, müssen wir ehrlich auf die gesamte Gesellschaft schauen."

Titelfoto: Bildmontage: Mashood Khan/PR

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