"Seelenpfote" kümmert sich um würdevollen Abschied vom Haustier

Werdau - Wenn das eigene Haustier stirbt, kippt der Alltag in Sekunden – plötzlich steht man da mit dem Napf in der Hand, ohne Plan. Genau für diesen Moment haben Sandra Heßler (39) und ihr Mann Fernando (45) in Werdau die "Tierbestattung Seelenpfote" aufgebaut: ein Ladenlokal an der Leipziger Straße in Werdau (Landkreis Zwickau), das vor allem Trost spendet.

Fernando Heßler (45) trägt einen Hunde-Holzsarg in sein Auto.
Fernando Heßler (45) trägt einen Hunde-Holzsarg in sein Auto.  © Uwe Meinhold

Sandra ist seit Jahren Humanbestatterin. Sie kennt Abschiede und dieses Gefühl, wenn Menschen mit ihrem Schmerz allein bleiben.

Als sich in ihrem Freundeskreis die Fälle verstorbener Haustiere häuften "und die Menschen nirgendwo wirkliche Betreuung, Begleitung und auch das Verständnis dafür bekommen haben", kam ihr Mann Fernando auf die Idee mit der Tierbestattung.

"Du hast das Herz, du hast das Wissen", sagte er damals zu seiner Frau. Dazu kam eine Wunde, die bis heute sitzt. Vor elf Jahren starb die gemeinsame Hündin Janice - ein trauriger Moment, der unvergessen bleibt. "Nachts um halb elf stehst du da und bist völlig verloren."

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Was das Paar heute anbietet, ist für viele unbezahlbar: Abholung, würdige Verabschiedung, Urnen, Schmuck und Hilfe rundherum. Am härtesten sind die Abholungen. Fernando Heßler fährt los, wenn am Telefon die Stimme bricht.

Bestatterin Sandra Heßler (39) mit einer Tierurne im Büro ihrer Tierbestattung Seelenpfote.
Bestatterin Sandra Heßler (39) mit einer Tierurne im Büro ihrer Tierbestattung Seelenpfote.  © Uwe Meinhold

Seelentier - egal ob Hund, Katze oder Ratte

Kleine Pfoten, große Lücke: Urnen und Andenken verstorbener Haustiere stehen im "Seelenpfote"-Büro bereit.
Kleine Pfoten, große Lücke: Urnen und Andenken verstorbener Haustiere stehen im "Seelenpfote"-Büro bereit.  © Uwe Meinhold

Oft sind Kinder dabei, oft ist es "der Seelenhund", manchmal sitzt jemand im Rollstuhl und kann kaum begreifen, was gerade passiert. Dann wird aus Dienstleistung Menschlichkeit: "Wir schämen uns auch nicht, eine Träne mitzuweinen." Und manchmal trifft es ihn voll: "Ich bekomme die Fälle immer ab, die wirklich schlimm sind."

Die Kosten sind abhängig vom Gewicht, der Art der Bestattung, der Urne. Für ein kleines Tier, sagen Sandra offen, liegt man "so bei 250 Euro" für das Grundpaket. Wer eine Urne bemalen lässt oder Schmuck mit Asche oder Fell wünscht, entscheidet selbst, wie viel Erinnerung er sich leisten will.

"Wir hatten zuletzt eine Zierratte. Die kleine Caro", sagt Sandra. "Die Familie hat sie total geliebt - und dann ist es eben ein Seelentier, egal ob Hund, Katze oder Ratte."

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Das Herzstück ist die Regenbogenbrücke im Raum: Sie ist mehr als Deko - sie ist eine Erlaubnis, traurig zu sein. Daran hängen Fotos, Halsbänder, kleine Kuscheltiere. Eigene Erinnerungen und Erinnerungen von Tierbesitzern zum Anfassen, weil Trauer eben nicht in eine Schublade passt.

So bleibt das Seelentier ganz nah: Asche im Ring und im Anhänger, getragen am Finger und am Herzen.
So bleibt das Seelentier ganz nah: Asche im Ring und im Anhänger, getragen am Finger und am Herzen.  © Uwe Meinhold

Regenbogenbrücke hilft beim Trauern

Die "Regenbogenbrücke" in Werdau: Hier hängen Familien Symbole für den Weg auf, den ein Seelentier nach dem Abschied geht.
Die "Regenbogenbrücke" in Werdau: Hier hängen Familien Symbole für den Weg auf, den ein Seelentier nach dem Abschied geht.  © Uwe Meinhold

Wenn ein Haustier stirbt, finden viele Tierbesitzer Trost in der "Regenbogenbrücke". Dieser kleine Text zeichnet die Vorstellung von einem Ort "kurz vor dem Himmel", an dem Tiere ohne Schmerz warten. Dort rennen sie wieder, fressen wieder, sind wieder ganz sie selbst - bis ihr Mensch nachkommt. Am Ende gibt es das Wiedersehen, so die Idee: der Tod nicht als Ende, sondern als Übergang.

Ihren Ursprung hat sie in einem englischsprachigen Text, der als "Rainbow Bridge" weltweit verbreitet wurde. Jahrelang kursierte er als "Autor unbekannt" und wurde in vielen Versionen weitergegeben.

2023 wurde die Herkunft jedoch sauber nachgezeichnet: Das US-Wissenschaftsmagazin National Geographic identifizierte die Schottin Edna Clyne-Rekhy (84) als Autorin. Sie hatte die Geschichte 1959 als 19-Jährige nach dem Tod ihres Hundes Major verfasst.

Titelfoto: Bildmontage: Uwe Meinhold (2)

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