Ukraine-Krieg, Tag 10: Neue Verhandlungen für Montag geplant

Ukraine - Die Lage im Ukraine-Krieg spitzt sich auch am zehnten Tag weiter zu.

Tausende Ukrainer flüchten und müssen ihre Heimat verlassen.
Tausende Ukrainer flüchten und müssen ihre Heimat verlassen.  © Emilio Morenatti/AP/dpa

Nach einer weiteren Kriegsnacht bereitet sich die Ukraine auf eine neue Verhandlungsrunde mit Russland über einen Waffenstillstand vor.

Kämpfe und Kriegsrhetorik waren auch in der Nacht zum Samstag ungebrochen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (44) machte der Nato bittere Vorwürfe, weil sich die westliche Allianz nicht militärisch in den Konflikt einbringen will.

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In einer Live-Schalte zu Solidaritätsdemos in Europa warnte Selenskyj: "Wenn die Ukraine fällt, werden alle fallen."

TAG24 berichtete im Liveticker über das Geschehen am Samstag.

Update, 22.23 Uhr: Russische Kampfjets mit "Stinger"-Raketen abgeschossen

Ukrainische Truppen haben mit den von Verbündeten gelieferten Waffen nach Angaben von Außenminister Dmytro Kuleba (40) zahlreiche russische Panzerfahrzeuge und anderes Kriegsgerät zerstört.

"Gerade heute haben wir drei russische Kampfflugzeuge, die unsere Städte bombardiert haben, mit Hilfe von "Stingern" abgeschossen", sagte Kuleba am Samstag bei einem Treffen mit US-Außenminister Antony Blinken (59) im Grenzgebiet zu Polen. Die USA, aber auch Deutschland haben der Ukraine Panzerabwehrwaffen und Boden-Luft-Raketen vom Typ "Stinger" geliefert.

Update, 21.37 Uhr: Özdemir setzt Zeichen beim VfB-Spiel

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (56, Grüne) ist erleichtert über die "gute Nachricht" aus den internationalen Sportverbänden zum Ausschluss von Russland und Belarus.

Insbesondere der Fußball müsse "aufpassen, mit wem er sich ablichten lässt, wohin die Veranstaltungen vergeben werden", sagte der Grünen-Politiker am Samstagabend bei Sky. Der bekennende Fan des VfB Stuttgart hatte das 3:2 der Schwaben gegen Borussia Mönchengladbach im Ukraine-Trikot im Stadion verfolgt.

"Der Kampf der Menschen in der Ukraine, den tragen sie nicht für sich alleine aus", sagte Özdemir und mahnte, dass "sich die Putins dieser Welt" nicht durchsetzen dürften. Zudem sprach der Minister den Menschen in Russland, die sich dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in den Weg stellten, "großen Respekt" aus. "Die wissen, was sie riskieren", sagte Özdemir.

Cem Özdemir (56, Grüne) verfolgte den Sieg des VfB Stuttgart am Samstagabend im Ukraine-Trikot.
Cem Özdemir (56, Grüne) verfolgte den Sieg des VfB Stuttgart am Samstagabend im Ukraine-Trikot.  © Kay Nietfeld/dpa

Update, 20.51 Uhr: Über 100.000 Menschen schließen sich Territorialverteidigung an

Seit Ausbruch des Krieges gegen Russland haben sich nach Angaben aus Kiew mehr als 100.000 Menschen der ukrainischen Territorialverteidigung angeschlossen.

Das sagte Vizeverteidigungsministerin Hanna Maljar am Samstag nach Angaben der Agentur Unian. Unabhängig überprüfen ließ sich diese Zahl zunächst nicht. Die Freiwilligenbataillone sollten auch nach dem Ende des Kriegs nicht aufgelöst, sondern in die ukrainischen Verteidigungsstrukturen integriert werden, sagte Maljar.

Update, 20.07 Uhr: Selenskyj für Bezeichnung Putins als "Kriegsverbrecher"

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (44) hat die USA in einer Videoschalte mit US-Senatoren und Kongressabgeordneten nach Teilnehmerangaben um mehr Waffen gebeten.

Selenskyj habe dringend mehr "militärische Ausrüstung für seine Streitkräfte und zur Verteidigung seines Volkes" gefordert, teilte der republikanische Senator Dan Sullivan am Samstag mit. An die Adresse der Regierung des demokratischen US-Präsidenten Joe Biden (79) appellierte Sullivan, dies "für die Verteidigung der Demokratie" möglich zu machen.

Der republikanische US-Senator Lindsey Graham (66) sagte in einer Videobotschaft nach der Schalte, Selenskyj habe zu verstehen gegeben, "dass es richtig wäre, (den russischen Präsidenten Wladimir) Putin als Kriegsverbrecher zu bezeichnen, und dass dies seiner Meinung nach sehr hilfreich wäre".

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (44) sprach in einer Videoschalte mit US-Senatoren.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (44) sprach in einer Videoschalte mit US-Senatoren.  © Sebastian Gollnow/dpa

Update, 20.01 Uhr: Von der Leyen rechnet mit mehreren Millionen Ukraine-Flüchtlingen

Russlands Krieg gegen die Ukraine wird nach Einschätzung von EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen (63) mehrere Millionen Flüchtlingen zur Folge haben.

Schon jetzt seien mehr als 1,2 Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen, sagte die deutsche Politikerin am Samstag nach Gesprächen mit der spanischen Regierung in Madrid. "Und diese Zahl wird sich in den nächsten Tagen und Wochen wahrscheinlich noch vervielfachen."

Es handele sich um unschuldige Frauen, Männer und Kinder, die vor dem skrupellosen und brutalen Krieg des russischen Präsidenten Wladimir Putin flüchteten. "Sie brauchen unsere sofortige Hilfe", sagte von der Leyen.

Ursula von der Leyen (63) rechnet mit mehreren Millionen Flüchtlingen aus der Ukraine.
Ursula von der Leyen (63) rechnet mit mehreren Millionen Flüchtlingen aus der Ukraine.  © Alexandru Dobre/AP/dpa

Update, 19.55 Uhr: Bennett von Moskau nach Berlin - Treffen mit Scholz

Nach einem Überraschungsbesuch in Moskau will Israels Ministerpräsident Naftali Bennett (49) am Samstagabend in Berlin mit Bundeskanzler Olaf Scholz (63, SPD) über den Ukraine-Konflikt beraten.

Das verlautete aus deutschen Regierungskreisen. Das Treffen wurde auch vom Büro Bennett in Israel bestätigt.

Update, 19.22 Uhr: Klitschko-Brüder in Kiew: "Wir bleiben hier"

Die Brüder Wladimir (45) und Vitali Klitschko (50) wollen in der Ukraine bleiben und weiter gegen die russischen Truppen kämpfen.

Es bleibe ihnen keine andere Wahl als zu kämpfen, sagte Vitali Klitschko, der Bürgermeister von Kiew, in einem gemeinsamen Interview mit seinem Bruder der Welt am Sonntag.

Für ihn wäre es "richtig peinlich", wenn er als gewählter Bürgermeister jetzt sein Land verlassen würde. "Wenn ich ginge, wäre das Verrat und ich könnte niemals mehr in den Spiegel sehen. Wir bleiben hier."

Vitali Klitschko (50) will weiter in der Ukraine gegen die russischen Truppen kämpfen.
Vitali Klitschko (50) will weiter in der Ukraine gegen die russischen Truppen kämpfen.  © Efrem Lukatsky/AP/dpa

Update, 19.04 Uhr: Neue Verhandlungen mit Moskau für Montag geplant

Neue Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine sind nach Angaben aus Kiew erst für kommenden Montag geplant.

Das schrieb der Leiter der ukrainischen Delegation, David Arachamija (42), am Samstagabend bei Facebook. Einzelheiten nannte er nicht. Später sagte der russische Außenpolitiker Leonid Sluzki (54) im Staatsfernsehen: "Die dritte Runde kann wirklich in den nächsten Tagen stattfinden. Möglich ist es am Montag, dem 7. (März)." Zunächst war mit weiteren Gesprächen bereits an diesem Wochenende gerechnet worden.

Laut David Arachamija (42, rechts vorn), dem Leiter der ukrainischen Delegation, sind neue Verhandlungen erst für Montag geplant.
Laut David Arachamija (42, rechts vorn), dem Leiter der ukrainischen Delegation, sind neue Verhandlungen erst für Montag geplant.  © Sergei Kholodilin/BelTA/AP/dpa

Update, 18.30 Uhr: Auswärtiges Amt rät wegen Mediengesetzen in Russland zu Vorsicht

Wegen der verschärften Mediengesetze in Russland rät das Auswärtige Amt auch bei anderen öffentlichen Äußerungen zu Vorsicht.

"Auch private Äußerungen in sozialen Medien können nach diesem neuen Gesetz in der Russischen Föderation mit unberechenbaren persönlichen Risiken verbunden sein", heißt es in einer Aktualisierung der Reise- und Sicherheitshinweise von Samstag.

"Es wird zu äußerster Zurückhaltung oder alternativ zur Ausreise geraten."

Update, 18.25 Uhr: Russische Truppen nehmen Militärbasis bei Cherson ein

Russische Truppen haben nach Angaben des Moskauer Verteidigungsministeriums eine große Militärbasis nahe der südukrainischen Gebietshauptstadt Cherson unter ihre Kontrolle gebracht.

Die ukrainischen Truppen hätten die weitläufige Basis nahe der Ortschaft Radensk verlassen, teilte das Verteidigungsministerium nach Angaben der Agentur Interfax mit. Unter anderem seien Panzer und Panzerfahrzeuge erbeutet worden. Von Kiew gab es keine Bestätigung.

In einer Halle sei ein Waffenlager, unter anderem mit Panzerabwehrraketen gefunden worden, teilte Russland weiter mit. Die ukrainische Basis sei für etwa 4000 Soldaten ausgelegt gewesen. Die Gebietshauptstadt Cherson mit 280.000 Einwohnern soll unter Kontrolle der russischen Truppen stehen.

Titelfoto: Sergei Kholodilin/BelTA/AP/dpa

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