Blutige Tierquälerei in Sachsen: Paar schleift Hund hinterm Auto her

Eilenburg - Die Polizei in Nordsachsen ermittelt in einem schier unglaublichen Tierschutz-Fall. In Eilenburg banden Tierquäler am Mittwochabend einen Hund an die Anhängerkupplung ihres Kleinbusses und schleiften ihn Hunderte Meter über die Straße. Das Tier überlebte verletzt.

Ein Foto, das einem Tränen in die Augen treibt: Der verletzte Hund liegt ängstlich unter dem Mercedes der Tierquäler.
Ein Foto, das einem Tränen in die Augen treibt: Der verletzte Hund liegt ängstlich unter dem Mercedes der Tierquäler.  © Polizei

Solch einen Notruf hatten die Beamten des Eilenburger Polizeireviers auch noch nicht. Anwohner der dortigen Kranoldstraße informierten die Polizisten gegen 22 Uhr darüber, dass ein Pärchen mit einem Mercedes Vito die Fahrbahn entlang fahre und einen Hund hinter sich herschleifen würde.

Sofort machte sich eine Streife auf den Weg. "Die Kollegen entdeckten auf der Fahrbahn eine etwa 120 Meter lange Blutspur", berichtete Polizei-Sprecherin Sandra Freitag gegenüber TAG24.

Kurz darauf stießen die Beamten auch auf den Kleinbus, an dessen Anhängerkupplung noch der Mischlingshund hing, der sich mit blutigen Pfoten ängstlich unter dem Fahrzeug verkrochen hatte.

Ermittlungen gegen zwei Hundetrainer der Polizei: Haben sie ihre Tiere gequält?
Hunde Ermittlungen gegen zwei Hundetrainer der Polizei: Haben sie ihre Tiere gequält?

Auch die Tatverdächtigen waren noch vor Ort – ein Mann (34) und dessen 31-jährige Freundin. Nach ersten Ermittlungen hatte die Frau den Wagen gefahren.

Der Hund soll hingegen dem Mann gehören.

Auf dieser Straße schleiften die Tierquäler den Mischlingshund mehrere Hundert Meter entlang.
Auf dieser Straße schleiften die Tierquäler den Mischlingshund mehrere Hundert Meter entlang.  © Alexander Bischoff
Noch immer sind die Blutspuren der verletzten Hundepfoten auf dem Asphalt zu sehen.
Noch immer sind die Blutspuren der verletzten Hundepfoten auf dem Asphalt zu sehen.  © Alexander Bischoff

Polizei ermittelt gegen grausames Tierquäler-Paar

Da der Tierquäler den verletzten Vierbeiner nicht freiwillig herausgeben wollte, wurde der Hund von der Polizei beschlagnahmt und ins Tierheim gebracht. Dort wurden seine Wunden von einem Tierarzt behandelt.

Gegen das Tierquäler-Paar ermittelt die Polizei nun wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Offenbar hatte der arme Hund über eine noch längere Distanz an dem Fahrzeug gehangen, als es die 120 Meter lange Blutspur verriet. Zum Motiv machten die polizeibekannten Eilenburger keine Angaben.

Die Ermittler suchen weitere Zeugen.

UPDATE, 16.40 Uhr: Der misshandelte Hund wird medizinisch betreut

An der Anhängerkupplung dieses Autos soll das arme Tier festgebunden gewesen sein.
An der Anhängerkupplung dieses Autos soll das arme Tier festgebunden gewesen sein.  © Alexander Bischoff

Nach Auskunft der Eilenburger Tierheim-Chefin Annett Albrecht ist der Rüde, der auf den Namen Jack hört, zwischenzeitlich medizinisch behandelt worden. Bei sämtlichen Pfoten seien die Ballen durchgescheuert gewesen, der Tierarzt habe alle verbunden und dem Hund Schmerzmittel verabreicht.

Der circa fünf Jahre alte Vierbeiner sei sehr verängstigt und habe bei seiner Einlieferung nicht selbst laufen können, sagte Tierheim-Leiterin Albrecht.

Nach der Beschlagnahme ist nun das Veterinäramt des Landkreises Nordsachsen für Jack zuständig und muss über dessen Schicksal entscheiden. Bis zu seiner Genesung wird er im Tierheim Eilenburg aufgepäppelt.

Verwahrloste Hunde knabberten vor Hunger Möbel an
Hunde Verwahrloste Hunde knabberten vor Hunger Möbel an

TAG24 wollte den Hundehalter am Nachmittag in Eilenburg zur Rede stellen, der vorbestrafte Mann öffnete seine Wohnungstür jedoch nicht.

UPDATE, 11. Juni, 16.50 Uhr: Polizei prüft auch Fahrlässigkeit

Am Freitagnachmittag teilte die Leipziger Polizei mit, dass weiterhin wegen des Anfangsverdachts des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ermittelt werde. Allerdings werde derzeit von einer fahrlässigen, nicht jedoch von einer vorsätzlichen Tat ausgegangen.

Heißt: Der an der Anhängerkupplung angebundene Hund soll nach Angaben der Verdächtigen angeblich versehentlich vergessen und nicht mutwillig hinter dem Auto hergezogen worden sein.

Ob das letztlich der Wahrheit entspricht, bleibt Gegenstand der Ermittlungen.

Titelfoto: Polizei

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