Schnellzüge entgleisen bei Tempo 300: Mindestens 39 Tote, mehrere Schwerverletzte
Von Benjamin Richter, Emilio Rappold
Adamuz (Spanien) - Bei einem schweren Zugunglück in Andalusien im Süden Spaniens sind am Sonntagabend mindestens 39 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Todesopfern ist den amtlichen Angaben zufolge einer der Lokführer.
Weitere 15 Passagiere seien schwer verletzt worden, sagte Regionalpräsident Juanma Moreno (55) am Montag. Er schloss nicht aus, dass in den "Trümmerhaufen aus Metall" weitere Leichen liegen könnten.
Am frühen Morgen lagen nach amtlichen Angaben insgesamt mehr als 70 Verletzte in sechs Krankenhäusern. Einige seien noch in der Nacht einer Notoperation unterzogen worden.
Die Tragödie hatte sich am Sonntag gegen 19.40 Uhr ereignet. Ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug der italienischen Gesellschaft Trenitalia entgleiste nahe der Gemeinde Adamuz in der Provinz Córdoba - mutmaßlich mit Tempo 300 und geriet dann laut Bahngesellschaft Renfe in das benachbarte Gleis.
Ein entgegenkommender Hochgeschwindigkeitszug der spanischen Gesellschaft Renfe sei daraufhin ebenfalls entgleist.
"Der Aufprall war so heftig, dass die beiden vorderen Wagen des Renfe-Zuges infolgedessen aus den Gleisen geschleudert wurden", meinte Verkehrsminister Óscar Puente. Diese Waggons stürzten eine vier Meter hohe Böschung hinunter und wurden weitgehend zerstört.
Ursache für tragisches Zugunglück in Spanien bisher unklar
Zahlreiche Passagiere waren nach dem Unfall noch stundenlang in den Zügen eingeschlossen. Einsatzkräfte versuchten, die Fahrgäste so schnell wie möglich aus den Waggons zu befreien.
"Die Regierung arbeitet gemeinsam mit den zuständigen Behörden und den Rettungsdiensten daran, den Fahrgästen zu helfen", schrieb der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez (53) auf X.
Eine junge Frau, die selbst in dem verunglückten Zug saß, beschrieb den Vorfall unter Tränen: "Es gab eine Vollbremsung, es wurde stockdunkel. Ich fiel kopfüber aus dem Sitz. Menschen und Gepäck flogen durch die Luft, es gab Schreie, weinende Kinder, Blut. Ich fühle mich, als wäre ich neu geboren."
Die Ursache des Unfalls blieb zunächst unklar - die Tragödie gibt Rätsel auf. "Das ist schon ein extrem ungewöhnlicher Unfall", sagte Minister Puente.
"Gerade Strecke, ein ziemlich neuer Zug, ein erst jüngst mit einer Investition von 700 Millionen Euro renovierter Streckenteil." Man müsse nun das Ergebnis der Ermittlungen abwarten.
Mehrere von Medien befragte Experten zeigten sich genauso erstaunt. Das Sicherheitssystem hätte einen solchen Unfall eigentlich verhindern müssen, ohne dass der Lokführer eingreift, meinte etwa Ingenieur Jorge Trigueros.
In ganz Spanien, vor allem aber in Galicien wurden Erinnerungen an ein schlimmes Unglück vom 24. Juli 2013 wach. Ein Zug entgleiste damals in Angrois wenige Kilometer vor Santiago de Compostela mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit an einer Kurve. 80 Menschen kamen ums Leben.
Erstmeldung am 18. Januar um 21.59 Uhr; zuletzt aktualisiert am 19. Januar um 7.42 Uhr
Titelfoto: Montage: Francisco J. Olmo/EUROPA PRESS/dpa, Carlos Luján/EUROPA PRESS/dpa

