Von Marie-Hélèn Frech
Erfurt - Strategisches Lüften am frühen Morgen, reichlich Trinkangebote, Ventilatoren, Beschattung und ein angepasster Speiseplan: So begegnen nach Angaben verschiedener Betreiber und Träger zufolge etliche Seniorenheime und stationäre Pflegeeinrichtungen in der Altenhilfe der andauernden Hitze in Thüringen.
Klimaanlagen bleiben in den meisten Einrichtungen auf den Zimmern der Bewohner die Ausnahme. Als Grund dafür wird häufig darauf verwiesen, dass es baulich – wenn überhaupt – nur schwierig umzusetzen sei.
"Die anhaltende Hitze stellt für ältere und pflegebedürftige Menschen eine erhebliche Belastung dar. Gerade Bewohnerinnen und Bewohner mit Vorerkrankungen oder eingeschränkter Mobilität reagieren besonders sensibel auf hohe Temperaturen", heißt es etwa seitens des Thüringer Landesverbands des Deutschen Roten Kreuzes.
Die aktuelle Situation sei zwar herausfordernd, werde aber als gut handhabbar eingeschätzt.
Besonders belastend können die Temperaturen für bettlägerige Menschen, Bewohnerinnen und Bewohner mit schweren Vorerkrankungen oder Menschen im Sterbeprozess sein, hieß es etwa auch seitens der AWO Thüringen.
Auch an Demenz Erkrankte benötigten häufig besondere Unterstützung: Sie könnten etwa Schutzmaßnahmen wie geschlossene Fenster oder heruntergelassene Rollläden nicht immer nachvollziehen.
Ähnliches teilte die Katholische Altenpflegeheime Eichsfeld gGmbH mit: "Das Personal kann also auch nicht verhindern, dass Fenster selbstständig geöffnet oder geschlossen werden, auch wenn es vielleicht gerade nicht so sinnvoll ist."
Aus Sicht aller angefragten Betreiber und Träger besteht die größte Herausforderung dadurch, dass viele Bewohner von sich aus zu wenig trinken. Die Mitarbeiter müssten daher besonders darauf achten, dass die Senioren ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen und immer wieder Getränke anbieten.
Speisepläne mit leichter Kost
Auch auf die Speisepläne schlägt sich das Wetter nach einheitlicher Darstellung der Befragten nieder: Darauf stehen in den heißen Tagen vor allem leichte Kost, Salate, Joghurt, Kaltschalen und gekühltes Obst etwa.
Ebenso können sich Bewohner regelmäßig auf Speiseeis freuen. Individuelle Abkühlung werde zudem etwa in Form von Fuß- und Handbädern oder kühlen Umschlägen und Tüchern etwa für den Nacken angeboten.
Zwar sahen sich die befragten Betreiber und Träger für den Moment gut für die heißen Tage gerüstet. Die zunehmenden Hitzewellen machten aber deutlich, dass soziale Einrichtungen künftig besser auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet werden müssen, sagte etwa Katja Glybowskaja, Geschäftsführerin des AWO Landesverbands Thüringen.
"Pflegeheime sind Wohnorte für besonders schutzbedürftige Menschen. Deshalb braucht es gezielte Investitionen des Landes und des Bundes in Beschattung, energetische Sanierung sowie moderne Lüftungs- und Kühlsysteme." Gemeinnützige Träger könnten solche Maßnahmen oft nicht allein finanzieren, so Glybowskaja.