Warnstreik an Unikliniken: Patienten im Südwesten müssen warten
Von David Nau & Marco Krefting
Stuttgart - Im Tarifstreit an den vier Unikliniken im Südwesten haben Beschäftigte einen mehrtägigen Warnstreik gestartet, um Druck vor der dritten und vorerst letzten Verhandlungsrunde am Mittwoch zu machen. Rund 1800 Menschen seien im Ausstand, teilte die Gewerkschaft ver.di in Stuttgart mit.
Patientinnen und Patienten der Häuser in Freiburg, Heidelberg, Ulm und Tübingen müssen sich auf Einschränkungen und längere Wartezeiten einstellen. Zahlreiche OP-Säle seien geschlossen, teilte ver.di mit. Die sichere Versorgung Erkrankter sei aber über Notdienstvereinbarungen gewährleistet.
Im Freiburg und Ulm sollen die Kliniken bis Mittwoch komplett bestreikt werden. In Heidelberg und Tübingen wird einem Gewerkschaftssprecher zufolge Montag und Dienstag komplett gestreikt und am Mittwoch nur teilweise.
"Wir wissen, dass diese drei Streiktage Belastungen für Patientinnen und Patienten bedeuten", erklärte ver.di-Verhandlungsführer Jakob Becker laut Mitteilung.
"Aber: Setzen sich Arbeitgeber und Politik mit ihren Vorstellungen durch, wird die Versorgung 365 Tage im Jahr schlechter." Hintergrund des Ausstands sind die Tarifverhandlungen für rund 26.000 Beschäftigte der vier Unikliniken.
Unterschiedliche Vorstellungen
Die Arbeitgeber wollten Reallohnverluste für fast drei Jahre festschreiben, eine Option auf eine 45-Stunden-Woche, eine Jahressonderzahlung an Krankentage koppeln und den Schutz bei drohendem Personalabbau verschlechtern, kritisiert die Gewerkschaft.
ver.di hingegen fordert 7,5 Prozent mehr Geld, mindestens aber 320 Euro zusätzlich pro Monat für die Beschäftigten. Auszubildende sowie Praktikantinnen und Praktikanten sollen monatlich 250 Euro mehr erhalten. Zudem verlangt die Gewerkschaft für Azubis einen Mobilitätszuschuss in Höhe des Deutschlandtickets.
Die Arbeitgeber hatten in der zweiten Verhandlungsrunde ein Angebot vorgelegt, das unter anderem eine Einmalzahlung von 400 Euro und eine Gehaltssteigerung von 4,75 Prozent in drei Schritten vorsieht.
Die Arbeitgeber verweisen auf die schwierige Finanzlage der Kliniken und auf erwartete Auswirkungen der Gesundheitsreform der Bundesregierung.
Titelfoto: Bildmontage: Stefan Puchner/dpa, Patrick Seeger/dpa

