Von Jörg Schurig
Zwickau/ Dresden - Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (51, CDU) sieht den VW-Konzern bei dem von Schließung bedrohten Werk in Zwickau in der Pflicht. Die Beschäftigten müssten sich auf Zusagen verlassen können, sagte er im Interview mit dem Deutschlandfunk. Die VW-Produktion in Zwickau habe als Leitwerk der Elektromobilität Zusicherungen bekommen, später seien dann Produkte in andere Werke abgezogen worden.
Man habe den Beschäftigten gesagt, sie müssten Kostenziele erreichen, sagte Kretschmer.
"Als sie die erreicht haben, kommt die Diskussion, ob man dieses Werk schließt. So kann man ja nicht vertrauensvoll miteinander arbeiten, und das hat auch nichts mit Marktwirtschaft zu tun. Und deswegen muss dieses Unternehmen zurück auf den Pfad der Tugend, ansonsten hat es auch bei den Verbrauchern keine Chance. Vertrauen ist die wichtigste Währung überhaupt."
Kretschmer nannte VW ein sichtbares Synonym für fehlende Wettbewerbsfähigkeit. Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) habe mit seiner Formulierung von der preislichen Wettbewerbsfähigkeit den Kern getroffen.
"Wir sind zu teuer, wir sind zu langsam, um in diesem Wettbewerb bestehen zu können", konstatierte Kretschmer. "Jetzt gibt es die ersten Reformschritte, die eine neue Richtung einläuten, aber die natürlich immer noch viel zu wenig sind."
Schulterschluss von Gewerkschaften und Arbeitgebern nötig
Man brauche einen Schulterschluss von Gewerkschaften und Arbeitgebern, sagte er mit Blick auf die Debatte um längere Arbeitszeiten.
Die 35-Stunden-Woche, von den Gewerkschaften in jahrzehntelangen Arbeitskämpfen mühsam errungen, "passt heute nicht in die Zeit", so Kretschmer.