Haben Behörden hier geschlampt? Verzweifelter Hilferuf von Leipziger Restaurant

Leipzig - Behörden-Wahnsinn um ein Leipziger Restaurant! Obwohl die Gastronomie seit knapp vier Wochen wieder öffnen darf, lösen sich Geldsorgen und Existenzängste nicht einfach so in Luft auf. Das "Casablanca" in Schönefeld schlägt sich währenddessen wegen Wandmalereien mit der Stadt Leipzig herum, die Betreiber verzweifeln. Es kommt unweigerlich die Frage auf: Weiß bei manchen Behörden die rechte Hand überhaupt, was die linke tut?

Diese Wand am Nachbargebäude ist das Corpus Delicti, sie hätte wegen des Denkmalschutzes nicht ohne Genehmigung bemalt werden dürfen.
Diese Wand am Nachbargebäude ist das Corpus Delicti, sie hätte wegen des Denkmalschutzes nicht ohne Genehmigung bemalt werden dürfen.  © Screenshot/MDR-Mediathek

Das 2002 eröffnete Fischrestaurant mit angeschlossenem Hotel des Ehepaares Natalie und Henry Friedrich in der Ossietzkystraße im Osten der Stadt ist eines der beliebtesten Lokale im Stadtteil, beeindruckt nicht nur mit leckerem Essen, sondern auch mit seinem originellen Interieur und seiner Schiffsterrasse.

Eigentlich lief das Lokal über Jahre hinweg richtig gut, man nahm 2014 sogar an der Kabel1-Dokusoap "Mein Lokal, dein Lokal" teil. Doch im vergangenen Jahr brachte Corona Chaos und Existenzängste mit sich.

Und nun haben die Friedrichs auch noch Ärger mit der Stadt Leipzig – wegen einer Wandmalerei – und wissen nicht weiter. Deshalb haben sie sich an die MDR-Verbrauchersendung "Voss & Team" gewandt.

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Die Behörden wollen, dass die Friedrichs eine Giebelwand des Nachbarhauses in der angrenzenden Leostraße komplett auf eigene Kosten umgestalten. Diese Wand hatten sie 2007 aufgrund unschöner Schmierereien verschönern wollen und von einem befreundeten Künstler bemalen lassen, der Eigentümer des Hauses war damals einverstanden.

"Das war unser großer Fehler, dass wir unwissend dieses Gemälde angebracht haben", so Natalie reumütig. Was sie nämlich nicht wussten: Das Haus steht unter Denkmalschutz, weswegen sie eine Genehmigung vom Amt für Bauordnung und Denkmalpflege benötigt hätten.

Natalie und Henry Friedrich wussten nichts vom Kulturdenkmal und möchten gern eine Lösung finden.
Natalie und Henry Friedrich wussten nichts vom Kulturdenkmal und möchten gern eine Lösung finden.  © Screenshot/MDR-Mediathek

Stadt Leipzig meldete sich sechs Jahre lang nicht

Der Altbau ist sichtlich in die Jahre gekommen, wie man beispielsweise an den Fensterrahmen erkennen kann.
Der Altbau ist sichtlich in die Jahre gekommen, wie man beispielsweise an den Fensterrahmen erkennen kann.  © Screenshot/MDR-Mediathek

Aus einem Schreiben der Behörde geht hervor, dass die Fassadenbemalung "eine erhebliche Beeinträchtigung des historischen Erscheinungsbildes und damit eine empfindliche Störung der Blickbeziehung auf das Denkmal" und somit auf die ganze Straße darstelle.

Wer nun aber glaubt, es handelt sich um ein imposantes architektonisches Meisterwerk, der irrt. Das Mehrfamilienhaus ist in die Jahre gekommen, der Putz bröckelt und nicht wenige Wohnungen stehen leer.

Als die unwissenden Friedrichs 2012 – fünf Jahre nach der Bemalung – das erste Mal Post deswegen bekamen, reichten sie sofort einen Antrag auf Genehmigung nach, der jedoch abgelehnt wurde. Die Familie legte Widerspruch ein und dann passierte - nichts! Sechs Jahre lang einfach nichts...

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Dann wurde der Widerspruch plötzlich zurückgewiesen! Diese Verzögerung begründete die Stadt auf Anfrage von "Voss & Team" damit, dass sich mehrere Behörden untereinander hätten abstimmen müssen. Sechs Jahre lang?

Man sei "davon ausgegangen, dass der Betreiber Anstrengungen unternimmt, um selbst wieder ordnungsgemäße Zustände herzustellen, weshalb die finale Abgabe verzögert wurde", hieß es. Dahingehend habe es laut den Friedrichs jedoch nie Gespräche gegeben.

Das Kunstwerk sollte verschiedenste Schmierereien verbergen...
Das Kunstwerk sollte verschiedenste Schmierereien verbergen...  © Screenshot/MDR-Mediathek

50.000 Euro für Neugestaltung und das während Corona

... und passt auch sehr gut zum Haus der Friedrichs und ihrem Restaurant-Konzept.
... und passt auch sehr gut zum Haus der Friedrichs und ihrem Restaurant-Konzept.  © Screenshot/MDR-Mediathek

Nachdem der Fall im August 2018 vor dem Verwaltungsgericht Leipzig gelandet war, besichtigten erst im September 2020 (!) mehrere Mitarbeiter der Stadt das Wandbild. Im Oktober dann der nächste Schock: Plötzlich soll nicht nur diese eine Wand umgestaltet werden, sondern auch die bemalten Flächen an ihrem eigenen Haus. Davon sei vorher nie die Rede gewesen.

Als die Stadt drei Vorschläge zur Gestaltung unterbreitete, bat die Familie aufgrund ihrer derzeitigen Lage um Aufschub. Am Ende entschied die Behörde, wie die Veränderungen auszusehen haben und dass diese bis 30. April 2021 abgeschlossen sein müssten.

Die Kosten für die Giebelwand würden sich auf mindestens 20.000 Euro belaufen – wenn sie tatsächlich auch ihr eigenes Haus verändern müssten, wären es zusammen voraussichtlich über 50.000 Euro. "Zu Corona-Zeiten und auch allgemein funktioniert das nicht bei uns", so Natalie.

Man sei natürlich zur Zusammenarbeit bereit und wolle eine Lösung finden. Doch solche Forderungen genau in einem Jahr voller Existenzängste zu stellen, finde sie einfach unmenschlich. Zur Erinnerung: Zwischen 2012 und 2018 hatten die Behörden es ja auch nicht eilig...

Was Sven Voss (44) und sein Team während der Ende April abgeschlossenen Dreharbeiten für die verzweifelte Familie erreichen konnten, seht Ihr im kompletten Beitrag in der MDR-Mediathek.

Titelfoto: Bildmontage / Screenshot/MDR-Mediathek

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