Historiker entsetzt: Hollywood-Epos "Napoleon" steckt voller Fehler

Deutschland - Am heutigen Donnerstag feiert "Napoleon" seine Premiere in den deutschen Kinos. Experten und Historiker sind von dem hochkarätigen Film allerdings wenig begeistert.

US-Schauspieler Joaquin Phoenix (49) gibt sich größte Mühe, doch seine Darstellung des französischen Feldherrn ist zu eindimensional.
US-Schauspieler Joaquin Phoenix (49) gibt sich größte Mühe, doch seine Darstellung des französischen Feldherrn ist zu eindimensional.  © Oscar Del Pozo/AFP, Kevin Baker/Apple TV+/dpa

Regisseur Ridley Scott (85) ist für monumentale Szenen bekannt, ob nun in "Gladiator", "Blade Runner", "Prometheus" oder anderen Filmen.

Sein neues Epos "Napoleon" scheint es mit historischer Authentizität allerdings nicht so genau zu nehmen. Experten sind gleich mehrere grobe Fehler aufgefallen.

"Das zieht sich stringent durch den ganzen Film", sagte Historiker Thomas Schuler gegenüber ZDF.

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Im Film schlagen etwa Artillerie-Granaten in die Spitzen der Pyramiden ein. Schuler kritisiert: "Sowas macht einfach eine Kanonenkugel aus dem Jahr 1798 nicht."

In der Eingangsszene wird Marie-Antoinette zum Schafott geführt. Napoleon Bonaparte beobachtet, wie die Königin guillotiniert wird. Es ist allerdings belegt, dass sich der echte Napoleon zu diesem Zeitpunkt in Südfrankreich statt in Paris befand.

Auch Napoleons Geburtsdatum wird im Film mit Februar 1768 falsch vorgetragen. In Wirklichkeit wurde Napoleon am 15. August 1769 geboren.

In "Napoleon" wird ein Mann ohne Charisma gezeigt

Der britische Regisseur Ridley Scott (85, r.) hat in seinem neuesten Monumentalwerk wenig Wert auf historische Genauigkeit gelegt.
Der britische Regisseur Ridley Scott (85, r.) hat in seinem neuesten Monumentalwerk wenig Wert auf historische Genauigkeit gelegt.  © -/Apple TV+/dpa, Scott Garfitt/Invision/AP/dpa

Auch die Darstellung des Kaisers selbst stößt auf Kritik. Joaquin Phoenix (49) stellt Napoleon als ruppigen Liebhaber und schlecht gelaunten Feldherrn dar.

"Der echte Napoleon war geistreich, er hat in seiner Konversation Witz gehabt, er war einer der belesensten Menschen, die es je gab, und er hatte auch wahnsinnigen Humor, er konnte sehr gut mit einfachen Soldaten", so Schuler.

Die Tatsache, dass Bonaparte nicht nur Kriege geführt, sondern auch die Gesellschaft modernisiert hat, etwa mit dem Gesetzeswerk "Code Civil", wird in dem Historienepos ebenfalls weitgehend ausgeblendet.

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"Dieser Film hat weder Hand noch Fuß, er ist grobschlächtig und vulgär. Das Gegenteil von dem, was man über Napoleon weiß", befindet der französische Historiker Thierry Lentz.

"Als Historiker ist man extrem enttäuscht", so Lentz.

Titelfoto: Oscar Del Pozo/AFP, Kevin Baker/Apple TV+/dpa

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