Tierärztin rechnet nach Tod von "Timmy" mit Rettern ab: "Werden die Wahrheit nie erfahren"

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Anholt (Dänemark)/Hawaii - Seit Samstag steht fest: Bei dem toten Buckelwal vor der dänischen Küste handelt es sich tatsächlich um "Timmy". Unter anderem Mitglieder der privaten Rettungsinitiative und Umweltminister Till Backhaus (67, SPD) äußerten sich bereits zur Tragödie. Jetzt meldet sich auch Tierärztin Dr. Jenna Wallace.

Tierärztin Dr. Jenna Wallace kritisiert Mitglieder des Retterteams weiterhin scharf.
Tierärztin Dr. Jenna Wallace kritisiert Mitglieder des Retterteams weiterhin scharf.  © Screenshot Instagram/dr.jennawallace

Nachdem die Veterinärin damals kurz nach der Strandung von "Timmy" als Expertin extra aus Hawaii einflogen war, reiste sie nur wenige Tage später beruflich bedingt wieder ab. Seitdem kritisierte sie sowohl die Rettungsmaßnahmen als auch Mitglieder der Rettungsinitiative scharf.

Nach dem Tod des Tieres zeigt sich Wallace nun überraschend gefasst: "Timmy starb im Meer und nicht allein im Schlamm der Untiefen, was ein weitaus schlimmeres Schicksal gewesen wäre. Meiner Meinung nach war dies also ein Erfolg, wenn auch mit einem Ende, das keiner von uns wollte", so die Veterinärin auf Instagram.

"Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass an dieser Rettungsaktion gute Menschen beteiligt waren", fährt sie fort. Einige Helfer seien ihr nach wie vor ein Dorn im Auge. "Aber es gibt auch eine Handvoll, die diese Gelegenheit nutzten, um aus diesem Tier einen Vorteil zu ziehen und letztendlich seine Freilassung erheblich verzögerten."

Toter Buckelwal vor Dänemarks Küste gestrandet: Tierärztin der privaten Rettungsinitiative vor Ort
Tiere Toter Buckelwal vor Dänemarks Küste gestrandet: Tierärztin der privaten Rettungsinitiative vor Ort

Bereits Ende April hatte Wallace eine Warnung vor einem Spezialisten-Team ausgesprochen, das damals extra für die Rettungsaktion nach ihrer Abreise hinzugezogen worden war. Die Rede ist dabei von dem "Free Willy"-Team, welches nach Angaben von Wallace in der Vergangenheit offenbar eher an Aufmerksamkeit und Spenden interessiert war als an Tierwohl.

Ob die Expertin mit ihrem Statement tatsächlich auf das "Free Willy"-Team anspielt?

Bis heute ist nicht ganz klar, was und vor allem wie die Freilassung von "Timmy" am 2. Mai ablief. "Ich glaube auch, dass wir nie die Wahrheit darüber erfahren werden, was bei seiner Freilassung geschah, und ich bin mir nicht ganz sicher, ob wir den Obduktionsergebnissen trauen können."

Der tote "Timmy" liegt vor der dänischen Insel Anholt.
Der tote "Timmy" liegt vor der dänischen Insel Anholt.  © Marcus Golejewski/dpa

Experten fordern mehr Aufmerksamkeit für die Bedrohung der Wale

Auch Thilo Maack von Greenpeace möchte weiterhin auf den Schutz der Meere aufmerksam machen. (Archivfoto)
Auch Thilo Maack von Greenpeace möchte weiterhin auf den Schutz der Meere aufmerksam machen. (Archivfoto)  © Stefan Sauer/dpa

Trotz aller Tragik hebt die Veterinärin den Fall "Timmy" auf eine andere Ebene. "Ich hoffe, dass Timmys Geschichte dazu beitragen wird, den Ozean und die darin lebenden Lebewesen zu schützen. Ich hoffe auch, dass seine Geschichte dazu beitragen wird, zukünftige Rettungsmaßnahmen zu verbessern."

Wallace nutzt den Vorfall, um auf den Schutz der Meere aufmerksam zu machen. Doch nicht nur Wallace, auch Thilo Maack von Greenpeace und Meeresbiologe Fabian Ritter setzen sich weiterhin für den Meeresschutz ein und fordern mehr Aufmerksamkeit für die Bedrohung der Wale.

"Was da stattfindet in unseren Meeren, ist ein Exodus, der es, von den getöteten Tieren oder sterbenden Tieren gesehen, von der Anzahl her ganz locker mit der Walfang-Ära aufnehmen kann. Also das sind größere Opferzahlen als zu den höchsten Zeiten des brutalen Walfangs", so Ritter im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

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"Das zu durchdenken, zu überlegen, was ist da ursächlich dafür, nämlich in erster Linie die Fischerei, und wie damit umzugehen ist, das ist das Gebot der Zeit."

Maack erhofft sich zudem von dem Einzelschicksal mehr Aufmerksamkeit und Energie für den Schutz der Meere. So müssten unbedingt zerstörerische Fischereimethoden in Meeresschutzgebieten verboten werden, etwa mit Stellnetzen, erklärt der Biologe abschließend.

Titelfoto: Fotomontage: Screenshot Instagram/dr.jennawallace, Marcus Golejewski/dpa

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