Kinder lernen Tierschutz: "Tiere bedeuten Verantwortung, eine tolle Verantwortung!"

Leipzig - Sie war vor wenigen Wochen an der Familienzusammenführung der in der Innenstadt gefundenen Entenküken beteiligt (TAG24 berichtete). Jetzt erzählt Daniela Strothmann, Vorsitzende des Neuen Tierschutzvereins Leipzig e.V., wie sie und der noch junge Verein vor allem Kindern und Jugendlichen den Umgang mit Tieren näher bringen wollen.

Daniela Strothmann bereitet alten, kranken Hunden einen schönen Lebensabend, so auch Grey (links) und Otto Wilhelm.
Daniela Strothmann bereitet alten, kranken Hunden einen schönen Lebensabend, so auch Grey (links) und Otto Wilhelm.  © Juliane Bonkowski

Zum Interview im Leipziger Westen empfängt mich die Tierschützerin zusammen mit ihren Hunden, dem 13-jährigen Mischling Grey und dem zwölf Jahre alten Schäferhund Otto Wilhelm. Die beiden lebten ihr ganzes Leben unter weniger schönen Bedingungen in Russland beziehungsweise Rumänien und genießen den Rest ihres Lebens nun bei Daniela Strothmann in Leipzig.

Sie ist selbst mit Tieren aufgewachsen, seit diesem Jahr ausgebildete Tierschutzlehrerin des deutschen Tierschutzbundes und nimmt seit über 15 Jahren alte, kranke und körperlich eingeschränkte Hunde aus In- und Ausland bei sich auf, um ihnen einen schönen Lebensabend zu bereiten.

Zusammen mit einigen anderen Leipziger Tierfreunden hat Daniela Strothmann im vergangenen September den Neuen Tierschutzverein Leipzig e.V. gegründet.

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Andere Tierschutzvereine haben sich beispielsweise auf die Vermittlung von Tieren spezialisiert, dieser jedoch widmet sich hauptsächlich der Prävention und der Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen.

"Das ist ja unser Herzens-Anliegen, dass eben die Kinder über Tiere und deren Haltung Bescheid wissen und dass sie auch mit Tieren in Kontakt kommen", so die frühere, ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen stammende, Opernsängerin im Interview.

Viele Veranstaltungen geplant, doch dann kam Corona

Auf einem Lebenshof im Raum Leipzig konnten Kinder und Jugendliche am vergangenen Wochenende ganz neue Erfahrungen im Umgang mit Tieren machen.
Auf einem Lebenshof im Raum Leipzig konnten Kinder und Jugendliche am vergangenen Wochenende ganz neue Erfahrungen im Umgang mit Tieren machen.  © Lutz Brose

Nur wenige Wochen nach der Gründungsversammlung des Vereins konnte im Herbst vergangenen Jahres eine erste Veranstaltung stattfinden. Da es keine feste Immobilie gibt, wird für solche Gelegenheiten extra der Gemeindesaal der Friedenskirche in Gohlis angemietet.

Ziel der ersten Zusammenkunft sei es gewesen, dass die interessierte Öffentlichkeit mitbekam, was der Verein überhaupt macht.

Diese und weitere Veranstaltungen waren gut besucht, doch dann machte Corona auch den Tierschützern einen Strich durch die Rechnung. Trotzdem waren die ehrenamtlichen Helfer auch in dieser Zeit nicht untätig.

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Der Verein wollte Tierhalter, aber auch örtliche Tierheime entlasten, die zu Beginn der Pandemie damit rechneten, dass viele Menschen ihre Tiere abgeben würden.

Es wurde eine Notfall-Liste mit potenziellen Pflegestellen erstellt, bei denen erkrankte oder in Quarantäne geschickte Menschen ihre Tiere vorübergehend abgeben konnten.

Kinder-Nachmittag war ein voller Erfolg!

Die Freude am Tier zu vermitteln, stand beim Kinder-Nachmittag im Vordergrund.
Die Freude am Tier zu vermitteln, stand beim Kinder-Nachmittag im Vordergrund.  © Lutz Brose

Am vergangenen Wochenende durfte dann endlich die erste Veranstaltung nach Corona stattfinden, ein Kinder-Nachmittag auf einem Lebenshof im Raum Leipzig.

In Zusammenarbeit mit der Organisation Kinderpatenschaften Leipzig (KiPaLe) konnten Kinder zwischen sieben und 13 Jahren und ihre Paten spielerisch etwas über den Umgang mit Tieren lernen.

Die Partnerschaft mit KiPaLe sei deshalb so wichtig, weil auch Kinder angesprochen werden sollen, die finanziell nicht so gut ausgestattet sind wie andere.

Im Fokus standen an diesem Nachmittag potenzielle Haustiere wie Meerschwein und Kaninchen, aber auch Ponys, Schafe, Ziegen und einen Hundekindergarten gibt es auf dem Hof.

Auch Tierschutzunterricht an Schulen möchte die Tierschützerin nach den Sommerferien wieder anbieten. Eine erste Unterrichtseinheit fand bereits Anfang des Jahres am Johannes-Kepler-Gymnasium statt.

Überhaupt ist für die zweite Jahreshälfte noch einiges geplant, wie zum Beispiel verschiedene Vorträge, Bastelnachmittage, Ausflüge, eine Weihnachtsfeier und vieles mehr.

Doch es geht Daniela Strothmann, die selbst seit einigen Jahren vegan lebt, nicht nur um die Haltung von Haustieren. "In Deutschland muss sich auch etwas ändern, was die Haltung von sogenannten Nutztieren betrifft."

Und weiter: "Wir geben unser Wissen über Nutztierhaltung an Kinder und Jugendliche weiter, sodass sie als Erwachsene selbst entscheiden können wie sie sich beispielsweise ernähren möchten."

Und wie finanzieren sich Verein und Veranstaltungen?

"Da wir noch nicht so bekannt sind, finanzieren wir uns überwiegend noch aus eigener Tasche." Manchmal kommen auch kleinere Spenden von Mitgliedern, aber Sponsoren hat der Verein noch nicht.

Frau Strothmann ist jedoch optimistisch, dass der Verein nun langsam größere Bekanntheit erlangt. Immerhin seien inzwischen über 50 Mitglieder im Verein und das in nur einem Dreivierteljahr und trotz Corona.

Doch das ist für sie nicht das Wichtigste: "Meine Herzensangelegenheit ist tatsächlich, Kindern der künftigen Generation das mitzugeben, was ich selber auch gelernt habe."

Sie selbst wurde sehr dadurch geprägt, dass sie mit Tieren aufgewachsen ist und ihr ganzes Leben mit ihnen verbrachte.

Neben der Prävention sollen natürlich auch die Freude am Tier und Pflichtbewusstsein vermittelt werden, denn: "Tiere bedeuten Verantwortung, aber eine tolle Verantwortung!"

Titelfoto: Juliane Bonkowski

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