Das Fasten ist im Trend: Wie wär's mal mit Verzicht?!

Dresden - Von Aschermittwoch bis Ostern - es sind streng genommen nur 40 Tage, doch die können ein ganzes Leben umkrempeln. Die christliche Fastenzeit kann heute Anlass sein, mit alteingesessenen, gesundheitsschädlichen Gewohnheiten zu brechen. Dabei gilt: Weniger ist mehr - nicht nur beim Essen, sondern auch beim Alkohol-, Zigaretten- und Social-Media-Konsum. Wir sagen, wie Ihr den Versuchungen widersteht, um die Sonntage bis Ostern traditionell wie kleine "Auferstehungstage" zu feiern. Viel Erfolg!

Damit aus Verzicht ein neues Lebensgefühl wird. Fasten ist derzeit in aller Munde - nicht nur bei Lebens-, sondern auch Genussmitteln.  © 123RF

Ohne Bierchen schläft man besser

Ein Bierchen in Ehren? Lieber mal verwehren.  © Ole Spata/dpa

Ihr habt den "Dry January" ("trockene Januar" mit Alkoholverzicht) nicht durchgehalten? Dann kommt die Fastenzeit gerade recht, um einen neuen Anlauf zu starten.

Laut Verbraucherschutzorganisation foodwatch verbessert Alkoholverzicht schnell den Schlaf, das Hautbild und die Blutwerte. Schon nach sieben Tagen Verzicht kann sich der Fettgehalt der Leber halbieren.

Ohne Alkohol werde man zudem ausgeglichener, weniger depressiv verstimmt.

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Einfach mal abschalten!

Öfter mal abschalten: Social-Media-Abstinenz kann man sich antrainieren.  © picture alliance/dpa

Social Media einschränken, Computerspiele abschalten, Handy weglegen. Was einfach klingt, ist in der Praxis fast unlösbar. Florian Buschmann (24) aus Dresden berät jährlich bis zu 100 Familien in Sachen Handy- und Spiele-Detox sowie Mediensucht.

Er weiß, wovon er spricht, hat er als Teenager doch selbst 16 Stunden am Tag mit Computerspielen verbracht. Sein Handy-Fasten begann abrupt: "Als 16-Jähriger habe ich von heute auf morgen einen radikalen Schnitt gemacht, alle Spiele auf meinem Smartphone gelöscht."

Stattdessen war er wieder mehr mit Freunden unterwegs, ging vermehrt an die frische Luft, radelte und widmete sich als Ehrenamtlicher wieder mit Herzblut seiner durch das Daddeln vernachlässigten Tätigkeit als Sporttrainer für Kinder. "Aus 60 Tagen auferlegter Enthaltsamkeit wurden 90 und heute spielt Social Media bei mir nur eine untergeordnete Rolle."

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Inzwischen bietet Buschmann auch Workshops in Schulen an und rät dabei, die Flucht aus der Handy- und Spielsucht mit kleinen Herausforderungen zu koppeln: "Wer seine Bildschirmzeit überzieht, muss zum Beispiel einen Döner ausgeben." Mediensucht gilt übrigens als anerkannte Erkrankung, bei der man sich professionelle Hilfe holen sollte.

Da macht manche seiner Geschichten Mut. "Ich hatte kürzlich einen 13-Jährigen beraten, der aus Trotz zwei Wochen die Schule schwänzte, weil ihm seine Eltern die Spielkonsole weggenommen hatten. Nach einem heftigen zweieinhalbstündigen Gespräch war der Junge plötzlich einsichtig." Er hat daraufhin seine Konsole verkauft und das Geld in eine Tischtennisplatte investiert. Manchmal ist Verzicht der Start in ein neues Leben.

Auf Buschmanns Webseite kann man auch den Leitfaden "Drei Schritte aus der Sucht" laden.

Kippe aus!

Aufhören lohnt sich immer - garantiert!  © imago/eyevisto

Rauchfrei in die Fastenzeit? Eine gute Idee.

Laut einer Untersuchung der Barmer-Krankenkasse hat bereits ein kurzzeitiger Verzicht auf Nikotin positive Effekte. Schon 24 Stunden ohne Rauchen verringert das Risiko eines Herzinfarktes. Nach zwei Tagen ohne Qualmerei verbessert sich der Geschmacks- und Geruchssinn. Wer zwei Wochen durchhält, stabilisiert seinen Kreislauf und die Lungenfunktion.

Die Folge: Hustenanfälle und Kurzatmigkeit kommen seltener vor, verstopfte Nasennebenhöhlen befreien sich. Sportliche Aktivitäten machen wieder Spaß, weil man dabei nicht mehr so schnell aus der Puste kommt.

Wer aus der Rauchfrei-Fastenkur schließlich einen Marathon macht, senkt nach einem Jahr ohne Zigaretten sein Risiko für Sauerstoffmangel im Herzmuskel (Koronarinsuffizienz) auf die Hälfte des Risikos von rauchenden Mitmenschen.

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Sechs Durchhaltetipps

Ab Aschermittwoch insgesamt 46 Tage Verzicht üben: Am Karsamstag ist die Fastenzeit traditionell vorbei.  © IMAGO/Bihlmayerfotografie
  • Positive Motivation. Fasten nicht als Verzicht sehen, sondern als Weg, um langgehegte Wünsche oder Sehnsüchte zu erfüllen.

  • Einfach anfangen. Die Fastenzeit bietet einen Anlass, macht jetzt den ersten Schritt. Starten statt grübeln! Wenn erst einmal der innere Schweinehund besiegt ist, geht's einfacher.

  • Routinen aufbauen. Gewohnheiten steigern die Willenskraft. Ersetzt die Zigarette nach dem Essen zum Beispiel durch einen Spaziergang.

  • Erfolge visualisieren. Streicht im Kalender die Tage rot an, an denen Ihr durchgehalten habt. Rückschläge akzeptieren. Nach Ausrutschern trotzdem weitermachen.

  • Belohnung gönnen. Bei Teilerfolgen Anreize zum Weitermachen setzen: ein Spa-Tag zu Hause, Kinoabend zu zweit, Lieblingsgetränk im Café.

  • Umfeld einbeziehen. Je mehr Freunde von Eurem Fasten-Vorhaben wissen, desto mehr unterstützen und motivieren sie.

Warum Fasten auch heute noch modern ist - nicht nur für Christen: Ein Kommentar von Landesbischof Tobias Bilz

"Beim Fasten geht es nicht um ein Müssen": Landesbischof Tobias Bilz (61).  © Walter A. Müller-Wähner/evlks

Wer beim Wort "Fasten" nur an verstaubte religiöse Pflichten denkt, irrt sich. Ob Christen in der Passionszeit oder Muslime im aktuell beginnenden Ramadan: Beim Fasten geht es nicht um ein Müssen, sondern um ein Angebot an uns alle. Fasten ist die Einladung, einmal kurz auszusteigen - aus dem Dauerrauschen von Nachrichten, Terminen, Konsum und den ständigen Erwartungen an uns selbst.

Unser Alltag ist oft "zu viel": zu voll, zu laut, zu schnell. Wer fastet, verzichtet nicht nur auf Schokolade oder das Glas Wein, sondern gewinnt etwas Entscheidendes: Klarheit. Fasten schafft einen Freiraum, in dem Körper und Seele endlich wieder zu Wort kommen. Viele merken dabei erstaunt: Ich brauche längst nicht alles, was ich mir so angewöhnt habe.

Für uns Christen ist das Fasten die Vorbereitung auf Ostern. Aber die Erfahrung dahinter ist universell: Bewusst "weniger" zu wählen, kann heilsam sein - für die eigene Gesundheit, für die Beziehungen zu anderen und für den Blick auf unsere Welt. Fasten schärft nämlich die Aufmerksamkeit. Wer den eigenen Mangel spürt, versteht plötzlich besser, was es bedeutet, wenn Menschen wirklich zu wenig zum Leben haben.

In einer Zeit, in der die einen alles haben und andere in Unfreiheit und Mangel leben müssen, wird Fasten also eine doppelte Befreiung. Es erinnert uns in all dem Überfluss daran: Wir Menschen leben von Sinn, Maß und der Verantwortung füreinander.

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