Wie sicher ist eigentlich die Synagoge in Görlitz?

Görlitz - Seit rund vier Wochen hat die Synagoge in Görlitz wieder einen Davidstern. Der thront nun, für jeden gut sichtbar, auf der Kuppel des historischen Gebäudes. Stellt sich die Frage, wie es um die Sicherheit des Hauses bestellt ist.

Octavian Ursu (54, CDU) ist seit 2019 Oberbürgermeister von Görlitz und hat die Wiedereröffnung der Synagoge in seiner Stadt immer befürwortet.
Octavian Ursu (54, CDU) ist seit 2019 Oberbürgermeister von Görlitz und hat die Wiedereröffnung der Synagoge in seiner Stadt immer befürwortet.  © Peter Endig/dpa

Für Octavian Ursu (54, CDU) war bereits die Wiedereröffnung der Synagoge vor einem Jahr eine Herzensangelegenheit. "Das war wirklich etwas ganz Besonderes nach vielen Jahrzehnten", sagt der Oberbürgermeister von Görlitz. Dass nun auch der Davidstern wieder errichtet wurde, ist ein Ausdruck des Wunsches der Stadt, "dass sich jüdisches Leben in Görlitz wieder entwickelt" und dass "die jüdische Kultur willkommen ist. Dieses Zeichen ist gerade in unserer Europastadt wichtig", sagt Ursu.

Gab es Bedenken aus Sicherheitsgründen? "Die gibt es immer, wenn man ein solches Vorhaben hat. Aber ich habe von Anfang an gesagt, dass wir mit solchen Themen in der Gesellschaft offensiv umgehen müssen. Ich denke, dass eine große Mehrheit offen dafür und liberal im Umgang mit diesen historischen Themen ist", sagt Ursu.

Bislang habe es nach Angaben des CDU-Politikers keine Sicherheitsprobleme gegeben. "Das heißt aber nicht, dass wir keine Maßnahmen ergreifen." Dazu gehören unter anderem der Schutz von Türen und Fenstern sowie die Videoüberwachung des Gebäudes. Zudem findet ein enger Austausch mit der Polizei statt.

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"Wir sind sensibilisiert, was die Sicherheit angeht. Andererseits soll es ein offenes Gebäude bleiben, und jeder, den es interessiert, soll es sich anschauen und an Veranstaltungen teilnehmen können."

Einen permanenten Polizeischutz gibt es hier nicht. "Ich bin sehr froh darüber, dass es uns bis jetzt sehr diskret gelingt, Sicherheit herzustellen, und ich hoffe sehr, dass es dabei bleibt", sagt Ursu.

Ausgeprägt politische Veranstaltungen dürfen nicht stattfinden

Fast 84 Jahre nach den Novemberpogromen hat die Synagoge in Görlitz seit September wieder einen Davidstern auf der Kuppel.
Fast 84 Jahre nach den Novemberpogromen hat die Synagoge in Görlitz seit September wieder einen Davidstern auf der Kuppel.  © Robert Michael/dpa

Doch weshalb trägt das Haus den Namen "Kulturforum Görlitzer Synagoge" und heißt nicht einfach "Synagoge"?

"Weil es ein öffentliches Gebäude der Stadt ist, das ist schon seit Jahrzehnten der Fall", erklärt der Lokalpolitiker. "Wir verwalten das Gebäude auch und nicht zuletzt ist es ein Veranstaltungsraum."

Laut Satzung dürfen jedoch keine ausgeprägt politischen Veranstaltungen darin stattfinden. Stattdessen sind gesellschaftlicher Diskurs, Konzerte und Kunst-Events erwünscht - immer mit dem nötigen Respekt für die Synagoge.

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Nicht unwichtig: Das Gebäude ist weder geweiht, noch befindet sich ständig eine Thora-Rolle in der Görlitzer Einrichtung. "Dafür haben wir eine Lösung gefunden: Wenn jüdische Gottesdienste in der Tagessynagoge stattfinden, muss die Thora-Rolle von dem jeweiligen Rabbi mitgebracht werden."

Sachsens Ministerpräsident, Michael Kretschmer (47, CDU, l.), und Octavian Ursu (54, CDU) am 12. September bei der Wiedererrichtung des Davidsterns auf dem Kulturforum Görlitzer Synagoge.
Sachsens Ministerpräsident, Michael Kretschmer (47, CDU, l.), und Octavian Ursu (54, CDU) am 12. September bei der Wiedererrichtung des Davidsterns auf dem Kulturforum Görlitzer Synagoge.  © Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.com

Gruppen können außerdem den großen Saal für Andachten nutzen. Dort steht ein Thora-Schrank offen. Ursu: "Das ist ein Zeichen für jeden jüdischen Bürger, dass es sich eben nicht um eine geweihte Synagoge handelt." Infos: synagoge-goerlitz.de.

Titelfoto: Montage: Robert Michael/dpa, Peter Endig/dpa

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