Ukraine-Krieg, Tag 105: Russland kontrolliert Großteil von Sjewjerodonezk

Ukraine - Seit 105 Tagen führt Russland inzwischen Krieg gegen die Ukraine. Im Donbass gibt es weiterhin Straßenkämpfe. Alle aktuellen Entwicklungen findet Ihr hier im TAG24-Liveticker.

Der Blick auf ein beschädigtes Wohngebiet in der Stadt Borodjanka. Die Kampfhandlungen in der Ukraine setzen sich fort.
Der Blick auf ein beschädigtes Wohngebiet in der Stadt Borodjanka. Die Kampfhandlungen in der Ukraine setzen sich fort.  © Sergei Chuzavkov/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa

Die erbitterten Kämpfe in der Ostukraine gehen weiter. Trotz ihrer Überlegenheit haben die russischen Truppen nach Darstellung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (44) bisher keinen Durchbruch erzielt.

"Die Situation an der Front hat in den letzten 24 Stunden keine wesentlichen Änderungen erfahren", sagte der 44-Jährige in seiner abendlichen Videobotschaft am Dienstag.

"Die äußerst heldenhafte Verteidigung des Donbass wird fortgesetzt." Selenskyj nannte die Städte Sjewjerodonezk, Lyssytschansk und Popasna als Schwerpunkte. "Es ist zu spüren, dass die Besatzer nicht geglaubt haben, dass der Widerstand so stark sein wird", erklärte der Präsident.

Ukraine-Präsident in Berlin: Das sagte Selenskyj im Bundestag
Ukraine Ukraine-Präsident in Berlin: Das sagte Selenskyj im Bundestag

Die wichtigsten Geschehnisse des gestrigen Tages könnt Ihr im TAG24-Ticker vom Dienstag nachlesen. Alle Entwicklungen im Zuge des Krieges in der Ukraine am heutigen Mittwoch (8. Juni) gibt es wie gewohnt hier in unserem Liveticker.

22.10 Uhr: Russland kontrolliert laut Gouverneur Großteil der Stadt Sjewjerodonezk

Nach schweren Kämpfen um das ostukrainische Sjewjerodonezk kontrolliert die russische Armee nach ukrainischen Angaben nun den größten Teil der strategisch wichtigen Stadt.

Das teilte der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Hajdaj, am Mittwoch in seinem Telegramkanal mit. Das Industriegebiet der Stadt werde aber noch von ukrainischen Kräften gehalten - ebenso wie das benachbarte Lyssytschansk, teilte Hajdaj mit. Dort gebe es durch russischen Beschuss jedoch enorme Zerstörungen in Wohngebieten.

"Was das Industriegebiet (von Sjewjerodonezk) anbelangt: Dort halten sich unsere Verteidiger. Aber die Kämpfe gehen nicht nur in der Industriezone weiter - die Kämpfe finden eben in der Stadt statt", betonte Hajdaj. Die Lage im Industriegebiet sei jedoch nicht wie in der Stadt Mariupol, wo die Kämpfe direkt im Azovstal-Werk stattgefunden hatten.

Der Gouverneur hatte bereits am Montag eingeräumt, dass sich die ukrainischen Truppen in das Industriegebiet zurückgezogen haben. "Stand heute besteht keine Gefahr der Einkesselung. Es ist eine schwierige Lage, die aber komplett unter Kontrolle unserer Verteidiger ist", meinte Hajdaj am Mittwoch. "Zum heutigen Tag sind leider über 90 Prozent des Luhansker Gebiets von Russland besetzt."

Die Chemiefabrik "Asot" in Sjewjerodonezk: In den Bunkern sollen sich 800 Zivilisten aufhalten, darunter 200 Fabriksarbeiter.
Die Chemiefabrik "Asot" in Sjewjerodonezk: In den Bunkern sollen sich 800 Zivilisten aufhalten, darunter 200 Fabriksarbeiter.  © Unbekannt/GROUPDF/APA/dpa

21.36 Uhr: UN: Wegen Ukraine-Krieg größte Kostensteigerung seit einer Generation

Russlands Krieg in der Ukraine hat den UN zufolge zusammen mit anderen Krisen zu den größten Kostensteigerungen seit einer Generation geführt.

"Für Menschen auf der ganzen Welt droht der Krieg in der Ukraine eine beispiellose Welle von Hunger und Elend auszulösen und ein soziales und wirtschaftliches Chaos zu hinterlassen", teilten die Vereinten Nationen am Mittwoch mit und sprachen von 1,6 Milliarden Menschen weltweit, die von der vielschichtigen Krise aus Krieg, Covid-19 und Klimawandel betroffen seien.

Weltweit würden mehr Menschen hungern, die Kosten von Energieträgern stiegen drastisch an, während die Einnahmen bei einer Vielzahl von Arbeiterinnen und Arbeitern zurückgegangen seien. Die Zahl der Menschen, die von mangelhafter Versorgung mit Nahrungsmitteln betroffen seien, habe sich in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt, sagte UN-Generalsekretär António Guterres. "Es gibt nur einen Weg, diesen aufziehenden Sturm zu stoppen: Die russische Invasion in der Ukraine muss beendet werden."

20.57 Uhr: Ukraine und Russland tauschen weitere Leichen von Soldaten aus

Die Ukraine und Russland haben nach Behördenangaben aus Kiew der jeweils anderen Seite die Leichen von 50 Soldaten übergeben.

Unter den getöteten Ukrainern seien 37 "Helden", die sich an der Verteidigung des Azovstal-Werks beteiligt hätten, teilte das ukrainische Ministerium für die Wiedereingliederung der vorübergehend besetzten Gebiete am Mittwoch in Kiew mit. Die Kämpfer hatten im Stahlwerk Azovstal in Mariupol die Stellung gehalten, bis Kiew die Stadt im Mai aufgab.

Der Austausch fand nach ukrainischen Angaben entlang der Frontlinie im Gebiet Saporischschja im Süden des Landes statt. An der Aktion seien ukrainische Geheimdienste und der Generalstab der Streitkräfte sowie weitere Sicherheitsstrukturen beteiligt gewesen, hieß es.

20.04 Uhr: Gesundheitsminister Lauterbach reist Donnerstag in die Ukraine

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach bricht am Donnerstag zu einer Reise in die Ukraine auf. Das kündigte der SPD-Politiker am Mittwoch bei einem von der "Rheinischen Post" veranstalteten Ärzte-Netzwerktreffen in Düsseldorf an.

Er werde sich dort mit dem ukrainischen Gesundheitsminister treffen. Ihm gehe es unter anderem darum, wie verletzte Menschen besser versorgt werden könnten. Er wolle herausfinden, wie Menschen, die im Krieg Beine oder Arme verloren hätten, besser mit Prothesen ausgestattet werden könnten, sagte Lauterbach.

Besonders gehe es auch um verletzte Kinder. Lauterbach nannte den russischen Krieg gegen die Ukraine einen "barbarischen, vernichtenden und ungerechten Angriffskrieg". Er betonte: "Das ist ohne Zivilisation und muss verurteilt werden in jeder Form."

Karl Lauterbach wird am Donnerstag in die Ukraine reisen.
Karl Lauterbach wird am Donnerstag in die Ukraine reisen.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

18.52 Uhr: Russland bleibt im Arktischen Rat wegen Ukraine-Krieg isoliert

Wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine bleibt Russland im Arktischen Rat isoliert.

"Wir beabsichtigen eine begrenzte Wiederaufnahme unserer Arbeit im Arktischen Rat in Projekten, die keine Beteiligung der Russischen Föderation beinhalten", teilten die restlichen Mitglieder Schweden, Dänemark, Finnland, Island, Kanada, Norwegen und die USA am Mittwoch mit. Anfang März hatten die Regierungen der Länder mitgeteilt, dass sie ihre Teilnahme an Aktivitäten des Rats aussetzen.

Russland hält derzeit den Vorsitz im Arktischen Rat. Das Gremium gilt als wichtigstes Forum zur Zusammenarbeit in der Region rund um den Nordpol. Deutschland hat einen Beobachterstatus.

17.19 Uhr: Laut US-Diplomatin war der Ukraine-Krieg Deutschlands 11. September

Eine US-Topdiplomatin hat die politischen Folgen des Ukraine-Kriegs für Deutschland mit denen der Anschläge vom 11. September 2001 für die USA verglichen.

"Das war sicherlich Deutschlands 9/11", sagte die Top-Diplomatin des US-Außenministeriums für Europa, Karen Donfried, am Mittwoch vor Journalisten in Washington. Sie verwies auf die "Zeitenwende"-Rede von Bundeskanzler Olaf Scholz nach Kriegsbeginn, bei der er unter anderem mit der Regel gebrochen habe, dass Deutschland keine Waffen in Konfliktgebiete liefert.

Donfried begrüßte auch die Steigerung der Verteidigungsausgaben durch die Bundesregierung.

Karen Donfried arbeitet als US-Spitzendiplomatin für Europa und Eurasien.
Karen Donfried arbeitet als US-Spitzendiplomatin für Europa und Eurasien.  © Hannibal Hanschke/Reuters Pool/dpa

16.48 Uhr: Polens Grenzschutz zählt 3,9 Millionen Einreisen aus der Ukraine

Seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine hat der polnische Grenzschutz 3,9 Millionen Einreisen aus dem Nachbarland registriert.

Am Dienstag kamen 22.100 Menschen über die Grenze nach Polen, wie die Behörde am Mittwoch per Twitter mitteilte. In die umgekehrte Richtung überquerten am Dienstag 21.300 Menschen die Grenze aus Polen in die Ukraine. Insgesamt sind seit Kriegsbeginn am 24. Februar rund 1,92 Millionen von Polen aus in die Ukraine eingereist. Dabei handelte es sich nach Angaben der Behörden zum Großteil um ukrainische Staatsbürger.

Sie reisen meist in Gebiete, die die ukrainische Armee zurückerobert hat. Es gibt keine offiziellen Angaben, wie viele der Kriegsflüchtlinge in Polen geblieben und wie viele in andere EU-Staaten weitergereist sind. Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki sagte kürzlich, sein Land habe mehr als zwei Millionen Ukraine-Flüchtlinge aufgenommen.

14.41 Uhr: G7-Gespräche mit ukrainischem Wissenschaftsminister

Beim Treffen der G7-Wissenschaftsminister in der kommenden Woche in Frankfurt am Main wird auch der ukrainische Ressortchef Serhij Schkarlet zugeschaltet.

Er werde virtuell an den Gesprächen seiner Amtskollegen teilnehmen, kündigte ein Sprecher des Bundesbildungsministeriums am Mittwoch in Berlin an. Wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine seien Fragen wie die Sicherheit und Integrität der Wissenschaftsgemeinschaft in den Fokus gerückt.

Im Rahmen der deutschen G7-Präsidentschaft hatte Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) ihre Amtskollegen aus Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und den USA eingeladen. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem die Forschung zur Bekämpfung des Klimawandels und zu den Folgen von Corona-Erkrankungen.

12.55 Uhr: Ukraine lehnt Minen-Räumung vor Hafen von Odessa ab

Aus Angst vor russischen Angriffen ist die Ukraine nach eigenen Angaben nicht dazu bereit, den Hafen von Odessa von Minen zu befreien, um den Export von Getreide zu ermöglichen.

"Sobald die Zufahrt zum Hafen von Odessa von Minen geräumt wird, wird die russische Flotte dort sein", sagte der Sprecher der Regionalverwaltung von Odessa, Serhij Bratschuk, in einer Videobotschaft im Online-Dienst Telegram.

12.50 Uhr: Olaf Scholz spricht mit Wolodymyr Selenskyj über weitere Unterstützung für Ukraine

Bundeskanzler Olaf Scholz (63, SPD) hat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (44) über weitere deutsche Unterstützung für die Ukraine gesprochen.

In einem Telefonat am Mittwoch sei es zudem darum gegangen, wie Getreideexporte aus der Ukraine auf dem Seeweg ermöglicht werden könnten, teilte Regierungssprecher Steffen Hebestreit (50) mit. Die russische Blockade ukrainischer Häfen hat zu einem Stopp dieser Exporte geführt, die zu steigenden Lebensmittelpreisen führt und die Ernährungskrise in vielen armen Ländern vor allem in Afrika verschärft.

Scholz unterrichtete Selenskyj auch über sein Telefonat mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron (44) und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin (69) vor zwei Wochen.

Bundeskanzler Olaf Scholz (63, SPD) hat am Mittwoch mit Wolodymyr Selenskyj (44) telefoniert.
Bundeskanzler Olaf Scholz (63, SPD) hat am Mittwoch mit Wolodymyr Selenskyj (44) telefoniert.  © Michael Kappeler/dpa

11.33 Uhr: Moskau meldet hohe Verluste für ukrainisches Militär im Donbass

Die ukrainischen Streitkräfte verzeichnen nach russischen Angaben hohe Verluste bei den Kämpfen um die Region Donbass im Osten des Landes.

Allein bei Gefechten um die Stadt Swjatohirsk habe die Ukraine innerhalb von drei Tagen mehr als 300 Kämpfer verloren, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Mittwoch in Moskau. Zudem seien 15 Kampffahrzeuge und 36 Waffensysteme zerstört worden. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Titelfoto: Unbekannt/GROUPDF/APA/dpa

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