Todesdrama auf Baustelle: Feuerwehr findet mehrere Leichen in Aufzug
Von Katharina Redanz, Ann-Kristin Wenzel, Michael Brandt und Niklas Treppner
Brüssel (Belgien) - Es ist ein Horrorfund, den Brüsseler Feuerwehrleute am Dienstagmittag machen: Mehrere Menschen liegen leblos in einem abgestürzten Aufzug.
Das Gebäude mitten in der Innenstadt der belgischen Hauptstadt wird gerade umgebaut. Stundenlang können die Einsatzkräfte nicht zu ihnen vordringen. Am Abend dann ist klar: Sechs Menschen sind gestorben.
Wie genau es dazu kam, ist unklar, wie eine Mitarbeiterin der Staatsanwaltschaft vor Ort sagt. Es habe ein Feuer gegeben, und zwei Aufzüge seien mehrere Stockwerke nach unten gestürzt. Dazu werde nun ermittelt. Zudem müssten die Toten identifiziert werden. Eine Obduktion soll Hinweise geben, wie genau sie ums Leben kam.
Den zweiten Aufzug konnten die Helfer noch nicht öffnen. Man hoffe, dass es darin keinen weiteren Toten gebe, sagt die Frau.
Der Einsatz hatte harmlos begonnen. Die Feuerwehr wird am Morgen zu einem vermeintlich kleinen Feuer auf der zweiten Etage des Komplexes gerufen. Sie rückt aus, löscht das Feuer - und macht im Anschluss einen Kontrollrundgang durch die riesige Baustelle, erzählt ein Staatsanwalt. "Viele Orte waren extrem schwer zugänglich", berichtet er weiter.
Zeitgleich wird bekannt, dass 6 der rund 250 Arbeiter auf der Baustelle vermisst werden. Schließlich können sich die Einsatzkräfte zu einem Fahrstuhl vorkämpfen - und entdecken in der Kabine mehrere Leichen.
Unglück in Brüssel: König Philippe vor Ort
Zwei Arbeiter kommen zudem ins Krankenhaus, ebenso ein Feuerwehrmann, der im Einsatz einen Hitzschlag erleidet, wie ein Feuerwehrsprecher berichtet.
Am Nachmittag sind vor dem Gebäudekomplex abgekämpfte Feuerwehrkräfte zu beobachten, die verschwitzt zur Wasserflasche greifen. Mehr als 200 Arbeiter verschiedener Unternehmen seien von der Baustelle evakuiert worden, sagt eine Mitarbeiterin der Staatsanwaltschaft.
Während mit der Bergung der ersten Leichen begonnen wird, trifft neben Belgiens König Philippe (66) auch Regierungschef Bart De Wever (55) vor dem großflächig abgesperrten Gebäude ein. Sie danken Rettungskräften. Öffentlich äußern sie sich nicht. Auch einige Schaulustige sind vor Ort.
Brüssels Bürgermeister Philippe Close (55) spricht von einem Drama, das tief berühre. Sechs Menschen seien zur Arbeit gekommen und gestorben. Er verspricht Unterstützung für alle Betroffenen und dankt den Rettungskräften für ihren Einsatz. Sie seien sehr schnell vor Ort gewesen und hätten das Feuer schnell unter Kontrolle gebracht.
Man habe mit den Angehörigen sprechen können, sagt er am Abend. "Es ist eine äußerst schwierige Situation, denn sie sind hier und haben keine Nachrichten zu ihren Angehörigen." Mithilfe eines Opferhilfe-Teams seien nun DNA-Proben entnommen werden, um Gewissheit zu erlangen. Noch sei die nicht da.
Titelfoto: Bildmontage: Michael Brandt/dpa

