Ukraine-Krieg: Putin und Medwedew siegessicher

Ukraine - Nach viereinhalb Jahren des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine erwartet Kremlchef Wladimir Putin (73) in Moskau trotz bisher unerreichter Invasionsziele weiter eine Niederlage Kiews.

Am Samstag traf sich Bundesaußenminister Johann Wadephul (63, CDU, l.) mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (48) in Kiew.  © Michael Fischer/dpa

Bundesaußenminister Johann Wadephul (63, CDU) hingegen sieht die Ukraine bei einem weiteren Besuch in dem Land klar auf Siegeskurs. "Putin muss wissen, gemeinsam mit ihren Unterstützern hat die Ukraine den längeren Atem auf dem Weg zum eigentlichen Ziel: endlich Frieden", sagte der CDU-Politiker in Kiew.

Wie der Krieg ende, sei eine entscheidende Frage für die Zukunft Europas. "Und er muss so enden, dass nicht das Recht des Stärkeren sich durchsetzt, sondern dass die Stärke des Rechts sich durchsetzt", sagte der Minister.

Nach massiven russischen Luftschlägen mit vielen getöteten ukrainischen Zivilisten - wie zuletzt am Freitag in Krywyj Rih, wo 16 Menschen bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Einkaufszentrum starben und rund 130 weitere verletzt wurden - fordert die Ukraine vor allem mehr westliche Hilfe bei der Flugabwehr.

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23. August, 7.22 Uhr: Putin und Medwedew siegessicher

Auf einem Parteitag der regierenden Kremlpartei Geeintes Russland am Samstag zeigten sich Wladimir Putin (73) und sein politischer Ziehsohn Dmitri Medwedew (60) siegessicher im Ukraine-Krieg.

"Russland wird sich immer mehr Gebiete zurückholen. Unsere tapfere Armee bestätigt das stets aufs Neue", sagte Parteichef Medwedew, der auch Vizechef des nationalen Sicherheitsrates ist. Die Ukraine bezeichnete er als ein verschwindendes "Phantom-Land", das schon jetzt 20 Prozent seines Gebiets verloren habe. Trotz massiver Verluste konnte das russische Militär in der Ukraine allerdings seit vielen Monaten keine großen Gebietsgewinne melden.

Das Land bewege sich trotz beispiellosen Drucks von außen auf den Sieg zu, meinte der frühere Präsident Medwedew weiter. Es werde auch dem Westen nicht gelingen, Russland zu zerschlagen.

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Sind siegessicher: Russlands Präsident Wladimir Putin (73, l.) und sein politischer Ziehsohn Dmitri Medwedew (60).  © Alexey Nikolsky/Kremlin/dpa, Ekaterina Shtukina/Pool Sputnik/dpa

23. August, 7.17 Uhr: Ukraine braucht Patriots - Wadephul will sich kümmern

Außenminister Johann Wadephul (63, CDU) betonte bei seinem Besuch in Kiew, dass er schon nächste Woche weiter versuchen werde, Bündnispartner zur Abgabe von Patriots zu bewegen.

"Die Dringlichkeit, die Ukraine mit weiteren Luftverteidigungssystemen zu unterstützen, wird hier noch einmal deutlich", sagte er.

Zu den möglichen Lieferanten zählen Griechenland, Italien, Japan und Südkorea. Die Bundeswehr hat schon fünf Systeme an die Ukraine abgegeben und sieht eigentlich keine Möglichkeit mehr, aus ihren eigenen Beständen zu liefern. Die Bundeswehr habe alles mobilisiert, was möglich war, und sei an ihre Reserven herangegangen, sagte Wadephul. Er regte aber an, dass Verteidigungsminister Boris Pistorius (66, SPD) die Bestände noch einmal prüft. 

22. August, 18.59 Uhr: "Büchse der Pandora" geöffnet - Putin droht Kiew mit Schlag

Kremlchef Wladimir Putin hat nach den massiven ukrainischen Angriffen auf Ölraffinerien und Logistikzentren in Russland Kiew mit einer harten Antwort Moskaus gedroht

Die Ukraine habe mit den gegen Russlands Wirtschaft gerichteten Attacken die "Büchse der Pandora" geöffnet - also ein Quell des Unheils -, sagte Putin in seinem ersten Interview mit dem Moskauer Staatsfernsehen seit Beginn der Angriffe vor einigen Wochen. Kiew habe nun selbst den "Geist aus der Flasche" gelassen.

"Die Gegenmaßnahmen werden nicht lange auf sich warten lassen. Die bekommt ihr", sagt er an die Adresse Kiews. Ultranationalistische Kreise in Russland hatten Putin zuletzt aufgefordert, härter gegen die Ukraine vorzugehen. Nun sagte er: "Dabei werden die Handlungen der russischen Armee noch deutlich spürbarer und zerstörerischer ausfallen." Die Ukraine habe diese Reaktion selbst provoziert, behauptete Putin, der selbst vor viereinhalb Jahren seinen Angriffskriegskrieg gegen das Nachbarland begonnen hatte.

Der russische Präsident Wladimir Putin (73, r.) spricht während seines Interviews mit dem russischen Journalisten Pawel Sarubin im Kreml.  © Mikhail Metzel/Pool Sputnik Kremlin via AP/dpa

22. August, 15.27 Uhr: Kiew schlägt zurück - drei Tote in Russland

Bei ukrainischen Drohnenschlägen gegen Ziele im Süden Russlands sind mindestens drei Zivilisten getötet und mehrere Menschen verletzt worden.

In Jeisk im Gebiet Krasnodar wurden bei einem Angriff auf zivile Infrastruktur und Wohnhäuser zwei Kinder getötet, wie Gouverneur Weniamin Kondratjew mitteilte. Zwei Erwachsene seien verletzt worden. Der ukrainische Generalstab teilte mit, dass dort ein Kraftstofflager Ziel der Angriffe gewesen sei.

Im Gebiet Samara meldeten die Behörden einen Toten nach einem Drohnenangriff. Dort waren eine Ölraffinerie und der zweitgrößte russische Online-Versandhändler Ozon Ziele der Angriffe Kiews. Es gab mehrere Verletzte.

Bei einem ukrainischen Gegenschlag sind in Russland mindestens drei Menschen verstorben. (Archivbild)  © --/dpa

22. August, 13.36 Uhr: Tote im Gebiet Saporischschja nach russischen Luftangriffen

Infolge russischer Angriffe sind im Südosten der Ukraine mindestens drei Menschen getötet worden.

Zudem seien 15 Menschen bei den Angriffen vor allem auf das Umland der Großstadt Saporischschja verletzt worden, teilte der Militärgouverneur des gleichnamigen Gebiets, Iwan Fedorow, bei Telegram mit. Es habe Angriffe mit ballistischen Raketen, Drohnen und Gleitbomben unter anderem auf Lagergebäude gegeben.

Neuerliche Angriffe der Russen forderten im Gebiet Saporischschja mindestens drei Menschenleben. (Archivbild)  © Evgeniy Maloletka/AP/dpa

22. August, 9.18 Uhr: Ukraine attackiert erstmals russischen Versandhändler Ozon

Nach Berichten ukrainischer Medien griff Kiew erneut im Gebiet Samara eine große Ölraffinerie an – und erstmals auch ein Lager des russischen Online-Versandhändlers Ozon.

Das Unternehmen bestätigte einen Angriff auf sein Logistikzentrum im Gebiet Samara. Das Lager sei in Brand geraten, es seien 500 Mitarbeiter in Sicherheit gebracht worden; es gebe aber auch Verletzte, teilte Ozon am Samstagmorgen mit. Für Mitarbeiter und Angehörige sei ein Notruftelefon eingerichtet worden.

22. August, 9.05 Uhr: Wadephul versichert bei Besuch, dass Kiew gewinnen wird

Kurz vor dem 35. Unabhängigkeitstag der Ukraine ist Außenminister Johann Wadephul (63, CDU) zum vierten Mal seit seinem Amtsantritt in Kiew eingetroffen, um dem Land die anhaltende Unterstützung Deutschlands im Abwehrkampf gegen Russland zu versichern.

"Wir stehen an der Seite der Ukraine. Wir unterstützen sie. Sie wird diese militärische Auseinandersetzung gewinnen", sagte der CDU-Politiker nach seiner Ankunft mit einem Sonderzug in Kiew. 

Er verwies darauf, dass die Ukraine in den Sommermonaten "auf das Härteste" von Russland angegriffen wurde. Wadephul warf Moskau "wahllosen Mord an Zivilisten" sowie gezielte Zerstörung der Energieinfrastruktur vor. Russland wolle die Lebensgrundlage der Menschen in der Ukraine zerstören und so ihren Durchhaltewillen brechen. Der Außenminister sicherte auch schon mit Blick auf den Winter, in dem verstärkte Angriffe auf die Energieinfrastruktur erwartet werden, weitere Hilfe zu.

"Dass die Ukraine mit internationaler Unterstützung den längeren Atem hat und dass eine Fortführung des Krieges Russland nur weiter in den wirtschaftlichen Ruin führt, wird immer mehr Menschen in Russland klar", sagte der Außenminister. "Die immer wirrere Propaganda und immer totalitärere Unterdrückung im Inneren ist auch ein Zeichen der Schwäche des Regimes." 

Zum vierten Mal seit seinem Amtsantritt besuchte Außenminister Johann Wadephul (63, CDU) die ukrainische Hauptstadt Kiew.  © Michael Fischer/dpa

21. August, 22.08 Uhr: Viele Tote bei Angriff auf ukrainisches Einkaufszentrum

Bei russischen Drohnenangriffen sind in der südostukrainischen Großstadt Krywyj Rih mindestens 15 Menschen in einem belebten Einkaufszentrum getötet worden.

Das berichtete der Militärgouverneur des Gebiets Dnipropetrowsk, Olexander Hanscha, auf der Nachrichtenplattform Telegram. Die Zahl der Verletzten habe sich bis zum Abend auf 130 erhöht, unter ihnen 23 Kinder, teilte Hanscha mit. 29 Personen hätten schwerste Verletzungen erlitten, unter ihnen fünf Kinder.

Präsident Wolodymyr Selenskyj (48) sprach in einem Beitrag auf Facebook von einem "absolut zynischen und hinterhältigen Angriff auf ein gewöhnliches Einkaufszentrum". Nach seinen Angaben griffen die Drohnen in zwei Wellen an. "Eine halbe Stunde nach dem ersten Treffer und dem Ausbruch eines Brandes folgte ein erneuter Angriff auf die Rettungskräfte", berichtete er.

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