Chaos im Nahverkehr spitzt sich zu: Warnstreiks bringen ÖPNV an die Grenze
Von Christof Rührmair
Nürnberg - Die Warnstreiks im kommunalen Nahverkehr gehen in den dritten Tag. In mehreren Kommunen, darunter Nürnberg, ruft die Gewerkschaft Verdi im laufenden Tarifkonflikt zum Ausstand auf. U-Bahnen, Busse und Trams sollen stehenbleiben. Wie üblich fahren S- und Regionalbahnen, weil sie andere Betreiber haben.
In anderen Städten wie München lief der Warnstreik dagegen mit Betriebsschluss in der Nacht aus. In der Landeshauptstadt hieß es vom Betreiber MVG im Netz: "Warnstreik beendet".
In Nürnberg gibt es dagegen am dort ersten kompletten Streiktag deutlich spürbare Auswirkungen. Der Ausstand soll dort bis Samstag gehen. Die Stadtwerke bieten einen Ersatzfahrplan auf Basis der Nachtlinien. Für das Fußballspiel des FCN am Samstag raten sie zur Nutzung der S-Bahn.
Die Nachbarstädte Schwabach und Fürth werden den zweiten Tag in Folge bestreikt. Dort gelten Notfahrpläne und ein Notbetrieb ist vorgesehen.
In Augsburg war der stärkste Teil des Streiks bereits am Tag zuvor, hier sind lediglich noch die Werkstätten betroffen.
Deswegen kann es den Stadtwerken zufolge noch zu einzelnen Ausfällen kommen.
Bayreuth steht der längste Streik bevor
In Passau geht der Warnstreik bereits in den zweiten Tag und soll bis zum Betriebsschluss am Samstagabend anhalten. Sonntagfrüh werde alles wieder normal fahren, sagte ein Gewerkschaftssprecher.
In Dachau steht der dritte und letzte Tag des Streiks bei den dortigen Stadtbussen an.
Am längsten sollen sich die Warnstreiks in Bayreuth ziehen - allerdings mit einer Unterbrechung. Nach einem ganztägigen Warnstreik am Donnerstag soll es dort am Freitag erst gegen 14 Uhr wieder zum Ausstand kommen, um Schüler und Pendler nicht so stark zu treffen.
Bis etwa 13.20 Uhr sollten alle Fahrten angeboten werden, hieß es auf der Webseite der Stadtwerke. Dafür endet der Warnstreik dort erst am Sonntag um 14 Uhr.
Verdi will Lohnerhöhung von 670 Euro
Hintergrund des Warnstreiks ist der laufende Tarifkonflikt. Am Montag (23. März) steht der nächste Verhandlungstermin mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) an. Bei den bisherigen drei Gesprächen gab es keine Einigung.
Die Gewerkschaft Verdi fordert für die etwa 9000 Beschäftigten in mehr als 20 Unternehmen eine Lohnerhöhung um fast 670 Euro sowie eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit. Die Kommunen weisen das als unbezahlbar zurück.
Ihren Berechnungen zufolge würde eine Erfüllung der Verdi-Forderungen die Personalkosten im kommunalen Nahverkehr um 25 Prozent in die Höhe treiben.
Titelfoto: Stefan Puchner/dpa
