Kapelle Petra begeistern mit Wehmut und Witz im Columbia-Theater Berlin
Berlin - Mit einer Mischung aus augenzwinkerndem Humor, eingängigen Melodien und emotional-nostalgischen Momenten hat die Kapelle Petra aus Hamm (NRW) zum Jubiläum das Publikum imBerliner Columbia-Theaterb egeistert. Es war eine Zeitreise durch 30 Jahre Bandgeschichte.
Über zwei Stunden lang und mit 30 Songs aus ihren acht Studioalben im Gepäck feierte die Band gemeinsam mit ihren Fans einen Abend. Es gab hymnischen Indie-Rock voller ironisch gebrochener Alltagsbeobachtung, Punk-Attitüde, Melancholie und Witz auf die Ohren.
Der Saal war am Samstagabend proppenvoll, das Publikum bunt gemischt: Da standen sie, die Studienrätin im Leo-Look und Doc-Martens neben den Punks im "Dritte Wahl"- oder "Ruhrpott Rodeo"-Shirt. Eltern brachten ihre Kinder mit, die offenkundig schon früh mit dem Hamburger Independent-Label "Grand Hotel van Cleef" musikalisch sozialisiert werden.
Um kurz nach 20 Uhr ertönte "The Boys Are Back in Town" von Thin Lizzy aus den Boxen: "Sänger und Gitarrist Guido Scholz (genannt "Opa"), Bassist Rainer "Der tägliche Siepe" Siepmann, Schlagzeuger Markus "F*cken" Schmidt unter frenetischen Applaus die Bühne. Verstärkt wird die Band live durch Bühnenskulptur Timo "Gazelle" Sprenger und Multiinstrmentalist Ole Obering Bühnenskulptur.
"Wir sind zum fünften oder achten Mal in Berlin, aber so viele Menschen waren noch nie auf einem Petra-Konzert", rief Scholz in die Menge. Die ersten Takte von "Befund" wurden von lautstarkem Jubel begleitet, schnell entwickelte sich eine dichte Atmosphäre im Saal. Viele Besucher waren textsicher, wippten mit emporgereckten Armen im Takt der Musik mit, der Boden bebte, manche schwenkten Flaggen.
"Wir haben keinen Support, keine Vorband, dafür ein langes Set", versprach Scholz - und versprach nicht zu viel. Es war ein Parforceritt durch 30 Jahre Bandgeschichte. Alles begann während einer Studenten-Kneipentour durch Münster 1996, als sie spontan beschlossen: "Wir gründen jetzt eine Band - und die heißt Petra."
Kapelle Petra reißen Publikum mit
Scholz beschrieb mal rückblickend, man habe "aus einer Schnapslaune raus" angefangen, einfach weil man Lust auf Musik hatte. Charakteristisch ist zudem die Mischung aus Humor und Haltung.
Hinter den oft ironischen Texten stecken auch ernsthafte Themen. Gesellschaftliche Kritik wird angebracht, Selbstzweifel thematisiert. "Früher habe ich Getränke verkauft bei Rewe in Hamm-Westen, heute verkaufe ich Getränke bei Rewe in Hamm-Westen", heißt es zum Beispiel in "Seitdem ich Johnny Cash bin".
Musikalisch zeigte sich die Band vielseitig: treibende Gitarren trafen auf tanzbare Rhythmen, ruhige Passagen wechselten sich mit energetischen Ausbrüchen ab. Besonders in den Refrains verwandelte sich das Columbia-Theater in einen großen Chor.
Die Band zelebrierte eine Werkschau: Klassiker wie "Geburtstag" feierten manch gut vorbereitete Konzertgänger mit Partyhütchen ab, bei "Curly Sue ist doch kein Name für ein Kind aus Gelsenkirchen" und "An irgendeinem Tag wird die Welt untergehen" gab es kein Halten mehr.
"Uns wurde gesagt, dass wird als Live-Band wundervolle Stimmungen erzeugen können", erzählte Scholz vor Jahren in einem Interview mit "Westzeit". Das war auch an diesem Abend in Berlin der Fall. Hier geht es zu den aktuellen Tourdaten.
Titelfoto: Denis Zielke/TAG24

