Von Frank Johannsen
Wolfsburg - Nach den Protesten bei Mercedes ruft die IG Metall jetzt auch bei VW zum Aktionstag gegen neue Sparpläne auf. Zur Aufsichtsratssitzung am Donnerstag, auf der über mögliche Einschnitte beraten wird, soll es bundesweit Aktionen an allen Konzernstandorten geben, kündigte die Gewerkschaft an.
Laut IG Metall handelt es sich dabei nicht um einen Arbeitskampf. "Es sind Informations- oder Protestveranstaltungen und keine Warnstreiks", heißt es in der Mitteilung. Bei Volkswagen gelte weiter die Friedenspflicht, Arbeitsniederlegungen seien daher zunächst nicht geplant.
Mit den Aktionen reagiert die Gewerkschaft auf jüngste Berichte über verschärfte Sparpläne des Konzerns. Am Donnerstag kommt in Wolfsburg der Aufsichtsrat des Konzerns zusammen, um über die Pläne zu beraten.
Die Proteste am Donnerstag bezeichnete IG-Metall-Chefin Christiane Benner als "ein klares Signal an den Vorstand: Nicht mit uns!" Die Beschäftigten hätten ihre Beiträge bereits geleistet, sagte sie mit Blick auf die Tarifeinigung Ende 2024.
"Die ständigen Angriffe auf die Rechte der Kolleginnen und Kollegen nehmen wir nicht ohne Gegenwehr hin", so Benner laut Mitteilung.
Sie fordert Ideen und Konzepte, wie die Werke ausgelastet werden.
VW will Sparkurs verschärfen
Laut "Manager Magazin" will VW seinen Sparkurs deutlich verschärfen: Bis zu 100.000 Stellen könnten weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Vier Werken des VW-Konzerns in Deutschland droht demnach sogar die Schließung: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm.
VW bestätigte bisher nur, dass der Konzernvorstand "intensiv an einem Zukunftsplan für die Neuaufstellung des Unternehmens" arbeite, nannte aber keine Details. Ziel sei eine "umfassende Transformation".
Konzernchef Oliver Blume hatte bereits im Frühjahr angekündigt, an einem neuen "Zielbild 2030" für den Konzern zu arbeiten und dabei auch den Sparkurs deutlich verschärfen zu wollen.
Bei der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag droht nun ein heftiger Schlagabtausch. IG Metall und VW-Betriebsrat kündigten Widerstand gegen die Pläne an.
Auch das Land Niedersachsen lehnt Werksschließungen ab. Das Land ist mit 20 Prozent an VW beteiligt und stellt zwei Mitglieder im Aufsichtsrat. Medienberichten zufolge hat der Konzern bereits einen Alternativplan, sollten die Vorschläge im Aufsichtsrat durchfallen: Dann könnte eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen werden.
Auch dort hat das Land laut VW-Gesetz eine Sperrminorität und kann wichtige Beschlüsse per Veto verhindern.
Abbau von 37.000 Stellen schon fix
Bis 2030 hat Volkswagen bereits den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland angekündigt. 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke wegfallen, der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche.
Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben.
In Dresden ist die Fahrzeugproduktion jüngst ausgelaufen, für Osnabrück sucht der Konzern derzeit nach einer Lösung, wenn dort im kommenden Jahr die Cabrio-Fertigung ausläuft.
Am vergangenen Freitag hatte es bereits bei Mercedes-Benz bundesweit Proteste gegen den dortigen Sparkurs gegeben.
Auch bei VW war es an dem Tag bereits zu ersten Aktionen gekommen: Im ostfriesischen Emden protestierten laut IG Metall mehr als 4000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des VW-Werks gegen die Sparpläne des niedersächsischen Autobauers.