Wie absurd: Eurowings druckt Bordkarten vom Online-Check-in nur noch am Flughafen aus

Düsseldorf/Wien (Österreich) - Ein Mann will mit Eurowings fliegen und versucht das aus Infektionsschutzgründen so kontaktlos wie nur möglich zu gestalten. Die Airline macht ihm dabei aber einen Strich durch die Rechnung.

Eine Eurowings-Maschine landet an einem Flughafen. (Symbolbild)
Eine Eurowings-Maschine landet an einem Flughafen. (Symbolbild)  © Unsplash/Kevin Hackert

Jan Gruber will eigentlich nur schnell von seinem Lebensmittelpunkt Wien in Österreich nach Stuttgart fliegen. Mit der Fluggesellschaft Eurowings geht das in 75 Minuten.

Damit sich der junge Mann nicht mit dem Coronavirus ansteckt, entschied er sich für den bequemen Online-Check-in, so wie es die Airline in einer separaten Mail an ihn vorschlug.

Eurowings wolle mit dem Check-in am heimischen Computer oder Handy vor allem "unnötige Kontakte am Flughafen vermeiden". Das klingt zwar löblich, doch weit gefehlt!

Denn nach dem Auswählen eines Sitzplatzes und der Beantwortung der Frage, ob Gruber mit Corona infiziert sei, bekam er keine Bordkarte, wie er jetzt auf "Aviation Net Online" berichtete.

Die Eintrittskarte ins Flugzeug sollte er sich bitte am Flughafen an einem Check-in-Schalter abholen.

Boarding-Pass nur noch nach Schlangestehen am Airport

Der Check-in-Bereich am Flughafen wird nun verstärkt aufgesucht werden müssen. (Symbolbild)
Der Check-in-Bereich am Flughafen wird nun verstärkt aufgesucht werden müssen. (Symbolbild)  © dpa/Friso Gentsch

Wörtlich hieß es von der Airline: "Leider ist für diese Buchung das Drucken der Bordkarten nicht möglich. Wir bitten Sie stattdessen, Ihre Bordkarten am Check-in-Schalter am Flughafen abzuholen. Dieser Service ist selbstverständlich kostenfrei."

Doch was nützt ein kostenfreier Check-in am Flughafen, wenn man dafür seine Gesundheit aufs Spiel setzt?

Jan Gruber bat die Airline um eine Stellungnahme. "Es hat gute Gründe, warum Sie die Bordkarte nicht ausdrucken konnten", versuchte Unternehmenssprecher Florian Gränzdörffer gegenüber "Aviation Net Online" das Prozedere zu erklären.

"Da aufgrund von unterschiedlichen Einreisebestimmungen und behördlichen Vorgaben Selbstauskünfte von den Reisenden beim Check-in erforderlich sind, ist der Online-Check-in im grenzüberschreitenden Verkehr derzeit bewusst deaktiviert", erklärt der Eurowings-Sprecher weiter. 

Und weiter: "Damit wollen wir erreichen, dass unsere Gäste persönlich zum Schalter kommen und dort alle erforderlichen Erklärungen abgeben." 

Von "unnötige Kontakte am Flughafen vermeiden" ist das weit entfernt.

Andere Fluggesellschaften nutzten den langen Stillstand ihrer Maschinen, um die Datenerfassung beim Buchungs- oder Check-in-Prozess zu erledigen. Bei Eurowings hingegen entschied man sich gegen eine digitale Lösung.

Unnötige Ticketausgabe

Passagiere warten am Flughafen von Palma de Mallorca vor einem Check-in-Schalter von Eurowings. (Symbolbild)
Passagiere warten am Flughafen von Palma de Mallorca vor einem Check-in-Schalter von Eurowings. (Symbolbild)  © dpa/Clara Margais

Auf den ersten Blick wirkt die Erklärung schlüssig. Manch einem Reisenden wird so eine falsche Angabe von Informationen durch persönlichen Kontakt erschwert. Wer wirklich krank verreisen will, schafft es jedoch höchstwahrscheinlich dennoch.

Was auf den zweiten Blick auffällt: Zwischen Österreich und Deutschland ist es nicht notwendig, eine Selbsterklärung abzugeben. Beide Länder lassen Reisende ohne Dokumente hin und her fliegen.

An den Flughäfen kommt es so zu einer unnötigen Bildung von Warteschlangen, Reisende sind unzähligen Kontakten ausgesetzt. Und das nur, weil die Airline die Online-Funktion generell auf internationalen Flügen einschränkte, ohne zu prüfen, wo welche behördlichen Vorgaben gelten.

Bleibt zu hoffen, dass Eurowings an dieser Stelle nachbessert und Online-Bordkarten wieder Online zur Verfügung stellt. Gerade in Zeiten einer Pandemie ist dieses Stück technischer Fortschritt unabdingbar geworden.

Titelfoto: dpa/Friso Gentsch, Unsplash/Kevin Hackert

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