Niedlich und problematisch: Hamburg und die Schildkröten-Flut

Hamburg - Die Stadt Hamburg hat ein Schildkrötenproblem. Die Tiere werden häufig ausgesetzt. 

Diese Wasserschildkröte lebt im Wandsbeker Gehölz.
Diese Wasserschildkröte lebt im Wandsbeker Gehölz.  © Citynewstv

Wer im Park "Planten un Blomen" an einem Sommertag ins Wasser guckt, muss nicht lange suchen, um die Exoten zu finden. Meist sind sie in Höhe der Mittelmeerterrassen im alten Botanischen Garten zu finden. 

Die Schildkröten baden dort auf aus dem Wasser ragenden Ästen und Steinen in der Sonne

Aber auch in anderen Hamburger Gewässern sind Schildkröten keine Seltenheit. Im Wandsbeker Gehölz tummeln sich beispielsweise mehrere Exemplare in den Teichen. 

Schockierend: Sie alle waren einst Haustiere!  

"Wenn man in Hamburg Schildkröten sieht, sind es meist ausgesetzte und verwilderte Tiere", sagt Sven Fraaß, Pressesprecher des Hamburger Tierschutzvereins. 

Das Problem ist seit etlichen Jahren bekannt, dennoch verkaufen weiterhin Zoohandlungen die Reptilien an unbedarfte - ja, ungeeignete - Kunden.  

In den Geschäften werden die Schildkröten jung und daher sehr klein angeboten. Doch die Haltung ist anspruchsvoll und nach wenigen Jahren wollen sich die meisten Besitzer von ihnen trennen. Dabei werden die Tiere Jahrzehnte alt. 

Nur eine Schildkröten-Art ist in Deutschland heimisch

Zwei Wasserschildkröten wärmen sich in der Sonne im Wandsbeker Gehölz auf.
Zwei Wasserschildkröten wärmen sich in der Sonne im Wandsbeker Gehölz auf.  © Citynewstv
Nur die Europäische Sumpfschildkröte ist in Norddeutschland heimisch. Sie unterscheidet sich optisch von ihren ausgesetzten Verwandten durch Punkte auf Körper und Panzer.
Nur die Europäische Sumpfschildkröte ist in Norddeutschland heimisch. Sie unterscheidet sich optisch von ihren ausgesetzten Verwandten durch Punkte auf Körper und Panzer.  © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Anstatt sie im Tierheim abzugeben, werden viele Reptilien einfach ausgesetzt. Einige Arten können hier überleben. Eine erfolgreiche Fortpflanzung sei aber bisher nicht bekannt, berichtet Fraaß.

Im Tierheim in der Süderstraße leben aktuell 160 ausgesetzte Schildkröten. 

Wie viele es in der freien Natur gibt, ist unbekannt, es dürften aber deutlich mehr sein. Mal sind es nur wenige, mal mehrere Dutzend pro Gewässer.

Die einzige in Deutschland natürlich vorkommende Art ist die Europäische Sumpfschildkröte, erklärt Fraaß. Doch die sei sehr selten und vom Aussterben bedroht.

Wie der Name schon sagt, lebt das Reptil vor allem in Sümpfen und Feuchtgebieten. Da es davon immer weniger gebe, nahm ihre Anzahl rapide ab und sie ist in freier Wildband kaum zu finden.

Von den ausgesetzten Arten werde die Europäische Sumpfschildkröte zwar nicht verdrängt, sagt Fraaß. Dazu seien die Anforderungen an die Lebensräume zu unterschiedlich.

Die nordamerikanischen Wasserschildkröten fressen allerdings Pflanzen weg und vermutlich auch Fische. Ansonsten seien sie ungefährlich. 

Ganz im Gegensatz zu ausgesetzten Schnappschildkröten. Denen sollte man lieber nicht zu nahe kommen, denn ein Biss kann sehr schmerzhaft sein. 

Titelfoto: Citynewstv

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