"Filmfest Hamburg": Albert Wiederspiel kündigt seinen Abschied an

Hamburg - Im Rahmen einer feierlichen Abschlussveranstaltung sind am Samstagabend vor dem Film "Der blaue Kaftan" im Cinemaxx Dammtor die Preise des 30. Filmfest Hamburgs vergeben worden. Neben den bereits am 7. Oktober bekannt gegebenen Produzentenpreisen wurde unter anderem der Publikumspreis und NDR Nachwuchspreis verliehen. Am Ende überraschte Filmfest-Leiter Albert Wiederspiel (61) mit Abschiedsworten.

Moderatorin Siri Keil (r.) im Gespräch mit Norbert Grundei, dem Leiter des NDR Programmbereichs Programm- und Portfoliomanagement.
Moderatorin Siri Keil (r.) im Gespräch mit Norbert Grundei, dem Leiter des NDR Programmbereichs Programm- und Portfoliomanagement.  © Madita Eggers/TAG24

Moderatorin Siri Keil führte durch das Finale des Filmfestes, das über acht Tage lang "unterhaltsames, ernstes, märchenhaftes, ermutigendes und erschütterndes Kino" geboten hat. "Was mich besonders freut, ist, dass 50 Prozent der Filme von Frauen gemacht wurden", so Keil.

Das beste Beispiel ist die französische Regisseurin Emmanuelle Nicot (37), die für ihren Film "Dalva" mit dem mit 5000 Euro dotierten "NDR Nachwuchspreis" ausgezeichnet wurde.

Nicot selbst war nicht anwesend, da sie nach drei Tagen ohne ihre Kinder wieder zu ihnen wollte. Sie ließ aber ausrichten, wie froh sie über die Anerkennung sei und das so hoffentlich noch mehr Menschen auf das "schreckliche Thema" aufmerksam gemacht werden, von dem ihr Film handelt.

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In dem Drama geht es um die zwölfjährige Dalva, die nach schwerem Missbrauch versucht, wieder ein Kind zu sein.

Filmemacher Michael A. Goorjian will mehr Hoffnung in den Kinos

Der allseits beliebte Publikumspreis, ebenfalls mit 5000 Euro dotiert, ging dieses Jahr an das Drama "Amerikatsi" des amerikanischen Schauspielers und Filmemachers Michael A. Goorjian (51), der sich bereits Preisträger eines "Emmy Awards" nennen darf. Der Film handelt von einem Armenier, der lange im Exil in den USA gelebt hat und in seine Heimat zurückkehren will, doch stattdessen in einem sowjetischen Gefängnis landet.

Durch ein Loch in der Gefängnismauer entdeckt er die armenische Kultur, die er nie kennengelernt hat. "Ich bedanke mich beim Filmfest Hamburg, dass sie Armenien ins Weltkino mit einbezogen haben", so Goorjian. "Außerdem bedanke ich mich beim Hamburger Publikum dafür, das Sie einen Film gewählt haben, der die mitfühlende Seite der Menschheit zeigt."

Bei all dem Pessimismus, der heutzutage in der Welt herrsche, sei es vor allem für Künstler und Filmemacher wichtig, "inspirierende und motivierende" Geschichten zu kreieren, die wieder Hoffnung verleihen.

Afrika-Verein gewinnt Max-Brauer-Preis

Keil mit Ansgar Wimmer, Vorstandsvorsitzender der Toepfer Stiftung, die den "Max-Brauer-Preis" verleiht.
Keil mit Ansgar Wimmer, Vorstandsvorsitzender der Toepfer Stiftung, die den "Max-Brauer-Preis" verleiht.  © Madita Eggers/TAG24

Neu zu Gast beim Filmfest war der "Max-Brauer-Preis", der seit 1993 an Persönlichkeiten und Einrichtungen der Freien und Hansestadt Hamburg verliehen wird, die das kulturelle, wissenschaftliche oder geistige Leben Hamburgs mit ihrem Engagement prägen.

Ausgezeichnet wurde in diesem Jahr der Verein "Augen Blicke Afrika e. V.", der seit Jahren das "Afrikanische Filmfestival" in der Stadt organisiert.

"Wir hoffen, durch den Preis bekannter zu werden", so Organisator Hans-Jörg Heinrich. "Unser Anliegen ist es, ein anderes Bild von Afrika zu vermitteln. Viele von uns sind seit Jahren in Afrika unterwegs und wir haben gemerkt, das Bild, welches von den Medien vermittelt wird, ist doch sehr einseitig. Meist Krise, Hunger, Armut oder eben Tiere. Viele fahren wegen Safari dahin, was ja auch okay ist, aber Afrika ist anders."

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Um sich selbst ein Bild von der Vielfalt des Landes zu machen, lud er alle Filmfest-Gäste zum nächsten "Afrikanischen Filmfestival" vom 3. bis 13. November im Studio-Kino in Hamburg ein. Das Programm kann man schon online einsehen.

Filmfest Hamburg: Albert Wiederspiel freut sich über "All-time Record"

Schauspieler Gustav-Peter Wöhler (l.) und der Chef des Filmfestes Hamburg, Albert Wiederspiel, beim 30. Filmfest Hamburg.
Schauspieler Gustav-Peter Wöhler (l.) und der Chef des Filmfestes Hamburg, Albert Wiederspiel, beim 30. Filmfest Hamburg.  © Axel Heimken/dpa

"Nach zwei Jahren Pandemie wussten wir nicht, ob die Leute doch noch Angst haben, Schulter an Schulter im Kino zu sitzen. Aber nein, sie kamen alle und wir haben dieselben Zahlen wie 2019. Es freut mich riesig, dass die Leute zurück ins Kino finden", sagte Filmfest-Leiter Albert Wiederspiel in seinem Schlusswort.

Besonders stolz sei er neben der hohen Besucher- auf die hohe Gästezahl. "Mit 477 Gästen haben wir in diesem Jahr unseren 'All-time Record'. Wir merken immer wieder, wie gerne die Leute nach Hamburg kommen und wie gerne sie mit dem Hamburger Publikum diskutieren. Die Gespräche nach den Filmen sind genauso wichtig wie die Filme selbst."

Wiederspiel strahlte während der ganzen Rede eine große Dankbarkeit aus, wurde am Ende dann aber doch etwas melancholisch, als er verkündete, das nächstes Jahr sein letztes als Leiter des "Filmfest Hamburg" sein wird.

Titelfoto: Axel Heimken/dpa

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