Entenküken im Glück: So aufopferungsvoll kümmert sich Leipzigs Entenpapa

Leipzig - Der Fund von mehreren Entenküken in der Leipziger Innenstadt hat vor Kurzem für großes Aufsehen gesorgt. Wir haben bei Stephan Lademann nachgefragt, wie sich das Leben als Entenpapa so gestaltet.

"Happy Ent" nach Funden an den Höfen am Brühl: die drei Geschwister konnten schnell wieder vereint werden.
"Happy Ent" nach Funden an den Höfen am Brühl: die drei Geschwister konnten schnell wieder vereint werden.  © Juliane Bonkowski

Erst watschelt ein kleines Entchen in einen Laden des Einkaufszentrums Höfe am Brühl und nur wenige Tage später kann eine kleine Familie nach einem erneuten Fund wieder vereint werden (TAG24 berichtete).

Was nach einem glücklichen Zufall klingt, ist wohl eher dem Einsatz und Know-How von Stephan Lademann (43), Betreiber einer Motorboot-Vermietung und nebenbei, aber mit ganzem Herzen Entenpapa von Leipzig, zu verdanken.

Doch wie wird man eigentlich zum einzigen Ziehpapa für kleine Enten in Leipzig?

"Seit fünf Jahren läuft das jetzt ganz locker. Das fing an, dass mal irgendwann eine Ente ankam und mir mitten auf das Holzbrett ein Ei gelegt hat", erzählt er schmunzelnd beim Interview.

Damals noch ahnungslos, wie er selbst sagt, versuchte er, dieses Ei und die zwei folgenden, die die Entenmama in den nächsten zwei Tagen gebracht hatte, auszubrüten. Leider ohne Erfolg.

An Aufgeben war jedoch nicht zu denken. Stephan Lademann stellte eine kleine Hütte auf das Wasser, in dem die Mama weitere Eier selbst ausbrüten konnte, diesmal mit Erfolg.

Auch in den folgenden Jahren kamen die Entenmutti und auch ihr Nachwuchs wieder, um dort ihre Eier auszubrüten.

Egal, wo der Schnabel drückt, der Entenpapa kümmert sich um alle!

Stephan Lademann kümmert sich rührend um seine kleinen Schützlinge.
Stephan Lademann kümmert sich rührend um seine kleinen Schützlinge.  © Juliane Bonkowski

Seit die Medien, die schnell auf ihn aufmerksam wurden, viel über ihn berichteten, klingelt oft das Telefon. Nicht immer muss er die Küken mit in sein Hausboot am Saale-Leipzig-Kanal nehmen.

Entdecken Anwohner in ihrer näheren Umgebung, zum Beispiel auch auf Balkonen, Nester, wenden sie sich häufig an den Naturschutzbund (NABU) in Gohlis, mit dem Stephan Lademann eng zusammenarbeitet und über den häufig die Vermittlung stattfindet.

Oft genügt auch einfach das Umsiedeln einer ganzen Familie inklusive Mama, aber selbst dafür ist er mindestens zweimal pro Woche in Leipzig unterwegs. "Gestern Abend war ich noch an der Uni, hab wieder eine Familie umgesiedelt", erzählt er.

Im Stadtgebiet gibt es mehr Entenfunde als man denkt, was seiner Meinung nach vor allem an Waschbären, aber auch an nicht angeleinten Hunden liegt. Werden Nester zerstört, sucht sich die Entenmama natürlich einen anderen Brutplatz.

Und was fressen Entenküken, wenn sie nicht von Mama versorgt werden?

"Am Anfang kriegen die von mir Mückenlarven aus der Tierhandlung. Die setz ich dann ins Wasser rein, dann sehen die, dass sich da was bewegt und wenn eine Ente zuschnappt, hüpfen die anderen hinterher und machen es nach." Später gibt es dann halbierte Mehlwürmer.

Inzwischen gab es dank eines Artikels in der LVZ auch schon zahlreiche Futterspenden. Abgesehen davon bezahlt Stephan Lademann die Ausrüstung und Pflege überwiegend aus eigener Tasche, wobei auch so manche Tierhandlung hier schon wohlwollend auf ihn zugekommen ist.

Die Kleinen leben in der Krippe, die Großen im Kindergarten

Dieses kleine Küken gehört zu den jüngsten und braucht noch besonders viel Aufmerksamkeit.
Dieses kleine Küken gehört zu den jüngsten und braucht noch besonders viel Aufmerksamkeit.  © Juliane Bonkowski

Aktuell haben fünf Entenfamilien ein vorübergehendes Zuhause bei ihm gefunden, die größte Familie besteht aus zwölf Geschwistern. Sie und weitere zehn Küken werden nächste Woche Donnerstag oder Freitag in die Freiheit entlassen.

Die "Krippenkinder" vom Goerdelerring dürfen dann ins Außengehege und sich auf die große weite Welt vorbereiten.

Seit vergangener Nacht schlafen die "Großen" draußen, damit sie sich schon langsam daran gewöhnen können, was nachts passieren kann. Falls aber mal ein Waschbär kommt und großes Gemecker auslöst, ist das Außengehege mit Kamera und Mikrofon ausgestattet.

"Ich schlafe nachts mit Tablet, also wenn es Theater gibt, werde ich definitiv wach", erzählt er grinsend.

Grundsätzlich war es nie geplant, jedes Jahr so viele Enten aufzunehmen, aber Stephan Lademann ist eben im näheren Umkreis der einzige, der Enten aufnimmt.

Auch wenn seine Frau ihn manchmal bremsen will, verrät er: "Ich kann da nicht nein sagen." Enten seien auch sehr pflegeleicht: "Eine Ente kann und weiß eigentlich alles von allein." Dennoch scheint es nie langweilig zu werden. Nebenbei wollen ja auch noch Boote vermietet werden.

In dieser schönen Umgebung dürfen die kleinen Enten aufwachsen, bevor sie wieder in die Natur entlassen werden.
In dieser schönen Umgebung dürfen die kleinen Enten aufwachsen, bevor sie wieder in die Natur entlassen werden.  © Juliane Bonkowski
Der Ziehpapa der Entenküken hat extra ein großes Außengehege für die Entchen gebaut.
Der Ziehpapa der Entenküken hat extra ein großes Außengehege für die Entchen gebaut.  © Juliane Bonkowski
Hier sind sie sowohl von oben als auch von unten vor möglichen Angreifern geschützt.
Hier sind sie sowohl von oben als auch von unten vor möglichen Angreifern geschützt.  © Juliane Bonkowski

Da die "Zimmer" auf dem Hausboot wieder frei sind, könnte Stephan Lademann auch schon wieder einen Schwung aufnehmen. Und siehe da, noch während des Interviews kommt wieder ein Anruf herein. Wir dürfen gespannt sein, ob wir bald wieder von einer Rettungsaktion hören.

Update, 16.25 Uhr:

Am Samstagnachmittag kam ein ganz frischer Schwung Entenküken in der Auffangstation an.
Am Samstagnachmittag kam ein ganz frischer Schwung Entenküken in der Auffangstation an.  © Stephan Lademann privat

Tatsächlich sind am Samstagnachmittag vier frisch geschlüpfte Küken bei Stephan Lademann eingezogen.

Als die Bewohner einer WG in der Südvorstadt nach Hause kamen, watschelte und piepte das Quartett um deren noch schlafenden Mitbewohner herum.

Die jungen Leute wussten von der Entenmama und ihrem Nest mit ursprünglich acht Eiern auf ihrem Balkon. Bisher konnten jedoch nur vier ausgebrütete Entchen ausfindig gemacht werden, die aber sofort zum Entenpapa gebracht worden sind.

Laut Stephan Lademann sind die Küken noch keine zwölf Stunden alt. Drücken wir die Daumen, dass die Mama und die Geschwister noch gefunden werden und die nächste Familienzusammenführung schon bald stattfinden kann.

Titelfoto: Juliane Bonkowski

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