Ukraine-Krieg: Putin gibt Europäern Schuld an schlechtem Verhältnis

Ukraine - Kein Strom, keine Heizung, aber strenger Frost - die ukrainische Führung schaltet sich in die bereits seit Tagen andauernde Notlage der Hauptstadt Kiew ein.

Die Reparaturen an der Energieinfrastruktur von Kiew laufen auf Hochtouren.
Die Reparaturen an der Energieinfrastruktur von Kiew laufen auf Hochtouren.  © Dan Bashakov/AP/dpa

Für den gesamten Energiesektor der Ukraine werde der Notstand ausgerufen, teilte Präsident Wolodymyr Selenskyj (47) nach einer Krisensitzung mit.

Es werde ein Koordinationsstab eingerichtet, der sich besonders um die Nöte der Dreimillionenstadt kümmern solle. Die gesamte Regierung solle zusätzliches Gerät und Hilfe organisieren.

Die Versorgungsnetze von Kiew waren bei einem russischen Luftangriff am vergangenen Freitag außer Gefecht gesetzt worden, was für Hunderttausende Menschen den Ausfall von Heizung, Strom und Wasser bedeutete.

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Die Hauptstadt befinde sich in einer humanitären Krise, schrieb der Journalist Oleksyj Sorokin vom "Kyiv Independent". Auf der Plattform X schrieb er weiter: "Es gibt Orte in Kiew, die derzeit unbewohnbar sind.

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15. Januar, 17.02 Uhr: Putin gibt Europäern Schuld an schlechtem Verhältnis

Russlands Staatschef Wladimir Putin (73) beklagt das schlechte Verhältnis zu Europa - sieht die Schuld dafür aber allein bei den europäischen Nachbarn.

Der Zustand der jeweiligen bilateralen Beziehungen lasse "zu wünschen übrig", sagte Putin, der im Kreml in Moskau die Beglaubigungsschreiben neuer Botschafter entgegennahm. Unter anderem traten Botschafterinnen und Botschafter aus Frankreich, Italien, Schweden, Tschechien und der Schweiz ihren Posten in Moskau an.

"Der Dialog und die Kontakte sind - und zwar nicht durch unsere Schuld, das möchte ich betonen - auf ein Minimum reduziert für staatliche wie für wirtschaftliche und gesellschaftliche Kreise", sagte Putin. Er hoffe, dass es mit der Zeit einen Rückweg zu normalen und konstruktiven Beziehungen gebe.

Wladimir Putin (73) scheint zu grübeln, warum die Europäer wohl nicht so richtig gut mit ihm können.
Wladimir Putin (73) scheint zu grübeln, warum die Europäer wohl nicht so richtig gut mit ihm können.  © Ramil Sitdikov/Pool Reuters/AP/dpa

15. Januar, 15.01 Uhr: Kreml hofft auf neues Treffen mit US-Unterhändlern

Der Kreml hofft auf einen baldigen Besuch der US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner für Gespräche über ein Ende des Ukraine-Kriegs.

Der Dialog mit den Amerikanern laufe, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow (58) der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge. "Sobald die Termine abgestimmt sind, findet dieser Besuch, hoffen wir, statt." Es sei wichtig, dass auch die russische Seite ihre Sicht auf diese Beratungen darlege. Zwischen den Amerikanern, Ukrainern und Europäern habe es viele Gespräche gegeben.

Laut Sprecher Dmitri Peskow (58) will der Kreml ein neues Treffen mit US-Unterhändlern.
Laut Sprecher Dmitri Peskow (58) will der Kreml ein neues Treffen mit US-Unterhändlern.  © Ulf Mauder/dpa

15. Januar, 12.44 Uhr: Neue Stromausfälle in der Ukraine durch Luftangriffe

In der Ukraine haben russische Luftangriffe in der Nacht weitere großflächige Stromausfälle verursacht.

In den Gebieten Charkiw und Schytomir seien Verbraucher ohne Strom, teilte das Energieministerium in Kiew mit. "Notfall- und Wiederherstellungsarbeiten werden überall dort durchgeführt, wo es die Sicherheitslage zulässt", hieß es. Im Gebiet Dnipropetrowsk ordnete der staatliche Versorger Ukrenergo wegen früherer Schäden am Netz Notabschaltungen an.

Drohneneinschläge wurden auch aus Lwiw und Kiew und aus frontnahen Städten wie Slowjansk und Kramatorsk gemeldet. Die neuen Stromausfälle belegen, wie geschwächt die Energieversorgung der Ukraine mittlerweile ist. Denn der russische Angriff war mit 82 Drohnen, wie die ukrainische Luftwaffe zählte, einer der schwächsten der vergangenen Wochen.

15. Januar, 12.30 Uhr: Polens Regierungschef rügt Trumps Äußerung zu Selenskyj

Polens Regierungschef Donald Tusk (68) hat die Äußerung von US-Präsident Donald Trump (79) kritisiert, wonach der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj (47) ein Hindernis für den Abschluss einer Friedensvereinbarung sei.

Nicht Selenskyj, sondern Russland sei es gewesen, das den von den USA vorbereiteten Friedensplan abgelehnt habe, schrieb Tusk auf X. "Die einzige Antwort Russlands waren weitere Raketenangriffe auf ukrainische Städte." Die einzige Lösung sei mehr Druck auf Russland. "Das wisst ihr alle."

Polens Regierungschef Donald Tusk (68) über Kritik am US-Präsidenten.
Polens Regierungschef Donald Tusk (68) über Kritik am US-Präsidenten.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

15. Januar, 6.42 Uhr: Selenskyj fordert Konzentration der USA auf Friedensgespräche

Russland überzieht das Nachbarland seit fast vier Jahren mit einem verheerenden Krieg. Ein Einlenken Moskaus ist nicht absehbar.

Bislang wird nur zwischen der Ukraine, den USA und den europäischen Staaten über ein mögliches Kriegsende beraten.

Wolodymyr Selenskyj (47) sagte, sein Chefunterhändler Rustem Umjerow (43) habe ihn über den jüngsten Stand der Gespräche informiert. Man müsse bei den Dokumenten zu Sicherheitsgarantien und Wirtschaft vorankommen, so der Präsident. Die Ukraine sei dabei maximal produktiv. "Wir erwarten auch energische Arbeit von amerikanischer Seite."

15. Januar, 6.35 Uhr: Europarat alarmiert wegen russischer Angriffe

Der Europarat hat die russischen Angriffe auf ukrainische Städte thematisiert.

"Ich bin alarmiert über das weit verbreitete menschliche Leid, das durch die Zerstörung der Energieinfrastruktur in der Ukraine verursacht wird", sagte Menschenrechtskommissar Michael O'Flaherty (66).

Die humanitären Folgen der andauernden Stromausfälle seien gravierend.

Menschenrechtskommissar Michael O'Flaherty (66) zeigt sich alarmiert angesichts des menschlichen Leids in der Ukraine.
Menschenrechtskommissar Michael O'Flaherty (66) zeigt sich alarmiert angesichts des menschlichen Leids in der Ukraine.  © Gregor Fischer/dpa

15. Januar, 6.28 Uhr: Selenskyj kritisiert Klitschko wegen Notlage in Kiew scharf

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (47) hat Kritik an der Verwaltung der Hauptstadt unter Bürgermeister Vitali Klitschko (54) geübt.

"Wir sehen, dass viel gemacht worden ist, - insbesondere in Charkiw, wo sich die lokalen Behörden vorbereitet haben", sagte der 47-Jährige. "Kiew hat leider deutlich weniger getan. In der Hauptstadt wurde sehr wenig unternommen." Auch jetzt gingen die Reparaturarbeiten dort nicht intensiv genug voran, bemängelte er.

Klitschko gestand bei einer eigenen Krisensitzung mit seiner Verwaltung ein, dass die Hauptstadt in der schwierigsten Lage seit Kriegsbeginn sei. Anfangs habe es in 6000 Wohnblocks, der Hälfte des Bestands, keine Heizung gegeben, sagte er. Immer noch seien 400 Wohnblocks unbeheizt, aber man hoffe, sie bald wieder ans Fernwärmenetz zu bekommen.

Für die meisten Bürger gebe es immer nur drei Stunden Strom und dann zehn oder mehr Stunden wieder nicht, berichtete Klitschko. Die städtischen Dienste arbeiteten rund um die Uhr, um alles zu reparieren. Die Kritik des Präsidenten wies er zurück, das sei "ununterbrochener Hass".

Wolodymyr Selenskyj (47) rügte den Bürgermeister Kiews.
Wolodymyr Selenskyj (47) rügte den Bürgermeister Kiews.  © Michael Kappeler/dpa

14. Januar, 13.12 Uhr: Neuer EU-Kredit für Ukraine soll vor allem Militär stärken

Das neue riesige EU-Darlehen für die Ukraine soll nach dem Willen der Europäischen Kommission zu einem großen Teil den gegen Russland kämpfenden Streitkräften zugutekommen.

Wie ein von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (67, CDU) präsentierter Vorschlag vorsieht, soll das ukrainische Militär mit 60 Milliarden Euro unterstützt werden.

Die verbleibenden 30 Milliarden Euro des insgesamt 90 Milliarden Euro umfassenden Kredits sollen dem Vorschlag der Brüsseler Behörde zufolge der Ukraine als Haushaltsunterstützung bereitgestellt werden.

Mit der Unterstützung werde sichergestellt, dass die Ukraine einerseits ihre Verteidigung auf dem Schlachtfeld stärken und ihre militärischen Fähigkeiten ausbauen könne sowie andererseits den Staat sowie die grundlegenden öffentlichen Dienstleistungen aufrechterhalten könne, sagte von der Leyen.

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen (67), gibt während einer Pressekonferenz am EU-Hauptsitz in Brüssel eine Erklärung ab.
Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen (67), gibt während einer Pressekonferenz am EU-Hauptsitz in Brüssel eine Erklärung ab.  © Virginia Mayo/AP/dpa

14. Januar, 13.11 Uhr: Ukraine verlängert Kriegsrecht und Mobilmachung bis Mai

In der von Russland angegriffenen Ukraine sind das geltende Kriegsrecht und die allgemeine Mobilmachung bis Anfang Mai verlängert worden.

Für beide Gesetzvorlagen stimmte jeweils eine deutliche Mehrheit von mehr als 300 Abgeordneten. Die Entwürfe waren von Präsident Wolodymyr Selenskyj eingereicht worden.

Die Ukraine wehrt sich seit fast vier Jahren gegen eine russische Invasion. Nach dem Einmarsch Russlands wurde das Kriegsrecht verhängt und eine allgemeine Mobilmachung angeordnet. Wehrpflichtige Männer im Alter von 23 bis 60 Jahren können das Land nicht verlassen. Es gelten nur wenige Ausnahmen, beispielsweise für Väter von mindestens drei minderjährigen Kindern.

Das ukrainische Parlament musste wegen des andauernden Krieges mit Russland erneut das geltende Kriegsrecht und die angeordnete Mobilmachung verlängern.
Das ukrainische Parlament musste wegen des andauernden Krieges mit Russland erneut das geltende Kriegsrecht und die angeordnete Mobilmachung verlängern.  © -/Ukrinform/dpa

14. Januar, 13.08 Uhr: Ukraine hat vierten Verteidigungsminister seit Kriegsbeginn

In der von Russland angegriffenen Ukraine ist mit Mychajlo Fedorow (34) der vierte Verteidigungsminister seit Kriegsbeginn im Amt.

Für die Ernennung des ehemaligen Digitalisierungsministers stimmte eine deutliche Mehrheit von 277 Abgeordneten. Die Kandidatur war gemäß der Verfassung von Präsident Wolodymyr Selenskyj eingereicht worden.

Es war bereits der zweite Versuch, Fedorow einzusetzen. Am Vortag hatten sich im Parlament nicht genügend Abgeordnete gefunden, um eine Abstimmung über seine Kandidatur anzusetzen.

Mychajlo Fedorow (34) ist der vierte Verteidigungsminister seit Kriegsbeginn.
Mychajlo Fedorow (34) ist der vierte Verteidigungsminister seit Kriegsbeginn.  © Hanna Arhirova/AP/dpa

14. Januar, 11.33 Uhr: Russland zielt erneut auf Energieinfrastruktur

Russland nahm bei frostigen Temperaturen erneut die ukrainische Energieinfrastruktur ins Visier. Moskaus Streitkräfte attackierten in der Großstadt Krywyj Rih im Südosten der Ukraine Militärverwaltungschef Olexander Wilkul zufolge am Abend und in der Nacht die zivile Infrastruktur.

Demnach gab es Notabschaltungen der Stromversorgung für 45.000 Kunden, in mehr als 700 Häusern auch der Fernwärme. Am Morgen habe sich die Lage wieder stabilisiert, schrieb er bei Telegram.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von Angriffen auf den Energiesektor seines Landes in der Nacht. Demnach setzte Russland 113 Drohnen und drei ballistische Raketen ein und attackierte die Regionen Dnipropetrowsk, Schytomyr, Saporischschja, Charkiw und Cherson. Das Hauptziel seien die Energieversorgung und kritische Infrastruktur gewesen, Heizung und Strom, schrieb Selenskyj in sozialen Medien.

Titelfoto: Ramil Sitdikov/Pool Reuters/AP/dpa

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