Ukraine-Krieg: Selenskyj fordert schnellere Lieferung von Flugabwehrraketen

Ukraine - In der Diskussion um einen EU-Beitritt der Ukraine fordert Präsident Wolodymyr Selenskyj (48), ein genaues Datum dafür in einem möglichen Abkommen für eine Beendigung des Kriegs mit Russland festzuhalten.

Der Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj (48).
Der Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj (48).  © Danylo Antoniuk/AP/dpa

In der Diskussion um einen EU-Beitritt der Ukraine fordert Präsident Wolodymyr Selenskyj, ein genaues Datum dafür in einem möglichen Abkommen für eine Beendigung des Kriegs mit Russland festzuhalten.

Zugleich knüpfte er eine Präsidentenwahl in seinem kriegsgeplagten Land in einem Post auf X erneut an die Sicherheitslage.

In Brüssel kommen heute unterdessen die Verteidigungsminister der Nato-Staaten zusammen, um einmal mehr um die Unterstützung der Ukraine und die Bemühungen um einen Ausbau von Abschreckung und Verteidigung zu sprechen.

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12. Februar, 21.47 Uhr: Selenskyj fordert schnellere Lieferung von Flugabwehrraketen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert angesichts schwerer russischer Luftangriffe von den europäischen Partnern eine schnellere Versorgung mit Flugabwehrraketen.

"Das ist derzeit nicht nur für die Ukraine, sondern für ganz Europa eine zentrale Aufgabe", sagte Selenskyj in einer Videobotschaft aus Kiew. "Die Russen dürfen sich nicht daran gewöhnen, dass ihre Raketen und Shahed(-Drohnen) ihnen irgendwie helfen."

Ein kombinierter russischer Luftangriff mit 25 Raketen und mehr als 200 Drohnen hatte in der Nacht auf Donnerstag erneut schwere Schäden an der Energieversorgung von Kiew, Odessa und Dnipro verursacht. Selenskyj selbst berichtete, dass Flugabwehrsysteme Patriot im Januar nicht eingesetzt werden konnten, weil es an Munition fehlte. Die europäischen Nato-Staaten kaufen die Raketen im Rahmen des PURL-Waffenprogramms in den USA.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert von den europäischen Partnern eine schnellere Versorgung mit Luftabwehrraketen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert von den europäischen Partnern eine schnellere Versorgung mit Luftabwehrraketen.  © Jens Büttner/dpa

12. Februar, 19.27 Uhr: Beschädigte Energieanlagen produzieren zu wenig Strom

Die durch russische Raketen- und Drohnenangriffe beschädigten Energieanlagen in der Ukraine produzieren trotz gestiegener Temperaturen weiter deutlich zu wenig Strom zur Versorgung der Bürger.

Das prognostizierte Verbrauchsmaximum liege aktuell bei 16,4 Gigawatt, bereitgestellt werden könnten nur 12,3 Gigawatt, sagte Energieminister Denys Schmyhal auf der Sitzung des parlamentarischen Energieausschusses gemäß einer Meldung der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine. Millionen Ukrainer haben länger als 20 Stunden täglich keinen Strom. Erst für den Frühling wird eine leichte Besserung erwartet.

Derzeit kommen den Angaben zufolge 7,5 Gigawatt aus Atomkraftwerken, etwa 2 Gigawatt werden importiert und etwas mehr als 800 Megawatt stammen aus fünf verbliebenen Blöcken in Wärmekraftwerken. Schmyhal sagte, am Dienstag und Mittwoch habe es bereits 1,6 bis 1,7 Gigawatt aus Solarenergie gegeben. Für den Frühling hoffe er auf höhere Beiträge der Wasserkraftwerke. Reserven sehe er auch noch beim Atomkraftwerk Riwne.


In den Tagen zuvor mit zweistelligen Minusgraden in einigen Teilen des Landes war der Bedarf an Strom den Angaben zufolge auf bis zu 18 Gigawatt gestiegen. Die Ukraine wehrt sich seit knapp vier Jahren gegen eine russische Invasion.

Die beschädigten Energieanlagen in der Ukraine produzieren derzeit zu wenig Strom. Erst im Frühling ist Besserung in Sicht.
Die beschädigten Energieanlagen in der Ukraine produzieren derzeit zu wenig Strom. Erst im Frühling ist Besserung in Sicht.  © -/kyodo/dpa

12. Februar, 7.38 Uhr: Russland überzieht Ukraine mit neuen schweren Angriffen

In der Nacht hat Russland die benachbarte Ukraine erneut mit Drohnen und ballistischen Raketen angegriffen.

Schwere Schäden und Verletzte gab es Behördenangaben nach in der Hauptstadt Kiew und im Schwarzmeerhafen Odessa. Zwei Menschen seien bei dem Raketenangriff auf Kiew verletzt worden, einer davon schwer, teilte Bürgermeister Vitali Klitschko bei Telegram mit.

Nach Klitschkos Angaben waren erneut Infrastrukturobjekte Ziel der Raketenangriffe. Es habe aber auch Einschläge in privaten Wohnhäusern gegeben. Kiew kämpft wegen der ständigen russischen Luftangriffe seit Wochen mit Problemen bei der Energieversorgung - sowohl beim Strom als auch bei der Heizung.

Einen Verletzten gab es auch in Odessa nach einem massiven russischen Drohnenangriff. Weiteren 23 Personen werde psychologische Hilfe nach einem Einschlag in einem neunstöckigen Wohnhaus geleistet, schrieb Gouverneur Serhej Lyssak.

12. Februar, 6.17 Uhr: Kallas will EU Plan mit Forderungen an Moskau vorlegen

Seit Wochen laufen intensive Gespräche für eine Beendigung des seit fast vier Jahren andauernden russischen Angriffskriegs.

Zuletzt verhandelten Moskau und Kiew in der vergangenen Woche zum zweiten Mal in Abu Dhabi unter US-Vermittlung miteinander. Alle Seiten lobten die Verhandlungen anschließend als konstruktiv, konkrete Ergebnisse wurden allerdings nicht präsentiert.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas kündigte bei "Table Media" an, den Mitgliedstaaten einen Plan mit Forderungen an Moskau für einen Frieden vorzulegen. "Wenn der ukrainischen Armee Beschränkungen auferlegt werden sollen, muss es auch Beschränkungen für die russische Armee geben."

In einem Ende Dezember von Selenskyj öffentlich Entwurf für einen von den USA angestoßenen Friedensplan war die Rede von einer Stärke von 800.000 Soldaten der ukrainischen Armee in Friedenszeiten.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas (48).
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas (48).  © Harry Nakos/AP/dpa

12. Februar, 6.15 Uhr: Russland mit erheblichen Verlusten

Die russischen Verluste stiegen indes nach Einschätzung der Nato zuletzt weiter erheblich. Ein ranghoher Nato-Beamter sprach von etwa 400.000 getöteten oder verletzten russischen Soldaten im vergangenen Jahr.

Insgesamt summiere sich die Zahl der Verluste damit auf rund 1,3 Millionen. Darunter seien schätzungsweise 350.000 getötete russische Soldaten. "Moskau opfert damit mehr Männer und Frauen als in jedem europäischen Konflikt seit dem Zweiten Weltkrieg", sagte er.

Die Lage für die ukrainischen Streitkräfte bezeichnet der Nato-Beamte dennoch als "weiter schwierig". Russische Kräfte machten entlang mehrerer Abschnitte der Front weiterhin schrittweise Geländegewinne.

"Russische Truppen halten den Druck auf ukrainische Kräfte durch den massiven Einsatz von Drohnen und Artillerie aufrecht und setzen auf zermürbende Taktiken", sagte der Beamte.

12. Februar, 6.15 Uhr: Ukraine-Hilfe Thema bei Nato-Treffen

Für Deutschland nimmt Verteidigungsminister Boris Pistorius (65, SPD) am ersten Treffen der Nato-Verteidigungsminister in diesem Jahr im Hauptquartier des Militärbündnisses teil.

Er wird am Nachmittag zudem gemeinsam mit seinem britischen Kollegen John Healey ein Treffen der sogenannten Ukraine-Kontaktgruppe leiten. Bei diesem sollen weitere Militärhilfen für die Ukraine koordiniert werden.

Als Gast im Nato-Hauptquartier wird der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow erwartet. Er will die Nato-Kollegen über die Lage an der Front und die am dringendsten benötigten Rüstungsgüter für den Abwehrkampf gegen Russland unterrichten.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (65, SPD) nimmt am ersten Treffen der Nato-Verteidigungsminister in diesem Jahr im Hauptquartier des Militärbündnisses teil.
Verteidigungsminister Boris Pistorius (65, SPD) nimmt am ersten Treffen der Nato-Verteidigungsminister in diesem Jahr im Hauptquartier des Militärbündnisses teil.  © Kay Nietfeld/dpa

12. Februar, 6.13 Uhr: Selenskyj reagiert auf Bericht zu Wahl

In den sozialen Medien pochte Selenskyj erneut darauf, dass eine Präsidentenwahl in der Ukraine an die Sicherheitslage gebunden sei. "Wir können zu Wahlen übergehen, wenn es alle entsprechenden Sicherheitsgarantien gibt", schrieb er. Wenn es einen Waffenstillstand gebe, werde es Wahlen geben.

Selenskyj reagierte dabei auch auf einen Bericht der "Financial Times", wonach er unter Druck der USA plane, eine Präsidentenwahl und ein Friedensreferendum noch vor dem 15. Mai anzusetzen. Dem Bericht nach könnte er bereits am 24. Februar, dem vierten Jahrestag der russischen Invasion, die Wahl ausrufen.

Der 24. Februar sei ein sehr ernstes Datum und der falsche Tag, um über Politik zu sprechen. Er könne nicht genutzt werden, um Wahlen zu verkünden, so Selenskyj.

12. Februar, 6.11 Uhr: EU ist Sicherheitsgarantie für Ukraine

Für die Ukraine sei es wichtig, alles dafür zu tun, bis 2027 für einen EU-Beitritt bereit zu sein, schrieb Selenskyj in sozialen Medien.

Zumindest die wichtigsten Schritte werde sie erreichen. Er machte deutlich: "Ich will ein genaues Datum." Wenn in dem Abkommen, das die USA, Russland, die Ukraine und Europa unterzeichnen sollen, kein genaues Datum stehe, werde Russland alles dafür tun, um den Beitrittsprozess zu blockieren. Die EU sei für sein Land eine Sicherheitsgarantie.

Selenskyj hatte Ende Januar einen EU-Beitritt seines Landes schon 2027 gefordert, ungeachtet teils verbreiteter Skepsis in europäischen Staaten.

11. Februar, 10.45 Uhr: Staatschef unter Druck - Präsidentenwahl im Mai?

Einem Bericht der "Financial Times" zufolge plant der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj unter Druck der USA, eine Präsidentenwahl und ein Friedensreferendum für den 15. Mai anzusetzen.

Die britische Zeitung beruft sich auf ukrainische und westliche Verantwortliche, die mit den Überlegungen vertraut seien, zitiert aber nicht Selenskyj selbst.

Demnach könnte Selenskyj am 24. Februar, dem vierten Jahrestag der russischen Invasion, die Wahl ausrufen. Dann solle im Mai parallel über das Staatsoberhaupt und eine bis dahin zu erreichende Friedensregelung mit Russland abgestimmt werden.

Der ukrainische Präsident hat bereits das Parlament beauftragt, die nötigen Gesetzesänderungen für eine Wahl zu Kriegszeiten vorzubereiten. Er berichtete vergangene Woche auch von Druck der US-Administration, den Krieg bis zum Sommer zu beenden

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj könnte Präsidentenwahl für den 15. Mai ansetzen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj könnte Präsidentenwahl für den 15. Mai ansetzen.  © Mindaugas Kulbis/AP/dpa

11. Februar, 8.58 Uhr: Vier Tote durch russischen Drohnenangriff bei Charkiw

Durch einen russischen Drohneneinschlag sind im ukrainischen Gebiet Charkiw nach Behördenangaben vier Menschen getötet worden.

Drei Kleinkinder und ein 34-jähriger Mann seien tot aus den Trümmern eines Hauses geborgen worden, teilte Gebietsgouverneur Oleh Synjehubow auf Telegram mit. Außerdem seien eine schwangere Frau (35) und eine 73-Jährige verletzt worden. Angegriffen wurde die Kleinstadt Bohoduchiw nordwestlich von Charkiw.

In der Großstadt Saporischschja trafen russische Drohnen nach Angaben der Regionalverwaltung Teile des Stromnetzes. Für 11.000 Haushalte sei der Strom ausgefallen. Die ukrainische Luftwaffe ortete nach eigenen Angaben in der Nacht 120 russische Drohnen, von denen 112 ausgeschaltet worden seien.

Titelfoto: Jens Büttner/dpa

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