Stuttgart - Erschreckenden Erkenntnisse: Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg hat die weltweit erste kriminologische Auswertung zur sogenannten "Terrorgramszene" vorgelegt.
Die Ergebnisse, die Innenminister Thomas Strobl (65, CDU) am Dienstag in Stuttgart vorstellte, zeichnen ein deutliches Bild der Gefahr. Das Durchschnittsalter der untersuchten Personen liegt bei gerade einmal 16 Jahren.
Besonders besorgniserregend ist die Geschwindigkeit der Radikalisierung. Bei jedem zweiten Betroffenen dauerte der Weg von der ersten Berührung mit extremistischen Inhalten bis zur tiefen Überzeugung weniger als ein Jahr. Experten sprechen hier von einer "Blitzradikalisierung".
Ein zentraler Aspekt der Studie ist der Gesundheitszustand der Jugendlichen. Über 68 Prozent der untersuchten Personen hatten bereits diagnostizierte psychische Erkrankungen, weitere 24 Prozent zeigten deutliche psychische Auffälligkeiten.
Oftmals gehen diese mit familiärer Vernachlässigung und sozialer Desintegration einher. Die "Terrorgramszene" nutzt diese Instabilität gezielt aus, um die Jugendlichen für ihre neofaschistischen Ziele zu rekrutieren.
Hohe Gewaltbereitschaft und Terrorpläne
Dass es sich dabei nicht um bloße Internet-Phantastereien handelt, zeigen die Ermittlungsakten.
Die meisten der 37 untersuchten Verdächtigen hatten bereits konkrete Vorbereitungen für Anschläge getroffen, etwa durch die Beschaffung von Waffen oder detaillierte Tatpläne.
Diese gewaltverherrlichende Online-Szene wachse seit Jahren stark.
"Sie zielt darauf ab, durch Gewalt Chaos auszulösen und so die gesellschaftliche Ordnung zum Einsturz zu bringen", gibt das Landeskriminalamt in einer Mitteilung bekannt.
Frühwarnsysteme und Prävention
Trotz der düsteren Zahlen betonte Strobl die Effizienz der Sicherheitsbehörden, die drei Viertel der Fälle selbst entdeckten und so Schlimmeres verhinderten. Um die Szene langfristig auszutrocknen, setzt das Land auf Prävention.
Über das Kompetenzzentrum gegen Extremismus, kurz "konex", werden Schulungen für Lehrkräfte und Psychologen angeboten, um Warnsignale im Umfeld der Jugendlichen früher zu erkennen. Zudem sollen die Erkenntnisse der Studie nun direkt in Ausstiegsprogramme und die Arbeit der Justiz einfließen.