Berlin - Am Samstagabend füllte Sängerin Raye (28) die Uber Arena – und zeigte schon beim zweiten Stopp ihrer Tour, warum sie derzeit zu den spannendsten Stimmen des Neo-Soul zählt. TAG24 war live dabei und hat die Highlights des Abends eingefangen.
Die 28-jährige, Grammy-nominierte Britin präsentierte ihrem Berliner Publikum auf der Tour "This Tour May Contain New Music" nicht nur bekannte Hits, sondern auch bisher unveröffentlichte Songs aus ihrem gleichnamigen kommenden Album.
Zu Beginn verdeckte ein schwerer roter Vorhang die Bühne, darüber schwebte eine graue Wolke. Dann betritt Raye im schwarzen Mantel und mit Sonnenbrille die Bühne und beginnt mit der dramatischen Ballade "I Will Overcome" – ein Versprechen, alles zu überstehen.
Als der Vorhang fällt, steht sie in einem langen roten Kleid mit einem Jazz-Orchester auf der Bühne und stimmt mit "Where Is My Husband?" das Publikum auf die Show ein. Raye, geboren als Rachel Agatha Keen in Südlondon, ging mit 14 auf die Brit School, die sie nach zwei Jahren abbrach.
Mit 17 stand sie vor der damaligen Mercedes-Benz-Arena und träumte davon, hier eines Tages zu spielen. Jetzt steht sie mittendrin – barfuß und sichtbar überwältigt, als sei ihr selbst nicht bewusst, welchen Einfluss ihre Musik inzwischen hat.
Gigantische Jazz-Show im Look einer 60er-Jahre-Fernsehrevue
Sepiatöne, Schwarz-Weiß-Bilder, Retro-Effekte und Applaus-Schilder. Das Jazz-Orchester trägt ihre warme, markante Stimme, während sie scheinbar improvisiert im ständigen Dialog mit dem Publikum steht. Sie selbst sagt lachend, sie bräuchte eigentlich ein Skript.
Mit "Winter Woman" kehrt die graue Wolke zurück. Blitze zucken, goldener Regen fällt – als wolle Raye zeigen, dass selbst die dunkelste Wolken etwas Wertvolles in sich tragen kann. Ihre Botschaft: Das Leben ist nicht leicht, aber wie ihre Mutter immer sagte: "It’s gonna be ok."
Später verwandelt sich die Bühne in Rayes Jazzclub. Sie erzählt von einer Frau, die "very, very single" ist, und genau dort ihr Glück findet.
Jeder brauche schließlich ein bisschen Jazz im Leben. Mit "Worth It", ihrem Happy Song, wird die Szenerie musikalisch gefüllt.
Von Emotion zu Ekstase – von Raye zu Rave
Der leiseste Moment folgt, als sie allein am Klavier "Ice Cream Man" singt – ein Song über ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt. Trotz der emotionalen Tiefe kippt das Konzert nie ins Schwere. Auf der Leinwand verwandelt sich der Schriftzug "Raye" in "Rave".
Nach einem Outfitwechsel steht sie im eleganten schwarzen Kleid mit hohem Beinschlitz auf der Bühne. Mit Laser- und Lichtshow zu "Prada" wird Berlin zur größten Techno-Party des Abends.
Gemeinsam mit ihren Schwestern Amma und Absolutely, die bereits im Vorprogramm auftraten, beendet Raye die Show mit dem neuen Song "Joy". Zum Abschluss folgt ein Encore mit "Escapism" – dem Song, der ihr zum Durchbruch verhalf.
Talent ist das eine, doch Raye zeigt mit ihren Songs vor allem ihren unerschütterlichen Glauben daran, dass sich am Ende alles zum Guten wendet.