Köln/Dresden - Manche Familien umarmen sich. Die Familie Merz diskutiert sich lieber gegenseitig in die emotionale Kernschmelze. Genau dafür lieben die Zuschauer seit Jahren die ZDF-Erfolgsserie "Merz gegen Merz", die inzwischen als Filmreihe weitergeführt wird. Im Mittelpunkt: Ex-Ehepaar Anne und Erik Merz, gespielt von Annette Frier (52) und Christoph Maria Herbst (60), die zwischen Familienchaos, verletzten Gefühlen und absurden Eskalationen versuchen, irgendwie durchs Leben zu kommen – meist mit mäßigem Erfolg.
Jetzt erscheinen gleich zwei neue Filme. Und Herbst nimmt seine Figur im Gespräch mit TAG24 herrlich trocken selbst auseinander.
"Wir müssen uns den Erik Merz mal angucken", sagt der Schauspieler. "Der ist ein emotionaler Legastheniker." Autsch. "Alles, was mit Gefühl zu tun hat, ist nicht so seine Welt. Er kommt ja eher von den Zahlen als Ingenieur." Und besser wird's für Erik auch diesmal nicht. Der hängt nämlich noch immer an seiner Ex-Frau Anne fest.
"Er kann die Anne immer noch nicht Anne sein lassen", sagt Herbst lachend. "Das ist für ihn immer noch die Ex und er möchte diesen Zustand unbedingt wieder verändern und sie wieder zurückholen."
Erik sei "eine sehr einsame Haut", sagt Herbst. Einer, der sein Glück "im Alkohol gesucht hat" und dessen "neuester Lieblingsmensch ein Hund ist".
Mit ihm selbst habe das alles allerdings "ehrlicherweise überhaupt nichts zu tun". Und genau das mache den Spaß aus. "Gerade das macht mir natürlich dann so diebische Freude, so eine Figur zu spielen."
"Merz gegen Merz": Vor der Kamera streiten Christoph Maria Herbst und Annette Frier
Dass "Merz gegen Merz" trotzdem nie zur platten Klamauk-Comedy wird, liegt für Herbst vor allem an Autor Ralf Husmann (61, "Stromberg"). "Der kriegt es ja gar nicht hin – und das meine ich positiv –, eine Komödie reinsten Wassers zu schreiben." Denn bei Familie Merz bleibt das Lachen oft im Hals stecken. Oder wie Herbst es formuliert: "Es ist dann eben nicht reine Komödie oder reine Tragödie, sondern eine Dramödie."
Besonders knallt es natürlich zwischen Herbst und Annette Frier. Vor der Kamera wird gestritten, geschrien und seziert – privat dagegen herrscht fast schon kitschige Harmonie. "Bei Annette und mir ist schon eher piep, piep, piep – wir haben uns lieb." Das Geheimnis? Respekt. "Künstlerisch können wir uns blind vertrauen", so Herbst.
Und offenbar gönnt man sich sogar gegenseitig die Pointen. "Es geht uns beim Erarbeiten einer Szene immer um etwas, das größer ist als wir beide – nämlich um die Wahrhaftigkeit einer Szene oder vielleicht auch einfach nur um den Gag." Wer ihn bekommt, sei egal.
Warum funktioniert dieses Familienchaos eigentlich so gut? Vielleicht, weil sich erstaunlich viele Menschen darin wiedererkennen. "Diese Dysfunktionalität finden wir, glaube ich, sehr spannend", sagt Herbst. Denn die Merz-Familie sei zwar komplett anstrengend, aber eben trotzdem Familie.
"Es geht nicht miteinander, aber erst recht nicht ohne." Und manchmal helfe die Serie offenbar sogar therapeutisch. "Es gibt bestimmt Leute, die das gucken und denken: 'Okay, so beschissen ist meine Familie dann doch nicht.'"
In den "Merz gegen Merz"-Filmen wird es ernst
Neben dem ganzen Chaos schlagen die neuen Filme diesmal aber auch deutlich ernstere Töne an. Besonders die Demenz-Erkrankung von Eriks Schwiegervater sorgt für emotionale Momente.
"Es gibt viele Menschen, die sich mit Alzheimer oder Demenz in der eigenen Familie konfrontiert sehen. Das war in meiner Familie nicht anders." Gerade deshalb sei wichtig gewesen, das Thema ernst zu nehmen.
Und obwohl die Filme oft herrlich spontan wirken, wird am Set übrigens kaum improvisiert. Warum? Weil Husmanns Drehbücher offenbar zu gut sind. "Wir ertappen uns manchmal dabei, freier mit dem Text umgehen zu wollen", erzählt Herbst. "Nur um dann in neunundneunzig Prozent der Fälle festzustellen: Es ist viel besser, wie es da steht."
Und was würde Herbst Erik Merz persönlich gerne sagen? Die Antwort kommt ohne jede Denkpause: "Halt einfach mal die Klappe." Wahrscheinlich der beste Beziehungstipp des ganzen Interviews.
"Merz gegen Merz – Geständnisse" ist seit dem 14. Mai in der ZDF-Mediathek abrufbar und läuft am Donnerstag um 20.15 Uhr im ZDF. "Merz gegen Merz – Entscheidungen" ist ab Donnerstag in der ZDF-Mediathek verfügbar und voraussichtlich am 20. August um 20.15 Uhr im ZDF zu sehen.