50 Jahre "Knack den Krebs" im Miniatur Wunderland: "Kind sein heißt nicht automatisch gesund zu sein!"

Hamburg - Was 1975 mit einer Handvoll betroffener Eltern begann, ist heute ein Verein mit über 1000 Mitgliedern: Seit 50 Jahren unterstützt die Fördergemeinschaft Kinderkrebs-Zentrum Hamburg unter dem Motto "Knack den Krebs" das Kinderkrebs-Zentrum am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Ein Jubiläum so besonders, dass für die Feier am Mittwoch Bürgermeister Peter Tschentscher (60, SPD) eine Bürgerschaftssitzung schwänzte – "Sagen Sie keinem, dass ich heute hier bin" –, Sänger Sasha ein exklusives Konzert spielte und das Miniatur Wunderland dafür sogar seine Türen schloss.

Frederik Braun (l.) zusammen mit Dr. Holger Iversen am Mittwoch.  © Tag24/Madita Eggers

Eine Etage unter (und später auch innerhalb) der beliebten Touristenattraktion wurde der 50. Geburtstag mit zahlreichen Unterstützern und Gästen groß gefeiert.

Durch den Abend führte Jörg Pilawa (60), der auf der Bühne prompt von seiner neuen Partnerin CDU-Politikerin Julia Klöckner (53) angerufen wurde: "Ich schwöre, das war nicht geplant".

Normalerweise ist das Miniatur Wunderland bis spät in die Nacht geöffnet – für diesen Anlass wurde der Betrieb jedoch für zwei Stunden unterbrochen.

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Mitbegründer Frederik Braun (58) erklärte gegenüber TAG24: "Wir haben lange nach einem Termin gesucht, wo wir das machen können. Aber uns war klar, dass wir unterstützen wollen: Es ist ein wichtiges Signal, um den Krebs irgendwann zu knacken."

Auch für Vorstandsvorsitzenden Dr. Holger Iversen war der Abend ganz besonders: "So etwas haben wir noch nie gemacht, aber man wird ja nur einmal 50." Oder wie Tschentscher es in seiner Rede betonte: "Wenn man Gutes zu berichten hat, darf man auch mal feiern!" Im Namen des Senats dankte er dem Verein für dessen jahrzehntelanges Engagement.

Als betroffener Vater engagiert sich Iversen bereits seit 27 Jahren Vorstand: "Mein Sohn hatte Krebs und ist heute glücklicherweise geheilt." Nach dessen Therapie sei für ihn klar gewesen: "Man muss irgendwas tun, man muss sich engagieren. Kind sein heißt nicht automatisch gesund zu sein!"

Als größte Herausforderung in all den Jahren beschreibt Iversen den Wendepunkt durch die Chemotherapie: "Auf einmal konnten viele Kinder gerettet werden – aber eben nicht alle." Noch immer könnten rund 20 Prozent der erkrankten Kinder nicht geheilt werden. Deshalb habe der Verein Anfang der 2000er-Jahre mithilfe einer größeren Erbschaft ein eigenes Forschungsinstitut gegründet. "Knack den Krebs geht eben nur über Forschung", so Iversen. Darauf sei man besonders stolz.

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Von links nach rechts: Prof. Dr. Stefan Rutkowski, Leiter der Kinder-Onkologie am UKE, Sänger Sasha, Moderator Jörg Pilawa, Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher und Dr. Holger Iversen.  © Tag24/Madita Eggers

Unterstützer Sasha: "Es ist kein schönes, aber wichtiges Thema!"

Musikalisch abgerundet wurde der Abend mit einem Konzert von Sänger Sasha. "Wir sind schon sehr lange Unterstützer und freuen uns, dass wir heute dabei sein können und Flagge zeigen", so der 54-Jährige gegenüber TAG24. "Es ist kein schönes Thema – aber es ist wichtig, dass viele zusammenkommen und mithelfen, damit es mehr Hoffnung gibt."

Mit einem Augenzwinkern auf seinen Auftritt im Miniatur Wunderland fügte er hinzu: "Ich weiß nicht, ob sie mich auf so eine kleine Bühne stellen. Verewigt bin ich dort bislang noch nicht – aber das wird langsam Zeit."

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Dr. Holger Iversen: "Wir sind auf Spenden angewiesen"

Jorge González (58) und Nina Bott (48) gehören zu den prominenten Unterstützern der Fördergemeinschaft Kinderkrebs-Zentrum Hamburg.  © Tag24/Madita Eggers

Im Laufe der Jahre konnte das hauseigene Forschungsinstitut über die Stadtgrenzen hinaus große Erfolge erzielen.

Bürgermeister Tschentscher lobte: "Die Fördergemeinschaft trägt mit ihrer Arbeit zur medizinischen und wissenschaftlichen Exzellenz unseres Universitätsklinikums bei und unterstützt die Behandlung der rund 600 Kinder, die jedes Jahr im Kinderkrebszentrum am UKE behandelt werden."

Das vereinseigene Forschungsinstitut deckt mehrere zentrale Bereiche der pädiatrischen Onkologie ab: Ein Schwerpunkt liegt auf Leukämien, ein weiterer auf Hirntumoren im Kindesalter.

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Besonders innovativ sind die sogenannten "Flüssigproben", womit sich Tumore sehr präzise analysieren lassen – häufig ohne belastende Gewebeentnahmen. Gerade bei schwer zugänglichen Tumoren, etwa im Kopfbereich, können so größere Eingriffe vermieden werden.

Die Fördergemeinschaft verfolgt dabei nicht nur die medizinische Behandlung, sondern auch eine ganzheitliche Betreuung der Kinder und ihrer Familien. Lange Therapien, vielfältige Nebenwirkungen und psychische Belastungen betreffen nicht nur die Kinder, sondern die ganze Familie. Alles, was über die reine Behandlung hinausgeht, sei jedoch nicht im Budget der Klinik enthalten.

Für die kommenden Jahre plant der Verein den Bau eines Eltern-Kind-Hauses in direkter Nähe zum UKE. Viele Familien kommen aus ganz Deutschland, günstiger Wohnraum während der Therapie sei daher dringend nötig. Die große Jubiläumsfeier diente auch dazu, das Anliegen des Vereins weiter bekannt zu machen: "Wir sind auf Spenden angewiesen", betonte Dr. Holger Iversen.

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