Auch bei der Karriere trittsicher: Tanzlehrer-Paar aus Leipzig stemmt eine WM nach der anderen

Leipzig - Die Weltstars der Tanzszene kommen Jahr für Jahr im Oktober nach Leipzig. Seit 2010 finden hier – mit einer Corona-Unterbrechung – Weltmeisterschaften für Profitänzer statt. Am kommenden Samstag steigt in der Messehalle 3 zum zwölften Mal erneut das Tanz-Highlight des Jahres. Dass der Weltverband immer wieder auf die Messestadt zurückgreift, liegt an den Lokalmatadoren Oliver Thalheim (44) und Tina Spiesbach-Hepke (41), welche die Events organisieren. Was einst als riesige Enttäuschung begann, wandelte sich zum ungewöhnlichen Glücksfall.

Die Weltstars der Tanzszene sehen das Leipziger Messegelände inzwischen als ihre gute Wohnstube an. Regelmäßig werden hier im Oktober die Weltmeistertitel vergeben.
Die Weltstars der Tanzszene sehen das Leipziger Messegelände inzwischen als ihre gute Wohnstube an. Regelmäßig werden hier im Oktober die Weltmeistertitel vergeben.  © imago/stock&people

Jahrelang hatte das Leipziger Tanzpaar auf ein Ziel hingearbeitet – und es dann endlich geschafft: Sie wurden 2010 Deutsche Meister in den Standardtänzen und qualifizierten sich für die Weltmeisterschaft in Toronto (Kanada). Tina Spiesbach: "Uns war klar, dass wir uns am Ende unserer sportlichen Karriere befinden und dies unsere einzige Chance auf eine WM-Teilnahme ist."

Denn bereits zwei Jahre vorher hatten die beiden Tanzlehrer eine gemeinsame Tanzschule für Gesellschaftstanz gegründet, das wirtschaftliche Standbein für ihre Zukunft. Die RTL-Sendung "Let's Dance", mit der Profitänzer heute zumindest ihren Lebensunterhalt bestreiten können, steckte damals noch in den Kinderschuhen.

Dann der Schock. Wegen finanzieller Probleme sagte Toronto die WM kurzfristig ab. Aus der anfänglichen Niedergeschlagenheit erwuchs jedoch schnell eine große Motivation – aufgrund eines Zufalls.

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Thalheim: "Einer unserer Bekannten arbeitete damals für eine Sportevent-Agentur und fragte, warum wir die WM nicht einfach selbst organisieren." Der Tanz-Weltverband WDSF genehmigte den Versuch. Und war danach von Leipzig einfach nur begeistert. Denn bisher fristeten seine Meisterschaften ein Nischendasein als Randsportart. Hier aber war alles so professionell organisiert, die Veranstaltung stand im Rampenlicht.

Für großen Glanz sorgte auch der sachkundige Moderator Joachim Llambi (58), der zu dieser Zeit gerade als Chef-Juror von "Let's Dance" bundesweit bekannt wurde und seither auch das Gesicht der Leipziger Meisterschaften ist.

Holten inzwischen zwölf internationale Events nach Leipzig: Oliver Thalheim (44) und Tina Spiesbach-Hepke (41).
Holten inzwischen zwölf internationale Events nach Leipzig: Oliver Thalheim (44) und Tina Spiesbach-Hepke (41).  © PR/Claudia Masur

Organisatoren Thalheim und Spiesbach standen plötzlich allein da

Die Lokalmatadoren im Organisationsstress – viel Renommee für eine Tanzschule.
Die Lokalmatadoren im Organisationsstress – viel Renommee für eine Tanzschule.  © Ralf Seegers

Thalheim/Spiesbach tanzten sich 2010 bei ihrer "WM Dorheeme" ins Finale und auf den fünften Platz. Und wurden danach gebeten, noch eine Meisterschaft in Leipzig zu organisieren. Und noch eine. Und immer wieder.

Wegen einer Umstrukturierung in der Sportevent-Agentur stieg 2014 der professionelle Partner aus – Oliver und Tina waren plötzlich auf sich allein gestellt. Thalheim: "Im Selbststudium absolvierten wir eine Art Crashkurs in Veranstaltungsmanagement. Und wir waren erstaunt, wie viele uns bisher unbekannte Zusammenhänge bewältigt werden müssen."

Das fängt nicht nur mit der Sponsorensuche an und hört nicht mit der Versorgung der Wettkampfrichter auf. Sie lernten viel über die Traglast von Decken, Hängepunkte für Licht und Ton – welche Belüftung braucht man bei wie vielen Zuschauern? Auch in die Geheimnisse der Logistik fuchsten sie sich ein. Und zwar so gut, dass der Weltverband weiterhin auf Leipzig schwor.

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Somit sind die beiden Tänzer in der zweiten Jahreshälfte stets am Organisieren. Geld verdienen lässt sich damit nicht. "Wir sind froh, wenn am Ende der Veranstaltung eine schwarze Null steht. Unser Lohn ist das Renommee. Denn wir werden bekannt als die Tanzschule, welche die Weltmeisterschaften organisiert", so Thalheim.

Im vergangenen Jahr holten Renata und Valentin Lusin (beide 35) Gold. Jetzt wird das Nachfolgepaar gesucht.
Im vergangenen Jahr holten Renata und Valentin Lusin (beide 35) Gold. Jetzt wird das Nachfolgepaar gesucht.  © IMAGO/opokupix

"Let's Dance"-Juror Joachim Llambi führt durch den Abend

Malika Dzumaev (31) und Zsolt Sandór Cseke (34) machen sich Hoffnungen auf das Finale in den Latein-Tänzen.
Malika Dzumaev (31) und Zsolt Sandór Cseke (34) machen sich Hoffnungen auf das Finale in den Latein-Tänzen.  © PR

Für kommenden Samstag waren zunächst die Titelkämpfe in Showdance Standard vorgesehen – Langsamer Walzer, Tango, Wiener Walzer, Slowfox und Quickstepp. Weil China wegen der Null-Covid-Politik kurzfristig die Latein-WM abgeben musste, übernimmt Leipzig auch gleich noch Samba, Cha-Cha, Rumba, Paso-Doble und Jive.

Tina Spiesbach ist begeistert: "Das ist ein unglaublich farbenfrohes und abwechslungsreiches Programm. Insgesamt 30 der weltbesten Paare treffen sich in Leipzig zum großen Showdown."

Dazu gibt es verschiedene Tanzshows der Tanzschule "Oliver und Tina" sowie zahlreiche Publikumstänze zur Musik der Dresdner Galaband. Die Moderation übernimmt selbstredend Kultfigur Joachim Llambi.

Als deutsche Hoffnungsträger gelten die in Hamburg lebenden und von Let's Dance bekannten Vizeweltmeister Alexandru (28) und Patricija Ionel (27), obwohl sie erst im Januar zum ersten Mal Eltern wurden. Beim Latein-Wettbewerb machen sich die RTL-Profis Malika Dzumaev (31) und Zsolt Sandór Cseke (34) Hoffnungen auf das Finale.

Kultfigur Joachim Llambi (58) ist nicht nur das Gesicht von Let's Dance, sondern auch das der Leipziger Meisterschaften.
Kultfigur Joachim Llambi (58) ist nicht nur das Gesicht von Let's Dance, sondern auch das der Leipziger Meisterschaften.  © IMAGO/opokupix
Viel Bewegung auf dem Parkett: Traditionell endet die WM mit den Publikumstänzen.
Viel Bewegung auf dem Parkett: Traditionell endet die WM mit den Publikumstänzen.  © IMAGO/opokupix

Bis auf einige mögliche Rückläufer sind die 2500 Karten bereits ausverkauft. Wer trotzdem nichts verpassen will: Der MDR streamt die Veranstaltung am 15. Oktober ab 19.30 Uhr im Internet und zeigt abends ab 23 Uhr eine 90-Minuten-Sendung im Fernsehen.

Titelfoto: Bildmontage: PR/Claudia Masur, imago/opokupix

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