Sorry3000 und der Real-Pop: "Bedienen Themen wie Liebe nicht auf die klassische Art"

Halle (Saale)/Leipzig - Im April erscheint das zweite Album der Real-Popper Sorry3000. Über dieses, ihre erste Single-Auskopplung und was eigentlich ein Bär in ihrem Musikvideo zu suchen hat, sprach Drummer Fenge mit TAG24 im Interview.

Sorry3000 machen Real-Pop mit Themen, die sonst in der Popmusik oft nicht so viel Beachtung finden.
Sorry3000 machen Real-Pop mit Themen, die sonst in der Popmusik oft nicht so viel Beachtung finden.  © Sophia Küstenmacher

Sorry3000, das sind Stefanie Heartmann, Frank Leiden, Joni Spumante, Bianca Stress, Kim Möglich (neu dabei) und Schlagzeuger Fenge. Alle um die 30 Jahre alt.

Sexy Pop-Themen interessieren die sechs weniger. Dafür widmen sie sich in ihren Texten aus den Federn von Steffi und Frank Alltags-Themen, die die Band beschäftigen. Real-Pop eben.

"Themen, die sonst vielleicht in der Popmusik oft nicht so viel Beachtung finden. Kleinliche Themen wie Sparen, sich nicht ins Spießertum einordnen wollen. Wir bedienen nicht Themen wie Liebe auf die klassische Art, oder sehen uns als cool", erklärt Fenge.

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Das Ziel sei schon immer, das Thema zu treffen und unangenehme Punkte herauszuarbeiten, aber mit einem humorvollen Ansatz, der den Song dann wieder leichtfüßiger mache. "Wir haben glaube ich keinen Song, der nur schwer ist."

Die Botschaft ihrer Songs: "Am Ende gibt es eine, könnte man sagen, 'Pseudobotschaft': Es ist alles nicht so schlimm."

Sorry3000-Drummer: "Mit der eigenen Spießigkeit am Ende umzugehen"

Fenge (r.) sprach mit TAG24 über die Band, ihre Inhalte und was es mit dem Bären in ihrem neuen Musikvideo auf sich hat.
Fenge (r.) sprach mit TAG24 über die Band, ihre Inhalte und was es mit dem Bären in ihrem neuen Musikvideo auf sich hat.  © Sophia Küstenmacher

Thema der ersten Single-Auskopplung "Hinterm Kreisel": "Mit der eigenen Spießigkeit am Ende umzugehen", so Fenge.

Der Autor des Songs, Frank, habe mal wieder Lust auf einen komplizierteren Song gehabt, der ein bisschen Gedicht-mäßig daherkommt. Ähnlich wie "Tarifgebiet" von der letzten Platte (2020), der auch eher eine Erzählung/Beschreibung sei.

Steffi singt nicht, sie erzählt melodisch, könnte man den Stil der Musikerin beschreiben, und lässt einen vielleicht beim ersten Hören sogar mit einer kleinen Irritation zurück, durchaus keine negative.

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Im Video zur Single ist sie mit einem Bären unterwegs. Die beiden laufen durch die Stadt, bevor er sie am Ende alleine in ein Reihenhaus ziehen lässt. "Die Idee kam sehr spontan bei einem Call, bei dem wir über das Video gesprochen haben", erinnert sich Fenge im Gespräch. "Franky hatte dieses Bärenkostüm. Das war dann erstmal komisch und verrückt, aber dann hat der Bär als Metapher für uns Sinn gemacht."

Für ihn stehe der Bär für den kindlichen Teil in einem selbst, der einfach eine gute Zeit haben und etwas entdecken will. "Am Ende will der Bär nicht mehr weiter mitkommen, weil er schon weiß: gleich wird es langweilig und spießig, und tanzt lieber davon."

Sorry3000 - Hinterm Kreisel

Sorry3000 gehen auf "Der Spaß ist zu Ende"-Tour

Das, was in den Texten erzählt wird, ist sehr intim. Band und Berufliches/Privates werden aber strickt getrennt. Bekannt ist über die Bandmitglieder, außer die Wohnorte Leipzig und Halle (Saale), so gut wie nichts.

Die Künstlernamen klingen mit voller Absicht ein wenig verstaubt. "Wir wollten uns schnöde Künstlernamen geben." In den Nachnamen findet sich dann immer noch eine kleine Anspielung "auf irgendwas", so Fenge. Herz in Heartmann, Leiden in Leiden. Worauf? Auf die jeweilige Persönlichkeit? Vielleicht aber auch nicht.

In Hamburg spielen sie am 19. April im Molotow im Rahmen ihrer "Der Spaß ist zu Ende"-Tour und feiern gleich auch noch den Release ihres zweiten Albums "Grüße von der Überholspur".

Erhältlich ist das Album nicht nur auf Vinyl, sondern auch auf Kassette. Ungewöhnlich. Immerhin sind jetzt nicht mehr Unmengen von Kassetten-Desks in deutschen Haushalten zu finden. "Ich glaube, das Label hat es vorgeschlagen. Wir sind ja zur Hälfte in Leipzig. Hier gibt es eine Punk-Szene, die ganz viel auf Tapes machen. Für mich hat es ein bisschen mit hineingespielt, dass ich das ganz sympathisch finde."

Titelfoto: Sophia Küstenmacher

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