Ukraine-Krieg: Russischer Politiker droht Kiew mit Massenvernichtungswaffen
Ukraine - Nach dem massiven russischen Angriff steigt die Zahl der Verletzten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew weiter.
Es seien 87 Menschen verletzt worden, darunter drei Minderjährige, schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in sozialen Medien. In Krankenhäuser seien 21 Personen gebracht worden.
Die Aufräumarbeiten dauern demnach an. Er sprach von rund 300 beschädigten Objekten, ein Großteil davon seien Wohnhäuser. Selenskyj forderte Druck auf Russland. In der Ukraine müsse die Flugabwehr verstärkt werden.
Russland hatte nach Angaben der ukrainischen Luftstreitkräfte bei dem kombinierten Angriff 600 Drohnen und 90 Raketen und Marschflugkörper eingesetzt. Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte den Einsatz der wegen ihrer Zerstörungskraft besonders gefürchteten neuen Mittelstreckenrakete vom Typ Oreschnik.
Neben Dutzenden Verletzen gab es nach ukrainischen Angaben auch mindestens zwei Tote in Kiew.
Alle relevanten Informationen zum Geschehen in der Ukraine und Russland gibt es hier im TAG24-Newsticker.
26. Mai, 14.45 Uhr: Russischer Politiker droht Kiew mit Massenvernichtungswaffen
Der Chef des russischen Parlaments, Wjatscheslaw Wolodin, hat den Einsatz von Massenvernichtungswaffen gegen die Ukraine angedroht im Fall von Angriffen gegen die Zivilbevölkerung in Russland. "Das alles kann dazu führen, dass wir die Waffe einsetzen, die von niemandem mehr eine Spur übrig lässt", sagte Wolodin einer Pressemitteilung des Parlaments, der Staatsduma, zufolge. Er warnte davor, es so weit kommen zu lassen.
Auslöser der neuen Drohung ist ein Drohnenangriff auf ein Wohnheim in Starobilsk im von Russland besetzten Gebiet Luhansk. Den Angaben der Besatzungsbehörden zufolge kamen bei der Attacke in der vergangenen Woche 21 Zivilisten ums Leben. Der Generalstab in Kiew wiederum teilte mit, der Angriff habe einer Drohneneinheit des russischen Militärs gegolten.
Russlands Präsident Wladimir Putin hatte nach der Attacke Vergeltung angeordnet. Am Sonntag setzte das russische Militär dann bei einem Großangriff auf die Ukraine unter anderem auch die neue und wegen ihrer Zerstörungskraft besonders gefürchtete Mittelstreckenrakete des Typs Oreschnik ein. Insbesondere die Hauptstadt Kiew wurde dabei schwer getroffen.
Weitere Schläge gegen Kiew sollen nach Angaben aus dem russischen Außenministerium folgen. Moskau führt auch hier zur Begründung Vergeltung für den Tod von Zivilisten in Starobilsk an.
26. Mai, 14.29 Uhr: Nach Angriffsdrohungen: EU beruft russischen Vertreter ein
Nach dem russischen Aufruf an ausländische Staatsbürger und Diplomaten, Kiew zu verlassen, hat die EU den derzeit ranghöchsten Vertreter Russlands bei der EU einberufen. Die Aufforderung stelle "eine inakzeptable Eskalation" dar, schrieb eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragen Kaja Kallas auf der Plattform X. Die EU erhalte ihre diplomatische Präsenz und ihre Arbeit in Kiew aufrecht, bestätigte sie bei einer Pressekonferenz.
Nach dem massiven Angriff auf die ukrainische Hauptstadt am Wochenende unter Einsatz der neuen Mittelstreckenrakete vom Typ Oreschnik hatte Moskau am Montag mit einer neuen schweren Attacke gedroht. Das russische Außenministerium rief ausländische Diplomaten dazu auf, Kiew schnellstmöglich zu verlassen.
Die Sprecherin des Auswärtigen Dienstes der EU sagte, das Vorgehen zeige erneut, dass Russland absolut nicht an Frieden interessiert sei und sämtliche Bemühungen um Friedensverhandlungen missachte. Die Angriffe seien leider tägliche Realität für die Ukraine, für Kiew und seine Bürgerinnen und Bürger. Tatsächlich sei unter anderem auch die EU-Vertretung vor Ort getroffen worden. Die Sprecherin betonte, dass jegliche vorsätzlichen Angriffe auf Zivilisten und nichtmilitärische Ziele Kriegsverbrechen darstellten.
26. Mai, 12.12 Uhr: "Russland merkt, die Ukraine ist nicht zu besiegen"
Angesichts der schweren Angriffe auf Kiew am Wochenende spricht Sigmar Gabriel (66), Vorsitzender der Atlantik-Brücke, im Interview bei phoenix davon, dass "Russland merkt, die Ukraine ist nicht zu besiegen."
Er glaube, dass diesbezüglich "inzwischen in Russland auch Bewegung hinein kommt." Die vielen heimkehrenden, verwundeten Soldaten blieben in Russland nicht unbemerkt, weswegen der Widerstand in der Bevölkerung wachse - auch aufgrund des wirtschaftlichen Drucks. "Ob das jetzt schnell dazu führt, dass Russland wirklich ernsthaft bereit ist diesen Krieg zu beenden, das weiß ich nicht. Das ist immer ein Problem mit Diktatoren, die solche Kriege anfangen. Wenn sie die dann nicht gewinnen, dann stehen sie selbst zur Disposition und deswegen treiben sie ihr Land weiter in diesen Krieg hinein.
"Allerdings, so der ehemalige Bundesvorsitzende der SPD weiter, habe er "schon die Hoffnung, dass die Situation für die Ukraine und auch für den Westen, der die Ukraine unterstützt, besser wird und Russland am Ende in die Knie gezwungen wird." Er gehe dabei nicht davon aus, "dass Russland jetzt als Land untergeht oder den Krieg verliert, aber dass es merkt, dass es nichts zu gewinnen hat in der Ukraine, sondern ganz viel zu verlieren."
26. Mai, 11.31 Uhr: Putin will mit Schuldenerlass neue Soldaten werben
Der Kreml will mit neuen finanziellen Anreizen weitere Kämpfer für seinen Krieg in der Ukraine anwerben.
"Die Teilnehmer der militärischen Spezialoperation und ihre Ehepartner sind von Zahlungsverpflichtungen wegen überfälliger Kredite bis zu einer Summe von zehn Millionen Rubel (umgerechnet knapp 120.000 Euro) befreit", teilte der Kreml in seinem Telegramkanal mit. Ein entsprechendes Dekret hat Präsident Wladimir Putin unterzeichnet.
Die Regelung gilt demnach für Rekruten, die sich seit dem 1. Mai 2026 für mindestens ein Jahr zum Kriegsdienst in der Ukraine verpflichtet haben. Voraussetzung ist zudem, dass die Zahlungsverpflichtung schon vorher bestanden hat – also nicht neu Schulden aufgenommen wurden.
Ziel der Regelung ist es, den offenbar ins Stocken geratenen Prozess der Anwerbung neuer Soldaten wieder in Gang zu setzen. Russland hat etwa 700.000 Soldaten im Kriegsgebiet stationiert. Allerdings sind die Verluste hoch – monatlich sollen die Ausfallraten bei mehr als 30.000 Mann liegen. Die russischen Regionen zahlen bereits hohe Summen, um Soldaten anzuwerben. Zuletzt startete das Militär eine Kampagne an den Universitäten, um Studenten für den Angriffskrieg zu rekrutieren.
26. Mai, 08.08 Uhr: Toter und Verletzte nach russischen Luftschlägen
Bei schweren russischen Angriffen aus der Luft ist ukrainischen Behördenangaben nach im Osten des Landes mindestens 1 Mensch getötet worden, 15 weitere wurden verletzt.
In der Hafenstadt Odessa sei ein Infrastrukturobjekt durch Beschuss zerstört worden, teilte Gouverneur Serhij Lyssak auf Telegram mit. Von den vier Verletzten sei einer seinen Wunden erlegen, schrieb er später.
In der Stadt Kramatorsk im Gebiet Donezk wurden derweil durch den Abwurf gelenkter Gleitbomben am Abend zwölf Personen verletzt. "Unter den Verletzten ist ein achtjähriger Junge", schrieb der ukrainische Gouverneur der Region Wadym Filaschkin auf Telegram. Laut den örtlichen Behörden war es bereits der dritte schwere Angriff auf die Stadt im Tagesverlauf.
25. Mai, 11.48 Uhr: Vier Tote in ostukrainischer Stadt
Im ostukrainischen Horliwka im Gebiet Donezk sind nach Angaben der russischen Besatzungsverwaltung vier Menschen bei einem ukrainischen Angriff getötet worden.
Darunter seien zwei Jugendliche, meldeten russische Agenturen unter Berufung auf die von Moskau eingesetzte Besatzungsverwaltung, ohne Details zu nennen. Zuvor hatte diese demnach von sechs Verletzten nach einem Drohnenangriff gesprochen.
25. Mai, 11.38 Uhr: Ukrainischer Tennisstar bangt nach Angriff um Familie
Eine ukrainische Tennisspielerin hat nach ihrem Match emotional reagiert. Kurz vor ihrem Match bei den French Open hatte Marta Kostyuk (23) von dem russischen Angriff erfahren.
Das Fatale: Nur hundert Meter von ihrem Elternhaus war eine Rakete eingeschlagen. "An diesem Morgen hat hundert Meter von meinem Elternhaus entfernt eine Rakete ein Gebäude zerstört", erzählte die Ukrainerin noch auf dem Court.
Mehrmals brach die Sportlerin in Tränen aus, musste zwischenzeitlich sogar abbrechen. Trotz der schwierigen Umstände zog Kostyuk durch und setzte sich gegen ihre russische Konkurrentin Oksana Selekhmeteva (23) durch.
Titelfoto: -/AP/dpa
