Timmendorfer Strand - Die Debatte um Robert Marc Lehmann (43) im Rahmen des in der Ostsee gestrandeten Wals "Timmy" reißt nicht ab: Nachdem Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (67, SPD) am Montag erklärt hatte, dass der Meeresbiologe nicht zu einem weiteren Rettungseinsatz zurückkehren werde, äußert sich nun auch Timmendorfs Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke (FDP) kritisch über den Experten.
Partheil-Böhnke schildert gegenüber "NEWS5", dass Lehmann sich ein paar Tage vor dem dann später erfolgreichen ersten Rettungsversuch am 26. März am Timmendorfer Strand selbst als Experte ins Spiel gebracht habe: "Er hatte sich als Walexperte und Meeresbiologe vorgestellt und dass er uns doch unterstützen könne."
Anfangs habe das "alles ganz vernünftig" geklungen. Doch schnell seien Zweifel aufgekommen: "Herr Lehmann hat sich nicht als der Experte herausgestellt, den ich mir erhofft hatte!"
Besonders kritisch bewertet der Bürgermeister die fachlichen Einschätzungen des Experten: "Ich musste dann leider relativ schnell feststellen, dass 90 bis 100 Prozent aller Annahmen von ihm falsch waren." So habe dieser mehrfach nur eine "0,1 Prozent Wahrscheinlichkeit" prognostiziert – etwa beim Plan, einen Kanal zu baggern –, obwohl dieser letztlich funktioniert habe.
Als folgenreich beschreibt Partheil-Böhnke zudem eine konkrete Entscheidung Lehmanns auf dem Wasser: "Der Plan war, den Wal mit Booten beidseitig zu flankieren und Richtung Nordsee zu geleiten. Herr Lehmann entschied jedoch, dass es reicht, nur auf einer Seite zu sichern. Das Tier nutzte die offene Seite, kehrte in die Lübecker Bucht zurück – und wir verloren dadurch rund einen Dreivierteltag. Der Wal musste erneut gesucht und geleitet werden und war anschließend deutlich geschwächter."
Woraufhin der Bürgermeister dem YouTuber die von ihm selbst beanspruchte Einsatzleitung entzog und diese vollständig an das Technische Hilfswerk übertrug. Er betonte jedoch: "Wir haben ihn aber nie […] ausgeschlossen von einem Einsatz." Lehmann sei letztlich "selbstständig abgereist".
Partheil-Böhnke: "Ich hatte das Gefühl, da ging es nicht wirklich nur um das Tierwohl"
Bei den Verantwortlichen vor Ort habe sich zunehmend der Eindruck verfestigt, dass es Robert Marc Lehmann weniger um Tierschutz als um Reichweite und eigene Interessen ging.
Dabei betont Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke, er habe es "zunächst positiv wahrgenommen", dass Lehmann bereit gewesen sei, sich dem Tier so stark zu nähern – "das ist bei einem Wildtier kein ungefährlicher Einsatz".
Gleichzeitig habe er dieses Vorgehen rückblickend als Selbstdarstellung wahrgenommen. "So mit einem Selfiestick […] mit großer Pose auf das Tier zu." Zwar sei die Idee, ins Maul des Wals zu schauen, "grundsätzlich sinnvoll" gewesen, die Umsetzung habe aber "eher wie eine Reportage" gewirkt.
"Ich hatte das Gefühl, da ging es nicht wirklich nur um das Tierwohl, sondern darum 'Ich brauche Klicks und damit verdiene ich mein Geld'", so der FDP-Politiker weiter.
Die teils heftigen Reaktionen im Netz von "Fans" des Meeresbiologen bewertet Partheil-Böhnke entsprechend kritisch: Viele hätten "keine Ahnung", wie mit einer solchen Situation umzugehen sei; die teils massiven Anfeindungen seien nicht gerechtfertigt.