Millionen lieben ihn als Superfood, doch hinter Lachs steckt ein schmutziges Problem

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Norwegen - Norwegens Fjorde ziehen jedes Jahr unzählige Touristen an. Mitten in den idyllischen Küstenlandschaften liegen tausende Lachsfarmen. Genau dort droht laut Forschern jetzt eine Umweltkatastrophe. Ein neuer Bericht schlägt Alarm: Die Farmen sollen die Küstengewässer inzwischen mit so vielen Stoffen belasten wie das ungeklärte Abwasser von einigen Millionen Menschen.

Lachs gilt als Superfood. Doch hinter der boomenden Zuchtindustrie in Norwegen stehen immer heftigere Vorwürfe wegen massiver Umweltbelastungen. (Symbolfoto)
Lachs gilt als Superfood. Doch hinter der boomenden Zuchtindustrie in Norwegen stehen immer heftigere Vorwürfe wegen massiver Umweltbelastungen. (Symbolfoto)  © Christian Charisius/dpa

Dem Bericht des Sunstone Institute zufolge wurden allein im Jahr 2025 rund 75.000 Tonnen Stickstoff, 13.000 Tonnen Phosphor und 360.000 Tonnen organischer Kohlenstoff in norwegische Gewässer eingeleitet.

Die Experten vergleichen diese Mengen mit den Abwässern ganzer Staaten. Besonders drastisch: Die Stickstoffbelastung entspreche den ungeklärten Abwässern von 17,2 Millionen Menschen, beim Phosphor sogar 20 Millionen Menschen.

"Fäkalien, Futterreste, Urin - alles gelangt ins Wasser", warnt Datenwissenschaftlerin Alexandra Pires Duro, Mitautorin der Untersuchung, wie The Guardian berichtet.

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Die riesigen Lachse werden in offenen Netzgehegen gehalten. Die Ausscheidungen gelangen direkt in die Fjorde.

Besonders kritisch: Die Nährstoffe fördern massive Algenblüten. Wenn diese absterben, verbrauchen sie beim Zersetzen enorme Mengen Sauerstoff - mit fatalen Folgen für das empfindliche Ökosystem der Fjorde.

Experten berichten bereits von sinkenden Sauerstoffwerten in bekannten Fjorden wie dem Sognefjord und dem Hardangerfjord.

Mitten in Norwegens idyllischen Fjorden liegen Tausende Netzgehege für Zuchtlachs. Umweltforscher warnen vor massiven Folgen für die empfindlichen Meeresökosysteme. (Symbolfoto)
Mitten in Norwegens idyllischen Fjorden liegen Tausende Netzgehege für Zuchtlachs. Umweltforscher warnen vor massiven Folgen für die empfindlichen Meeresökosysteme. (Symbolfoto)  © JONATHAN NACKSTRAND / AFP

Fischindustrie weist die Vorwürfe zurück

Im Hardangerfjord gingen die Behörden inzwischen sogar so weit, neun neue Anträge für Fischfarmen abzulehnen. Grund: Die zusätzliche Belastung sei nicht mehr vertretbar. Umweltberater Tom Pedersen bezeichnete die neuen Zahlen sogar als "eher konservativ gerechnet".

Die norwegische Fischindustrie weist die Vorwürfe zurück. Der Branchenverband erklärt, die aktuelle Produktion bewege sich "innerhalb der Belastungsgrenzen der Natur". Gleichzeitig betont die Branche, man arbeite daran, den ökologischen Fußabdruck weiter zu verkleinern.

Kritiker sehen dennoch eine tickende Zeitbombe. Denn der weltweite Hunger auf norwegischen Zuchtlachs wächst weiter und mit ihm die Sorge, dass die ikonischen Fjorde des Landes langfristig zerstört werden könnten.

Titelfoto: Christian Charisius/dpa

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