Drohende Schließung von Zwickauer VW-Werk: IG Metall schaltet in den Angriffsmodus
Von Jörg Schurig
Zwickau - Die IG Metall will deutlichen Widerstand gegen die drohende Schließung des Zwickauer VW-Werkes leisten.
"Die Proteste in dieser Woche waren erst der Anfang, wenn das Management in Wolfsburg tatsächlich das Werk in Zwickau dichtmachen möchte", sagte IG-Metall-Bezirksleiter Jan Otto. Man werde gemeinsam mit den Belegschaften jeden Standort verteidigen. Neben Zwickau ist VW mit dem Motorenwerk in Chemnitz und der Gläsernen Manufaktur in Dresden im Freistaat präsent.
"Die Leute sind sehr wütend, die Leute sind frustriert durch die Dauer des Konflikts. Ständig wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben (...)", sagte Stefan Ehly, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Dresden-Riesa.
Der Zwickauer Betriebsratsvorsitzende Mario Albert sprach von einem Schlag ins Gesicht der Kollegen. "Wer unsere Arbeitsplätze und unseren Standort attackiert, greift tausende Menschen, eine ganze Stadt und eine ganze Region an. Mit diesen Plänen treibt das VW-Management ganz Westsachsen in den Niedergang."
Thomas Knabel von der IG Metall Zwickau ging auch auf Spekulationen ein, Zwickau könnte Teil eines Joint Ventures mit einem chinesischen Partner oder gänzlich von einem Unternehmen aus China übernommen werden. Er nehme das vor allem als mediale Diskussion wahr. Er habe noch keinen im VW-Konzern erlebt, der mit der IG Metall über diese Fragen reden wollte.
Die Kollegen in Zwickau seien Automobilbauer, Zwickau müsse auch in Zukunft ein Automobilstandort sein. Knabel forderte VW-Konzernchef Oliver Blume auf, persönlich nach Zwickau zu kommen und das Konzept zu erklären.
Gewerkschaft für intelligente Lösungen offen
Otto, Bezirksleiter der IG Metall für Berlin, Brandenburg und Sachsen, sicherte zu, dass die Gewerkschaft für intelligente Lösungen offen sei.
"VW in Zwickau muss bleiben. Alles, was wir aus Wolfsburg vom Vorstand hören, ist eine einzige Kampfansage hoch bezahlter Manager an ihre Beschäftigten. Die IG Metall steht bereit, gemeinsam mit den Belegschaften und ihren Betriebsräten diesen Konflikt zu führen. Die Kolleginnen und Kollegen in Zwickau und ihre Familien lassen sich nicht einfach abwickeln und wie eine Nummer aus der Konzernbilanz streichen."
VW hatte am Donnerstag nach der Sitzung seines Aufsichtsrates zu möglichen Einsparungen keine Angaben zu möglichen Werksschließungen und Stellenabbau gemacht. Zwickau war zuvor neben Hannover, Emden und Neckarsulm wiederholt genannt worden. Die IG Metall vermisst bisher ein klares Dementi.
Die IG Metall kündigte weitere Proteste je nach Entwicklung an.
Titelfoto: Jan Woitas/dpa

