Von Verena Schmitt-Roschmann
Erfurt - Das Simson-Moped als Politikum: Erst kritisierten die Nachfahren der jüdischen Familie Simson die Vereinnahmung der Marke durch die AfD - jetzt wehrt sich der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke.
Höcke hat sich wiederholt auf Maschinen der ostdeutschen Traditionsmarke ablichten lassen und sie in Wahlkampfreden erwähnt. Nun nannte er die Äußerungen der Nachfahren der Familie "befremdlich".
"Die Nutzung von Alltagsobjekten als 'Vereinnahmung' zu deuten, ersetzt Argumente durch Symbolhysterie", meinte Höcke.
"Gerade hier sollte das 'Nie wieder!' gelten: keine Kollektivzuweisung, keine Gesinnungsverdächtigung, keine politische Erbschuld."
Die Wendung "nie wieder" wird seit dem Zweiten Weltkrieg meist im Zusammenhang mit "nie wieder Faschismus" oder "nie wieder Krieg" verwendet. Höcke deutet sie hier um.
In der NS-Zeit entrechtet
Die Familie Simson war in der NS-Zeit drangsaliert, verfolgt und 1936 zum Verkauf der Fabrik in Suhl gezwungen worden, wo später zu DDR-Zeiten die Simson-Mopeds gebaut wurden. Die Nachfahren leben heute in den USA. Der Sprecher der Familie, Dennis Baum, hatte erklärt: "Wir empfinden jegliche Verbindung mit der AfD als abstoßend und als eine Beleidigung unseres Namens."
Die zu DDR-Zeiten in Suhl produzierten Mopeds der Marke Simson wie die Schwalbe oder die S51 sind für viele Liebhaber Kult - meist unabhängig von politischen Ansichten. Die AfD nutzte das beliebte Fahrzeug nicht nur in Wahlkämpfen, sondern auch für den Verkauf von Produkten in ihrem Fanshop auf Tiktok.