Hamburg/Antarktis - Eigentlich wollte Michael Trautmann (33) eine Weltreise machen. Stattdessen landete der Expeditionsingenieur in der Antarktis und verbrachte lange Monate im ewigen Eis.
Minus 18 Grad im Jahresdurchschnitt, wochenlang anhaltende Schneestürme, die Dunkelheit der Polarnacht - was für die meisten Menschen wie der blanke Horror klingt, bringt Trautmanns Augen zum Leuchten.
Der Ingenieur wollte 2021 die Welt in seiner ganzen Vielfalt kennenlernen, doch Corona machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Also bewarb sich der 33-Jährige auf einen Job beim Alfred-Wegener-Institut (AWI). Überwinterung in der Antarktis, gemeinsam mit acht weiteren Personen auf der Neumayer-Station 3.
Der Elektroingenieur bekam die Zusage. "Tatsächlich bin ich so ein bisschen in Tränen ausgebrochen, weil ich damit nicht gerechnet habe. Das war schon sehr cool", erzählt der Techniker im Gespräch mit TAG24.
Im Nachgang müsse er sagen: "Das war ein Traum von mir, von dem ich vorher nichts wusste."
Ende 2021 ging es mit der Polarstern 1 von Kapstadt (Südafrika) in elf Tagen bis zur Antarktis.
"Bei 30 Grad Außentemperatur, komplett Hochsommer, sind wir losgefahren. Dann wurde es immer kälter. Die ersten Eisberge kamen, die ersten Robben, die ersten Pinguine. Dann konnte man sich so ein bisschen darauf vorbereiten", so der Wahl-Bremerhavener.
Ankunft überwältigt den Forscher
Dennoch hat der erste Blick auf die Antarktis Trautmann umgehauen.
"Das ist so überwältigend und fühlt sich so surreal an. Wir sind dann mit einem Helikopter vom Schiff startend über die Eisberge rüber. Und dann landet man bei dieser Station, die mitten im Nirgendwo ist. Da ist nur Weiß, kein Berg, nichts, gar nichts. Und auf einmal steht da so eine Forschungsstation. Das ist ein bisschen so, als würde man auf einem fremden Planeten landen", erinnert sich der Polarforscher.
Ebenso überwältigend scheint der Tagesablauf: Frühstück um 7 Uhr, Arbeitsbeginn um 7.30 Uhr, Feierabend um 17.30 Uhr. Nach dem gemeinsamen Abendessen haben die Forscher Zeit für sich.
Trautmann, der in erster Linie Technik gewartet und Schneemobile repariert hat, nutzte die Freizeit für die Fotografie. Den beeindruckendsten Moment hielt der Ingenieur bei Vollmond in der Eisberglandschaft, der Welt der Pinguine, fest.
"Da musste ich mich wirklich kneifen. Ab und zu denkt man, man verliert so ein bisschen den Bezug zur Realität. Das könnte auch ein Computerspiel sein oder ein Film oder sowas", schwärmt er.
Gletscherspalten können zur tödlichen Falle werden
Die lebensbedrohlichen Seiten der Antarktis hat der 33-Jährige allerdings auch kennengelernt. "Man kann jederzeit in eine Gletscherspalte fallen, wenn man sich nicht an die Wege hält", sagt er. Und da sich das Eis, auf dem die Station steht, jährlich um 180 Meter verschiebt, könne man sich nicht zu hundert Prozent auf die Karten verlassen.
Wer sein Ziel um zehn Meter verfehlt, kann schon ins Verderben laufen. Denn bei einem Sturm ist auf diese Distanz nichts mehr zu sehen. Man würde einfach an der Station vorbeilaufen.
Trotzdem hat Trautmann insgesamt ein Jahr und vier Monate auf dem Schelfeis ausgehalten. "Mich hat das Polarfieber gepackt", gesteht der Forscher.
Derzeit ist der 33-Jährige Teil des Teams, das mit der Polarstern 2 einen neuen deutschen Forschungs- und Versorgungseisbrecher baut.
2030 soll das Schiff fertiggestellt und getestet werden. Dann geht es für den Ingenieur endlich wieder in eine Polarregion. "Auf jeden Fall irgendwo ans Eis, höchstwahrscheinlich in die Arktis. Und dann suchen wir 1,80 Meter dickes Eis, das bei drei Knoten Fahrt gebrochen werden muss", erläutert der Hobby-Fotograf.
Bis dahin hält Trautmann sein Fieber mit Vorträgen auf Temperatur. Wer in die Welt des ewigen Eises eintauchen möchte, bekommt am 7. November um 15 Uhr im Zeise-Kino in Hamburg die nächste Gelegenheit dazu.
TAG24 verlost 2x2 Tickets für das Event in Hamburg! Ihr wollt dabei sein? Dann schickt uns einfach eine E-Mail mit Eurem Vor- und Nachnamen sowie dem Kennwort "Antarktis" an gewinnspiel@tag24.de. Teilnahmeschluss ist der 4. November 2026 um 23.59 Uhr.