Fastenzeit einfach mal ausdehnen: Habt Ihr schon Plastikfasten ausprobiert?

Von Jenny Tobien

Frankfurt am Main - Der bewusste Verzicht auf Süßigkeiten, Alkohol oder Fleisch gehört für viele Menschen traditionell zur christlichen Fastenzeit. Doch Fasten wird längst weiter gefasst.

Plastiktüten schaden der Umwelt.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Immer mehr Menschen nutzen die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern, um in ihrem Alltag ihr Konsumverhalten zu hinterfragen. Der hessische Landesverband des Bunds für Umwelt und Naturschutz ruft etwa zum Plastikfasten auf.

"Mit rund 20 Millionen Tonnen verbraucht und produziert Deutschland so viel Plastik wie kein anderes Land in Europa", so die Umweltschützer.

Mit Plastikfasten könne man Alternativen zu gängigen Verpackungen und Produkten entdecken.

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Unverpackt-Läden

Um Verpackungsmüll zu reduzieren, sollte man Obst, Gemüse und andere Lebensmittel möglichst unverpackt kaufen. Dafür kann man in sogenannten Unverpackt-Läden, von denen es einige in Hessen gibt, vorbeischauen.

Dort wird Ware grundsätzlich ohne Verpackung angeboten. Für viele Produkte gibt es Nachfüllpacks, etwa für Reinigungsmittel. Eine weitere Möglichkeit sind Wochenmärkte, bei denen Waren in der Regel auch ohne Plastikverpackung angeboten werden.

Eigene Beutel zum Einkauf mitnehmen

Apropos Einkauf: Am besten nimmt man die eigene Tasche mit. "Seit 2022 sind große Plastiktüten in Supermärkten verboten. Die dünnen Gemüse-Beutel sind aber weiterhin erlaubt", heißt es. Mit wiederverwendbaren Gemüsenetzen spare man Plastik.

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Plastikfreies Badezimmer

Seife am Stück statt Flüssigseife spart Plastik.  © Monika Skolimowska/dpa

Für das Badezimmer sind den Angaben zufolge zahlreiche plastikfreie Alternativen erhältlich.

Seife am Stück erspare die Flüssigseife im Nachfüllbeutel, Rasierhobel aus Metall ersetze den Nass-Rasierer aus Plastik, Shampoo-, Conditioner- und Rasier-Seife würden Plastikflaschen beim Duschen überflüssig machen. Manche Pflege-Cremes gebe es plastikfrei verpackt oder zum Nachfüllen in Unverpackt-Läden. Statt Zahnpasta könnten Zahnputztabletten verwendet werden.

Mehrweg-Pfand-Gläser

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Viele Produkte werden inzwischen in Mehrweg-Pfand-Gläsern angeboten. Der Klassiker ist die Milchflasche, aber auch Joghurt, Quark, Sahne, Schmand und Crème fraîche gebe es bereits in Gläsern.

"In manchen Bio-Supermärkten kann man auch Ketchup, Tee, Kaffee, Nüsse, Linsen, Zucker und vieles mehr in Pfandgläsern kaufen und dabei helfen, Ressourcen – vor allem aber Plastik – zu sparen", sagen die Naturschützer zu den Möglichkeiten.

Selbstgemachte Knabbereien statt Plastik-Chipstüten

Viele Knabbereien sind bislang vor allem in Plastikverpackungen erhältlich. Dabei könnten die Snacks auch schnell und plastikfrei selbst zubereitet werden. "Warum nicht Plätzchen und Kekse selber backen oder aus gewürzten Kartoffelschalen Chips selbst im Ofen herstellen oder einmal Popcorn in der Pfanne versuchen", so der BUND mit Blick auf Alternativen.

Leitungswasser statt PET-Flaschen

Leitungswasser ist eine gute Alternative.  © Hendrik Schmidt/dpa

"Das beste Wasser kommt in Deutschland aus der Leitung!", sagen die Umweltschützer. Wasser in PET-Flaschen sei unnötig. Wer Mineralwasser mit Kohlensäure bevorzuge, könne dieses selbst sprudeln. Alternativ empfiehlt der BUND Hessen Wasser in Mehrweg-Glasflaschen aus der Region.

Leitungswasser tut nicht nur der Umwelt, sondern auch dem Verbraucher gut: Forscher weisen darauf hin, dass durch das Trinken von Kranwasser, deutlich weniger Nano- und Mikroplastik im Körper landet als beim Verwenden von Plastikflaschen.

Wiederverwendbare Becher beim Coffee to go

Nach Angaben der Naturschützer sind viele Coffee-to-go-Becher im Kern aus Papier, aber mit einer Kunststoff-Schicht beschichtet. Die bessere Alternative sei, Thermo-Becher mitzubringen oder Pfandsysteme zu nutzen, bei denen die wiederverwendbaren Becher in teilnehmenden Cafés zurückgeben werden können.

Ursprung und Dauer des christlichen Fastens

Die Fastenzeit beginnt traditionell am Aschermittwoch nach den Fastnachtsfeierlichkeiten und endet an Ostern.

In diesem Jahr beginnt sie am 18. Februar und endet am 4. April. Gefastet wird traditionell 40 Tage, wobei die sechs Sonntage ausgenommen sind. Sie gelten als kleine Auferstehungstage. Die Zahl 40 hat ihren entsprechenden Ursprung in der Bibel und steht für Zeiten der Prüfung, Buße und Erneuerung – etwa die 40 Tage, die Jesus in der Wüste fastete.

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