Allergieforscher warnt: "Bis 2050 könnte jeder zweite Europäer betroffen sein"
Hamburg - Bald beginnt wieder die von vielen gefürchtete Pollensaison: In Deutschland startet sie je nach Region bereits im Februar mit Hasel- und Erlenpollen, bevor im Frühjahr Birken- und später Gräserpollen folgen. Für Millionen Allergiker bedeutet das erneut Wochen oder Monate voller Beschwerden.
Und die Belastung könnte durch den Klimawandel künftig noch stärker werden, warnt der Hamburger Allergieforscher Dr. Rüdiger Wahl im Gespräch mit "Coway Europe".
"Wir beobachten tatsächlich drei Entwicklungen gleichzeitig", so Wahl. Der Frühling beginne heute oft bis zu zwei Wochen früher als noch vor einigen Jahrzehnten.
Dadurch starte auch der Pollenflug früher. Gleichzeitig verlängerten milde Herbsttemperaturen die Blütezeit vieler Pflanzen. Für Allergiker bedeute das eine "deutlich längere Belastungsphase".
Haselpollen flögen teilweise schon im Dezember, und auch Birkenpollenallergiker litten verstärkt, unter anderem wegen Kreuzreaktionen zwischen verwandten Allergenen.
Besonders problematisch sei die Situation Städten. Luftschadstoffe wie Ozon, Feinstaub und Dieselabgase könnten die Eigenschaften von Pollen verändern.
Untersuchungen hätten gezeigt, dass Birkenpollen unter erhöhter Ozonbelastung "besonders aggressiv" seien. Auch Dieselabgase könnten dazu beitragen, dass verstärkt allergene Bestandteile freigesetzt werden.
Regen kann Pollenallergien verstärken
Hinzu komme die Ausbreitung neuer Pflanzenarten wie die sogenannten "Traubenkräuter". Deren Pollen flögen von August bis in den November und verlängerten die Saison zusätzlich. Zudem seien sie stark allergen und kreuzreaktiv.
"Solche Entwicklungen können neue Allergiewellen auslösen, auf die sich Gesundheitssystem und Betroffene erst einstellen müssen", so Wahl.
Auch beim Thema Regen mahnt der Wissenschaftler zur Vorsicht. Entgegen der früheren Annahme, dass Niederschlag die Luft reinige, könnten sich Pollen mit Wasser vollsaugen, aufplatzen und besonders kleine, aggressive Partikel freisetzen.
All diese Aspekte mache Allergien zu einem wichtigen, häufig unterschätzten Gesundheitsfaktor des Klimawandels.
"Wir stehen vor einer deutlichen Zunahme allergischer Erkrankungen", betont Wahl. Bereits heute leide rund ein Drittel der Europäer an einer chronischen Allergie, "bis 2050 könnte es jeder Zweite sein!".
Titelfoto: Montage: privat, Angelika Warmuth/dpa

