"Emotionaler Dreh": So verarbeitet Simon Verhoeven den Tod seines Vaters

Berlin - Mit der Verfilmung des Bestsellers "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" erfüllt sich Simon Verhoeven (53) ein sehr persönliches Projekt. Im Gespräch mit TAG24 offenbart der Regisseur, warum der Dreh ihn emotional stark berührt hat.

Simon Verhoeven (53, r.) mit seinen Eltern Senta Berger (84) und Michael Verhoeven (†85).  © Gerald Matzka/dpa

Vor acht Jahren, als Verhoeven den Roman das erste Mal las, habe er diese Themen der Lücke noch gar nicht so verstanden. Erst nach dem Tod seines Vaters vor eineinhalb Jahren habe sich sein Blick darauf verändert. Umso dankbarer sei er gewesen, als ihm dieses Filmprojekt angeboten wurde.

"Diese Lücken, die gerissen werden ins Leben von jedem Menschen, der jemanden verliert, der ihm nahe ist, konnte ich jetzt noch mal intensiver erzählen, als ich es früher gekonnt hätte", so der 53-Jährige.

Der ganze Film und die Beschäftigung mit dem Film seien für ihn eine sehr emotionale Angelegenheit gewesen. "Wenn du spezielle Szenen drehst, wo beispielsweise der Sarg rausgetragen wird vom Großvater, und du selber das gerade ähnlich erlebt hast mit deinem Vater, dann geht dir das sehr nahe", erzählt der Regisseur.

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Dennoch habe er darauf geachtet, den Fokus nicht zu verlieren und seiner Aufgabe als Filmemacher gerecht zu werden: "Die Zuschauer später sollen weinen. Nicht der Regisseur."

In "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" beginnt Joachim (Bruno Alexander) nach dem Tod seines Bruders ein Schauspielstudium in München und zieht zu seinen Großeltern Inge (Senta Berger, 84) und Hermann (Michael Wittenborn, 72). Zwischen Schauspielschule und familiärem Chaos sucht er nun nach seinem Platz im Leben.

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Simon Verhoeven: Von Selbstzweifeln zum Durchbruch

2006 gelang Simon Verhoeven (53) der Durchbruch mit dem Film "Männerherzen".  © Sven Hoppe/dpa

Simon Verhoeven habe ebenfalls das Gefühl von einem ständigen Nicht-gut-genug-sein erfahren. "Mit Ende 20, nach meinem ersten Film als Regisseur, ging es bei mir überhaupt nicht weiter. Also was Regie angeht. Ich habe dann als Schauspieler gearbeitet. Einfach, um die Miete zu zahlen", verrät er.

Er sei oft frustriert gewesen und habe das Gefühl gehabt, dass er als Regisseur gescheitert ist. "Ich habe wie ein Verrückter an meinen Drehbüchern gearbeitet, in der Zeit, wo die eigentlich alle abgelehnt wurden. Und in der Zeit bin ich auch besser geworden. Wie ein Koch, der immer wieder an seinem Handwerk arbeitet", erklärt der 53-Jährige.

2006 gelang ihm der große Durchbruch: Mit dem Film "Männerherzen" veränderte sich für ihn alles. Es folgten Kino-Hits wie "Willkommen bei den Hartmanns", "Girl You Know Its True" und "Alter weißer Mann".

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Dabei habe er sich nach einschneidenden Schicksalsschlägen und Lebensveränderungen immer wieder selbst neu erfinden müssen. "Aber es ist auch schön zu wissen, wenn man angekommen ist. Dieses Gefühl habe ich noch gar nicht so lange".

"Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" läuft seit dem 29. Januar deutschlandweit in den Kinos.

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