Wann platzt Timmy? Walkadaver vor Anholt ist extrem aufgebläht

Anholt - Eigentlich sollte der vor der dänischen Urlaubsinsel Anholt liegende Kadaver von Buckelwal Timmy bereits abtransportiert und zum Festland gebracht werden. Doch die Versuche scheiterten. Nach dem Pfingstwochenende soll ein neuer Anlauf unternommen werden - sofern der Kadaver bis dahin nicht aufreißt.

Timmys Kadaver ist inzwischen stark aufgebläht und droht, aufzureißen.  © News5/DPA

Genau das gilt unter Fachleuten allerdings als realistisches Risiko. Auf aktuellen Bildern ist zu sehen, dass Timmys Körper bereits extrem angeschwollen und aufgewölbt ist.

Die Lage ist so heikel, dass die dänische Umweltschutzbehörde am Donnerstag sogar ihre Versuche, den Kadaver ins offene Meer zu ziehen, aufgeben musste. Die Sorge war schlicht zu groß, dass der Körper aufreißen könnte.

Das Problem: Wie schnell ein Walkadaver platzt, lässt sich kaum seriös vorhersagen. Fachleute verweisen lediglich darauf, dass große Wale innerhalb weniger Tage bis Wochen stark aufgasen können. In dieser Phase könne es zu einem spontanen Aufreißen des Körpers kommen.

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Diese Zeitspanne hängt allerdings von externen Faktoren ab. Laut "National Geographic" zählen dazu neben der Größe des Tieres etwa auch die Außentemperatur, die Wassertemperatur, die Dichte und Festigkeit der Walhaut sowie die Zersetzungsrate des Körpers. Hinzu kommen mögliche Verletzungen, die ein Aufreißen begünstigen könnten.

In Timmys Fall spielen dabei gleich mehrere Einflüsse eine Rolle: Einerseits liegt der Kadaver weiterhin im vergleichsweise kalten Meerwasser, was das Aufplatzen wohl verzögert. Andererseits könnten steigende Temperaturen den Zersetzungsprozess zusätzlich beschleunigen. Der Körper weist zudem bereits einige Risse und Verletzungen auf, die sich als Schwachstellen herausstellen könnten.

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Timmy wurde mit mehreren Begleitschiffen in einer Barge in Richtung Nordsee transportiert und dort Anfang Mai freigelassen.  © Stefan Sauer/dpa

Darum drohen Walkörper nach dem Tod zu platzen

Rund zwei Wochen nach seiner Freilassung wurde der Kadaver von Timmy vor der Küste der dänischen Urlaubsinsel Anholt angespült.  © Marcus Golejewski/dpa

Doch warum platzt ein Walkadaver überhaupt auf? Nach dem Tod beginnen Bakterien im Inneren des Körpers Gewebe zu zersetzen. Dabei entstehen unter anderem Methan, Kohlendioxid oder Schwefelwasserstoff. Diese Zersetzungsgase sammeln sich schließlich im Bauchraum des Tieres an und lassen ihn extrem anschwellen.

Hinzu kommt, dass Wale eine Besonderheit haben: Ihre extrem dicke Fettschicht, die im kalten Wasser als Isolation dient, hält den Körper auch nach dem Tod warm und begünstigt so eine starke Vermehrung der Verwesungsbakterien.

Zudem können die Faulgase durch die dicke und elastische Haut nicht entweichen. In der Folge schwillt der Körper so lange an, bis der Gasdruck größer wird als die Belastbarkeit der Haut - und der Kadaver reißt plötzlich auf.

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Das hat unangenehme Folgen: Das Gewebe wird weitläufig verteilt, wodurch Aasfresser wie Möwen angelockt werden. Hinzu kommt, dass die unangenehm riechenden Gase freigesetzt werden, was insbesondere auf einer kleinen Ferieninsel wie Anholt für erhebliche Geruchsbelästigungen sorgen könnte.

Um eine spontane Explosion zu verhindern, versuchen Meeresbiologen und Fachleute daher je nach Lage, den Körper schon vorher kontrolliert zu öffnen, ihn abzuschleppen oder zu zerlegen. In Timmys Fall hat das bisher allerdings nicht geklappt.

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