Neustadt am Rübenberge - Rund zwei Monate kämpfte sich Frischling "Hinrich" bei Neustadt am Rübenberge (Niedersachsen) allein durch und fasste immer mehr Vertrauen zu Menschen. Doch eine tödliche Attacke beendete die rührende Geschichte.
Anfang März wurde das junge Wildschwein erstmals von Jägern gesichtet. "Wir hatten ihn auf Kameras, wir hatten ihn die ersten Male gesichtet und eigentlich war er zu dem Zeitpunkt zu klein, um alleine zu überleben", erzählt Hundetrainerin Lena Pickert (33) im Gespräch mit TAG24.
Das Jungtier wurde offenbar von der Mutter und den Geschwistern getrennt, die Mutter tauchte nicht wieder auf.
"Es gab dann Pläne, ihn einzufangen. Das Problem ist, die normalen Wildtierstationen nehmen Frischlinge nicht auf. Bei uns im Revier konnten wir es nicht übers Herz bringen, wenn man ihn mal gesehen hat, ihn totzuschießen", so Pickert.
Tag für Tag sahen die Jäger und Spaziergänger den Frischling. "Und jedes Mal freute man sich, dass er stärker wurde, besser aussah und scheinbar seinen Weg fand", sagte die Hundetrainerin. Liebevoll tauften sie den kleinen Kämpfer auf den Namen "Hinrich".
Doch gleichzeitig machten sich die Jäger Sorgen. "Hinrich hatte durch das fehlende Sozialgefüge seiner Familie kaum Scheu vor Menschen entwickelt. Man konnte sich ihm oft bis auf wenige Meter nähern", so die 33-Jährige.
Das wurde dem Frischling am Dienstag offenbar zum Verhängnis.
Spaziergängerin findet "Hinrich" tot am Wegesrand
Eine Spaziergängerin entdeckte einen toten Frischling am Wegesrand und informierte einen zufällig vorbeikommenden Jäger. Der erkannte sofort, dass es sich um "Hinrich" handelte.
"Wir haben uns das dann angeschaut und den Frischling auch mitgenommen. Er war zu dem Zeitpunkt noch warm, keine Steife, nichts. Also es kann höchstens eine halbe Stunde her gewesen sein", erzählt Pickert.
Die Todesursache konnten die Jäger schnell ausmachen. "Aufgrund der vier Fangzähne direkt im Genick und dem gebrochenen Genick war klar, dass es ein Hundebiss ist", so die Hundetrainerin. Ein Wolf könne ausgeschlossen werden.
Pickerts dringender Appell: Hunde an die Leine! "Man muss sich einfach bewusst macht, welche Not Jungtiere ausstehen müssen. Und dass man einfach den Stress vermeiden kann, indem man seine Hunde anleint. Dem Hund wird deswegen nichts an Lebensqualität fehlen", meint die Expertin.
Pickert wünscht sich ein bisschen Respekt. "Und dass die Liebe zu Tieren vielleicht nicht an der eigenen Leine endet."